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Mutig, aber nicht ohne Risiko

Diese Folgen hat der UBS-Entscheid für die Schweiz

Die UBS soll ihre Auslandstöchter mit 90 Prozent Eigenkapital absichern. Das Parlament trotzt damit dem Lobbying der Grossbank. Es gefährdet aber auch die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz.

Martin Schmidt

Finance Forum Zurich 2026
EPA

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Der Entscheid des Ständerats ist für die UBS und deren CEO Sergio Ermotti (66) ein Paukenschlag: Er verlangt, dass die Bank ihre Auslandstöchter künftig mit 90 Prozent hartem Eigenkapital unterlegt. Damit liegt der Rat sehr nahe an der Forderung des Bundesrats mit einer 100-Prozent-Regelung.
Das überrascht: Die kleine Kammer ist bürgerlich dominiert und gilt traditionell als wirtschafts- und bankenfreundlich. Die vorberatende Kommission für Wirtschaft des Ständerats hatte sich noch erwartungsgemäss für eine deutlich abgespeckte Variante der Bundesratsforderung ausgesprochen: 50 Prozent hartes Eigenkapital, 50 Prozent AT1-Anleihen.
Der Ständerat hat sich damit gegen das Experiment mit den AT1-Anleihen entschieden: Dieses Fremdkapital soll im Krisenfall in Eigenkapital gewandelt werden. Die Zweifel, ob dies im Ernstfall wirklich funktionieren würde, waren offenbar zu gross.

Bank büsst an Wettbewerbsfähigkeit ein

Das intensive Lobbying der Bank – zuletzt durch Ermotti mit einem überraschenden Auftritt in der «NZZ» – hat sich nicht ausgezahlt. Das kann durchaus als positives Zeichen für die Unabhängigkeit des Parlaments gewertet werden: Die Ständeräte haben nach ihrer Überzeugung entschieden, was das Beste für die Schweiz ist. Ein Anlass, die Korken knallen zu lassen, ist es trotzdem keiner. Denn eine tatsächliche Win-win-Lösung gibt es nicht.

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Muss die UBS ihre Tochtergesellschaften künftig statt mit 45 mit 90 Prozent Eigenkapital unterlegen, würde dies gemäss der Bank fast 3 Milliarden Dollar pro Jahr an wiederkehrenden Kosten verursachen.
Basierend auf Schätzungen von Autonomous Research – einem weltweit renommierten Spezialisten für Bankenanalysen – wären die Kosten zwar nur etwa halb so hoch. Doch auch für den Fall, dass die UBS die Kostenfolgen aus taktischen Gründen grossrechnet, verliert die Bank durch die Regulierung an Wettbewerbsfähigkeit. Eine derart strenge Vorgabe für Auslandstöchter kennt sonst kein Finanzplatz, und die Schweiz steht mit Standorten wie London, New York, Singapur oder Hongkong in einem harten Konkurrenzkampf.
«Der Vorschlag des Ständerats wäre mit erheblichen Kosten verbunden, die nicht nur die UBS, sondern der Standort Schweiz als Ganzes zu schultern hätten», sagt etwa Rudolf Minsch (59), Vizedirektor des Dachverbands Economiesuisse.

Schweizer Bankenplatz droht kurzfristig ein Dämpfer

Die UBS müsste zusätzlich 17 Milliarden Dollar an hartem Eigenkapital halten, die für ein operatives Wachstum blockiert wären. Das betrifft gerade den US-Markt, wo die grossen Konkurrenten deutlich laxere Vorschriften haben. Die Wachstumspläne der UBS würden einen deutlichen Dämpfer erfahren.

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Unter den höheren Kosten leidet die Rentabilität der Bank, worauf das Management mit Sparmassnahmen reagieren könnte. Gehen dadurch künftig Arbeitsplätze in der Schweiz verloren, wäre das eine bittere Pille. Beim Schweizerischen Bankenpersonalverband geht die Angst um: «Jetzt machen wir uns grosse Sorgen um einen weiteren Abbau der Arbeitsplätze auf dem Schweizer Bankenplatz», sagt Vizepräsidentin Natalia Ferrara (43).
Der Ständerat scheint eine andere bittere Pille jedoch höher zu gewichten: Kein anderes Land in der Grösse der Schweiz beheimatet eine Bank mit einem derartigen Gewicht. Die UBS-Bilanz ist zwei Mal so gross wie die gesamte Schweizer Volkswirtschaft. Gerät die Bank in Schieflage, könnten für die Steuerzahler mehrere Hundert Milliarden Franken auf dem Spiel stehen.

Der Fehlanreiz, Auslandstöchter zu hoch zu bewerten

Die geplanten Regulierungen sollen deshalb zwei zentrale Lücken schliessen, die dem Management der Credit Suisse ihre Misswirtschaft über eine so lange Zeit ermöglicht haben: So soll die Finanzmarktaufsicht (Finma) keine Ausnahmen mehr gewähren dürfen, mit denen die CS damals ihre Milliardenverluste im Ausland verschleiern konnte. Aus Sicht der UBS würde diese Massnahme ohne schärfere Kapitalanforderungen bereits ausreichen.

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Doch die Bank beschäftigt Heerscharen von top bezahlten Spezialisten, welche hochkomplexe Modelle entwickeln, mit denen die Eigenkapitalanforderungen auf legalem Weg so weit wie möglich gedrückt werden. Eine Behörde wie die Finma kann bei diesem Wettrüsten nicht mithalten und wird so nie ganz verhindern können, dass eine Grossbank Auslandstöchter zu hoch bewertet. Die aktuelle Regulierung schafft Anreize für eine solche Überbewertung. Müssen Auslandstöchter zu 90 Prozent mit Eigenkapital unterlegt werden, entfällt dieser Fehlanreiz zum grössten Teil.
Trotz der bitteren Pille könnte die UBS von der Regulierung bei der nächsten globalen Bankenkrise profitieren – und als besonders stabile Grossbank reiche Kunden gewinnen.
Zuerst wandert die Gesetzesvorlage aber in den Nationalrat, der bei Bankenthemen traditionell schärfere Zähne zeigt.

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