Meinung

Nichts gegen Alenka Bonnard, aber …

… die neue Pro-Senectute-Präsidentin hat eine seltsame Auffassung ihrer Aufgaben im Bereich Lobby-Arbeit.

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Alenka Bonnard (41) ist Nachfolgerin von Eveline Widmer-Schlumpf bei Pro Senectute. Regina Vetter für BILANZ

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Einen Tag nach ihrer Wahl zur Präsidentin der 1917 gegründeten Stiftung, der bis heute führenden Organisation für Altersfragen in der Schweiz und eines wichtigen Akteurs in der Alterspolitik, sagt sie in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» doch tatsächlich: «Mich persönlich stört, dass ein grosser Teil der Pensionierten keine 13. AHV-Rente bräuchte.» Da hat sich die Bevölkerung für die Besserstellung von Pensionierten ausgesprochen, auch unter dem Eindruck, dass es auch hierzulande sehr viele ältere Menschen gibt, die finanziell mehr als nur knapp dran sind, und die oberste Lobbyistin alter Menschen zieht es vor, in ihrem ersten Interview darauf hinzuweisen, dass es ja auch reiche Alte gebe. Und zudem werde, «wer von Armut betroffen ist, auch mit einer 13. Rente die finanziellen Sorgen im Alltag nicht los». Stimmt, aber das Geld hilft doch gewaltig.
Das Problem ist nicht, dass Bonnard, Juristin und als langjährige Stiftungsrätin auch eine gute Kennerin ihrer Organisation, in ihrer Beurteilung der Herausforderung des demografischen Wandels grundsätzlich falsch liegen würde, nur sollte sie die Interessen ihrer Kernklientel priorisieren. Denn das ist die Grundaufgabe einer Interessenvertreterin. Jede wichtige gesellschaftspolitische Frage wird in der Schweiz durch ein Abwägen der Anliegen verschiedenster Gruppierungen erörtert, und im Idealfall gibt es einen funktionierenden Kompromiss. Dass man als Organisation schon von Anfang vermittelnde Positionen einnimmt, ist eine allzu altruistische Taktik. Interpharma sagt ja auch nicht: Stimmt, die Medikamentenpreise sind wirklich viel zu hoch, sondern verweist auf die Forschungskosten, die Bedeutung von Innovation und so weiter. So läuft das Spiel. Bonnard ist 41 Jahre alt und Mutter, ihre Kinder sind ein- und dreijährig, wie ich im Artikel erfahre. Dass sie auch deren langfristiges Wohl im Auge hat, ist absolut legitim. Dennoch hätte ich lieber etwas mehr über ihre Eltern erfahren.

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