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Robotic

Präzision auf vier Pfoten

Das Schweizer Robotikphänomen «ANYmal» zeigt, wie autonome Systeme heute Milliardenverluste verhindern.

Wilma Fasola

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Anymal wurde basierend auf Vorbildern aus der Natur konstruiert. ANYbotics

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Die industrielle Instandhaltung steht vor einem Paradigmenwechsel: weg von der reaktiven Reparatur, hin zur lückenlosen, autonomen Überwachung. Was in der Inspektion von Energieanlagen, Chemiewerken und Offshore-Plattformen zunehmend als Benchmark gilt, nahm seinen Anfang in den Laboren der ETH Zürich. Das Spin-off Anybotics hat den Sprung aus der akademischen Forschung in die industrielle Realität geschafft. Während herkömmliche Rad- oder Kettenroboter an Treppen und komplexen Hindernissen an ihre Grenzen stossen, imitiert der vierbeinige Roboter «ANYmal» die Mobilität biologischer Vorbilder. Es ist kein Spielzeug, sondern ein hoch präzises Mess- und Inspektionsinstrument, das darauf ausgelegt ist, in Umgebungen zu arbeiten, die für Menschen zu gefährlich oder zu monoton sind. Das Unternehmen selbst sitzt in Oerlikon, wobei hier der Fokus auf der Entwicklung von Software und Hardware liegt. Immer mit dem Ziel, dass kritische Infrastrukturen ohne ungeplante Stillstände betrieben werden können.

Schutz vor Milliardenverlusten

Doch was macht Anybotics so erfolgreich, und warum investieren Weltkonzerne Millionen in diese Technologie? Die Antwort: Das Interesse liegt in der radikalen Reduktion von Risiken und Kosten. Péter Fankhauser, Co-Founder und CEO von Anybotics, beschreibt die ursprüngliche Motivation so: «Unsere Vision war, Roboter zu bauen, die sich ganz natürlich in alltäglichen Umgebungen bewegen können.» Doch aus der Forschung wurde schnell ein konkreter Business-Case. In grossen Anlagen wie Raffinerien oder Offshore-Windparks ist die Sensorik oft statisch verbaut, was Lücken hinterlässt. «Man braucht eigentlich einen mobilen Sensor, der ähnlich wie ein Mensch durch die Anlage läuft, die Daten aber noch präziser auswertet und niemanden in Gefahr bringt», erklärt Fankhauser. Ziel ist, Mitarbeitende von risikoreichen Routineaufgaben zu entlasten und gleichzeitig die Datenqualität zu erhöhen. «Die Anlagenverfügbarkeit wird durch Daten gesichert, die ein Mensch gar nicht erfassen könnte, denn ANYmal hört Lagerschäden im Ultraschallbereich oder erkennt via Thermografie kleinste Temperaturunterschiede, bevor ein Brand entsteht.» Und genau das benötigt die globale Industrie. Denn findet ein Roboter eine Leckage, bevor sie zur Katastrophe führt, wird Technik lebensrettend.

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KI als digitaler Assistent

Doch der Weg bis zu dem Punkt, an dem Branchengrössen auf sie vertrauten, war nicht immer einfach. Besonders herausfordernd war dabei vor allem das Gewicht. «Am Anfang war es extrem schwierig, ein Gerät zu konstruieren, das leicht genug ist und trotzdem die nötige Kraft besitzt», erklärt der Co-Founder. «Wir mussten schmerzhaft lernen, dass Standardkomponenten aus der Industrie hier nicht funktionieren.» Doch man hat es vom ersten handgefertigten Prototypen bis zur Serienproduktion im Jahr 2021 geschafft. Und das auch, weil man enorm interessant für internationale Talente ist. Dass Zürich zum Zentrum der Laufrobotik wurde, liegt nämlich auch an der Sogwirkung der ETH Zürich. Die fachliche Überlegenheit von Anybotics basiert auf einer Methode, die Robotik mit künstlicher Intelligenz (KI) auf eine Weise verbindet, die vor wenigen Jahren noch undenkbar war. Ein entscheidender Durchbruch war der Einsatz von Deep Reinforcement Learning. Statt jede Bewegung starr zu programmieren, lernt die Maschine in Simulationen selbstständig das Laufen. «Die gesamte Motorik ist vom Roboter gelernt; ein neuronales Netzwerk führt diese Bewegungen aus», so Fankhauser. Doch die Hardware ist nur das Vehikel. Die eigentliche Arbeit findet in der Datenverarbeitung statt. «Wir sammeln mit unserer Flotte über 150'000 Inspektionspunkte pro Monat. Kein Mensch könnte diese Flut an Informationen sichten.» Die KI transformiert diese Rohdaten in wertvolle Insights. Zurzeit agiert das System dabei wie ein intelligenter Assistent: Missionen laufen autonom, Auffälligkeiten werden markiert, die Bewertung bleibt jedoch stets beim Menschen. Ein besonderer Meilenstein ist ein neuer Roboter für die Chemie- und Gasindustrie. Er wurde für den Einsatz in explosionsgefährdeten Zonen zertifiziert.

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Der Weg von Anybotics zeigt, dass technologische Souveränität nicht nur im Silicon Valley entsteht. Mit über 200 Mitarbeitenden und rund 120 Millionen Franken an Investorengeldern hat das Team bewiesen, dass Schweizer Präzision und moderne KI eine weltweite Marktlücke füllen. Die Akzeptanz bei den Kunden ist längst da. Fankhauser fasst final zusammen: «Heutzutage ist Automatisierung für Grosskonzerne keine Frage des Ob mehr, sondern ein strategisches Mandat.» Und ob in den USA, Japan oder auf der Nordsee – die Roboter aus Zürich übernehmen die gefährliche Arbeit, damit Menschen sich auf die Lösung komplexer Probleme konzentrieren können.
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