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Amazon-Chef Jeff Bezos ist im Anmarsch auf die Schweiz

Es heisst: Wenn Amazon kommt, ist fertig lustig. Bislang mussten Schweizer Anbieter keine Angst haben. Jetzt aber soll der weltgrösste Onlinehändler ein Auge auf die Schweiz geworfen haben.

Philipp Albrecht

Amazon
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Amazon Mitarbeiter
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Amazon ist längst nicht mehr nur Buchhändler, auch nicht mehr nur der Händler mit dem grössten Sortiment der Welt. Inzwischen revolutioniert der US-Konzern das Konsumverhalten und die gesamte Arbeitswelt. RMS

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Wenn Amazon kommt, ist fertig lustig. Das hört man im Schweizer Detailhandel seit einiger Zeit. Solange man hier in den Browser Amazon.ch eintippe und dabei auf Amazon.de weitergeleitet werde, müsse kein Schweizer Anbieter Angst haben. Jetzt sieht es aber danach aus, als würde Amazon-Gründer und-CEO Jeff Bezos den Schritt über die Grenze gehen wollen.
Zwar hat sich bezüglich Internetadresse noch nichts verändert, doch ganz offensichtlich streckt der 100-Milliarden-Konzern seine Fühler aus. Wie «Bilanz» aus E-Commerce-Kreisen hört, suchen Bezos’ Leute nach einem Schweizer Standort. Darüber hinaus gehen sie aktiv Fachpersonal an. Das läuft allerdings nicht über Stelleninserate. Vielmehr trifft Amazon die Leute in diskretem Rahmen. So diskret, dass nicht einmal die Marktbeobachter etwas davon mitkriegen. Aus der Deutschland-Zentrale in München gibts weder eine Bestätigung noch ein Dementi: «Amazon hat hierzu keine Ankündigung gemacht», teilt ein Sprecher auf Anfrage mit.

Drittgrösster Versandhändler in der Schweiz

Mit 400 Millionen Franken Umsatz ist Amazon schon heute nach Digitec und Zalando der drittgrösste Versandhändler im Schweizer Markt. Und das, obwohl er nur ein ausgesuchtes Sortiment in die Schweiz liefert. Erst seit einem Jahr werden Produkte ab einem Bestellwert von 49 Euro versandkostenfrei in die Schweiz geliefert. Bei CDs und DVDs gilt das schon ab 29 Euro, und Bücher sind 
gänzlich von Versandkosten befreit. Die 49-Euro-Grenze sollte ursprünglich nur in der sechsmonatigen Testphase gelten, inzwischen wurde sie fix eingeführt. Die Schweizer scheinen Amazon zu lieben.

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Die tiefsten Sorgenfalten dürften sich jetzt bei Hansueli Loosli abzeichnen. Der VR-Präsident von Coop und Swisscom ist der Vater des Online-Marktplatzes Siroop. Auch Migros-Chef Herbert Bolliger, der die Tochter Digitec Galaxus zu einem Online-Warenhaus aufbauen liess, wird sich nicht freuen. Daneben dürfte es für Brack.ch-Inhaber Roland Brack ebenfalls kaum einfacher werden, da er sein Portal vom Elektronikhändler zum Internetwarenhaus ausbaut.
In Deutschland betreibt Amazon neun Logistikzentren. Ein neues in der Schweiz dürfte nicht das Ziel von Amazons Standortsuche sein. Zu hoch sind die Miet- und Personalkosten. Mehr Sinn macht ein kleiner Standort für die Rückwärtslogistik. Denn für Schweizer Kunden gibts keine Gratisretouren. Wer etwas zurückschicken will, wird zum Exporteur. Und das wird zuweilen teuer.
Sehen Sie in der Bildergalerie unten, welche zehn Online-Shops in der Schweiz am meisten umsetzen:
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Der Schweizer E-Commerce-Umsatz hat auch 2015 deutlich zugelegt. Dem Datendienstleister Statista in Zusammenarbeit mit dem Forschungsunternehmen EHI zufolge erwirtschafteten die zehn stärksten E-Commerce-Händler im vergangenen Jahr einen Umsatz - mit physischen Gütern - von 2, 638 Milliarden Franken. Im Jahr zuvor waren es noch 2,281 Milliarden Franken. Das ist die Top 10: RMS

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