Big is beautiful. Der Satz gilt in der Wirtschaft im Allgemeinen: Grosse, wirtschaftlich potente Staaten kรถnnen kleineren Lรคndern ihren Willen aufzwingen, wie die Schweiz in diesen Tagen leidvoll erfahren musste. Und auch bei Unternehmen gilt die Formel ยซgross = gutยป. Etwa bei Banken und Versicherungen. Wenn die Firmen hier eine gewisse Grรถsse haben, gerne verbunden mit Geschรคften im Ausland, kรถnnen sie ihre Risiken besser und breiter diversifizieren โ zum Beispiel im Kreditgeschรคft. Und Versicherer kรถnnen Verluste in einem Land โ etwa wegen einer Naturkatastrophe โ mit Gewinnen aus einer anderen Region ausgleichen.
Wer gross ist, hat zudem Vorteile beim Einkauf und profitiert von Skaleneffekten. Ein Paradebeispiel dafรผr ist die Strombranche, vor allem Anbieter mit einer eigenen Produktion. Hohe Fixkosten, beispielsweise fรผr eigene Kraftwerke oder die Netzsteuerung, verlangen nach einer grossen Kundenbasis. Und erst recht gilt ยซGross ist gutยป im Bahnverkehr. Denn der Schienenstrang behauptet sich gar als natรผrliches Monopol โ was bedeutet: Es ist fรผr einen Anbieter nicht sinnvoll, neben den Schienen des Konkurrenten sein eigenes Bahnnetz zu bauen.
Und doch gibt es gerade in den oben genannten Branchen Firmen, die diesen รถkonomischen Grundsรคtzen trotzen, und das mit Erfolg. Die Handelszeitung hat sich fรผr diese Serie auf die Suche gemacht und die kleinste Bank, den kleinsten Versicherer, den kleinsten Stromanbieter mit vollem Angebot aus eigener Hand sowie jenen Bahnbetreiber, der รผber das kรผrzeste eigene Netz verfรผgt, ausfindig gemacht. Diese Unternehmen gibt es teilweise schon seit รผber hundert Jahren, und sie halten sich erfolgreich in einem Markt, der sonst eigentlich Grรถsse belohnt.
Wie schaffen sie das? Warum gibt es diese Firmen รผberhaupt noch? Wie funktioniert ihr Geschรคftsmodell? Und womit haben sie zu kรคmpfen? Die Recherche zeigt: Selbst in Branchen mit Grรถssenvorteilen kann es zuweilen ein Pluspunkt sein, klein und flexibel zu sein.