Abo
ETH-Start-up

Kompakt, klug, Weltklasse

Warum die Schweiz trotz überschaubarer Grösse in den Zukunftsindustrien verlässlich weltweit Standards setzt.

Wilma Fasola von Handelszeitung

Co-Gründer Leon Baade glaubt fest an die Innovation, die sein Bruder im Bereich der Batterietechnologie entwickelt hat.
Co-Gründer Leon Baade glaubt fest an die Innovation, die sein Bruder im Bereich der Batterietechnologie entwickelt hat.Screenshot Youtube

Werbung

Die Schweiz gehört weltweit zu den führenden Innovationsstandorten, insbesondere im Deep-Tech-Sektor. Diese Stärke wurzelt in einem Ökosystem, das akademische Exzellenz, hochspezialisierte Infrastruktur und unternehmerischen Wagemut verbindet. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei die ETH Zürich ein. Als eine der weltweit besten Hochschulen gilt sie als hochproduktive Wiege für Technologie-Start-ups. Auch die Wurzeln des 2022 gegründeten Start-ups 8inks liegen in der ETH Zürich, wo die Technologie im Rahmen einer Abschlussarbeit von Paul Baade entstand. Zusammen mit seinem Bruder Leon Baade und seinem Freund Karl-Philipp Schlichting erkannte er das disruptive Potenzial, den wissenschaftlichen Ansatz zur Batteriefertigung zu kommerzialisieren. Dieser Schritt erforderte neben technologischem Know-how auch unternehmerische Entschlossenheit. CEO Leon Baade erinnert sich: «Der Ansatz meines Bruders zeigt, dass wir die Batterieproduktion grundlegend verändern können. Das hat mich überzeugt, einzusteigen und meine Erfahrung gezielt in den Aufbau des Unternehmens einzubringen.»
Doch ein wissenschaftlicher Durchbruch allein garantiert auf den hart umkämpften internationalen Märkten noch keinen kommerziellen Erfolg. Entscheidend für das Überleben und das Wachstum eines Deep-Tech-Start-ups ist die Ausgewogenheit zwischen technologischer Substanz, strategischer Führung und klarer Marktpositionierung. Bei 8inks spiegelt sich das in einer klaren und effizienten Rollenverteilung innerhalb der Unternehmensführung wider. Nachdem Paul Baade das technologische Fundament gelegt hatte, stieg sein Bruder Leon ein, um die kaufmännische Struktur aufzubauen. Und während Paul Baade als CTO die Hardware-Architektur, die Beschichtungsprozesse und die Weiterentwicklung der geschützten Verfahren verantwortet, steuert Leon Baade als CEO die strategische Ausrichtung – von der Finanzierung über das Marketing bis hin zu Partnerschaften mit der Industrie. Karl-Philipp Schlichting leitet den operativen Betrieb und bildet über die Produktentwicklung das Bindeglied zwischen Paul (Technologie) und Leon (Kunden) Baade. Diese klare Aufgabenteilung erlaubt es dem jungen Unternehmen, Technologie und Geschäftsmodell von Beginn an mit hohem Tempo parallel zu skalieren.

Partner-Inhalte

Auch geografisch nutzt das Unternehmen die Vorteile der Schweizer Bildungs- und Forschungslandschaft optimal aus: Beheimatet ist 8inks heute im Zürcher Innovationszentrum der Empa (Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt). Der Standort bietet den Gründern direkten Zugang zu hochspezialisierter Forschungsinfrastruktur und ermöglicht gleichzeitig industrienahe Tests – die ideale Brücke für den heiklen Schritt vom Laborstadium in die kommerzielle Praxis.

Das Herzstück der Batterie neu gedacht

Das Start-up 8inks revolutioniert die Elektrodenfertigung von Lithium-Ionen-Batterien – also genau jener Komponente, die als Herzstück jeder modernen Batteriezelle gilt. In herkömmlichen Fertigungsverfahren werden die einzelnen Funktionsschichten einer Elektrode zeitaufwendig nacheinander aufgetragen und jeweils einzeln getrocknet. Dieser Prozess erfordert gigantische Produktionshallen, enorm viel Energie und schränkt die Komplexität der Batteriestrukturen stark ein. 8inks bricht mit dieser Konvention und nutzt ein patentiertes Verfahren namens Multi-Layer-Curtain-Coating. Dabei werden mehrere hauchdünne funktionale Schichten in einem einzigen Prozessschritt gleichzeitig aufgetragen. Für Leon Baade liegt der direkte Kundennutzen dieser Methode klar auf der Hand: «Die Technologie ebnet den Weg für Akkus mit höherer Energiedichte und deutlich kürzeren Ladezeiten.» Neben den verbesserten Leistungseigenschaften der fertigen Zellen ermöglicht die Technologie vor allem dramatische Effizienzgewinne in den Fabriken selbst. Gegenüber dem Fachportal Venturelab führte das Unternehmen aus, wie drastisch die Einsparungen in der Massenfertigung ausfallen: «Unsere Lösung trägt mehrere funktionale Schichten in einem einzigen Durchlauf auf, um vielschichtige (3D-)Elektroden anstelle des heutigen einlagigen ‹2D›-Standards zu erzeugen. Das ist einzigartig, weil es einen zehnfach höheren Durchsatz und 30 Prozent Kostenersparnis ermöglicht, während gleichzeitig Leistungszielkonflikte der Zelle überwunden werden.»

Werbung

Der globale Energiespeichermarkt wächst rasant. Die Lösung von 8inks stösst daher besonders in Asien und in der Autobranche auf Interesse. Um in Gigafactories zu bestehen, zählt jedoch nur Praxistauglichkeit. Am Empa-Standort Zürich validiert das Start-up sein Verfahren nun im industriellen Prototypenmassstab – als Beweis für eine global skalierbare Massenfertigung.

Über die Autoren

Werbung