Als Kind wünschte sie sich zu Weihnachten statt Puppen einen Kran, der Vater musste sie durch die Gegend fahren, um mit ihr Baustellen anzuschauen: «Garçon manqué», einen verfehlten Jungen, nennt man im Französischen diese Art von Mädchen. Sabrina Soussan blieb ihrer Neigung zeitlebens treu, hat immer nur in Männerberufen gearbeitet – und dabei schnell gelernt, dass man dabei «als Frau mehr arbeiten und mehr beweisen muss, um als kompetent anerkannt zu werden», wie sie es einst ausdrückte. Das ist ihr gelungen:
Soussan erarbeitete sich Führungspositionen in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und den USA, operativ wie im Board, und das in verschiedenen Industrien – eine eher seltene Kombination. Entsprechend breit und international ist die 57-Jährige vernetzt. Mit der Berufung in den Verwaltungsrat der Stadler Rail Anfang Mai findet Soussan nun auch in der Schweiz Anerkennung, jenem Land, das sie vor zehn Jahren – damals arbeitete sie noch in Deutschland – ihrem Ehemann zuliebe als Wahlheimat auserkoren hat. Stadler-Patron Peter Spuhler kennt sie seit mehr als zehn Jahren, Gerüchte, wonach sie damals bereits im Gespräch war als CEO für Stadler Rail, dementiert sie stets. Jetzt ist sie eine Teppichetage höher beim Rollmaterialhersteller angekommen.