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Meinung

Nichts gegen Heinz ­Tännler, aber …

… wo hat der bekannteste Finanzdirektor der Schweiz sein politisches Gespür verloren, für das der Zuger SVP-Regierungsrat im Land bekannt ist?

Ueli Kneubuehler Rinigier

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Heinz Tännler (66) ist Zuger Regierungsrat und Finanzdirektor. Regina Vetter für BILANZ

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Heinz Tännler gilt als der profilierteste Säckelmeister der Schweiz, der das Powerhouse Zug mit ruhiger Hand und zuweilen markigen Sprüchen steuert und auch seiner SVP nicht a priori nach dem Mund redet. Doch bei der extremen Initiative seiner Partei gegen eine 10-Millionen-Schweiz ist der ehemalige Einzelrichter im Eishockey gehörig ins Schlittern geraten.
Noch vor Jahresfrist warnte Tännler mit deutlichen Worten vor dem Begehren seiner Farben. Brandgefährlich sei dieses, es würde die Wirtschaft abwürgen, sagte er damals. Er, der im Kanton Zug die Zuwanderung quasi zum Businessmodell gemacht hat. Ganz der Finanz- und Wirtschaftspolitiker. Doch kurz vor dem Urnengang legte Tännler eine Slalomfahrt aufs Eis, die selbst Nico Hischier blass aussehen lässt: Mit einem Buebetrickli mutierte er zum Befürworter der Initiative.
Auf einmal schwadronierte Tännler sich durch Interviews, als wollte er es allen recht machen und ja keine verbrannte Erde hinterlassen. Schliesslich zeigten die Umfragen vor dem Urnengang, dass bemerkenswert viele im Land mit dem Anliegen sympathisierten. Mit der Floskel, man könne ja «immer gescheiter werden», versuchte er seinen Teamwechsel kleinzureden.
Damit lässt sich im Politikbetrieb im Nachhinein so ziemlich jede Pirouette rechtfertigen. Doch ein Taktiker wie Tännler sollte wissen, wann es Zeit ist, die Arena zu verlassen und das Reden anderen zu überlassen: spätestens dann, als die SVP-Initiative bachab geschickt worden war. Sich gerade mal zwei Tage nach dem Abstimmungsdebakel erneut vor die Mikrofone zu drängen, um das eigene Umdenken als höhere Weisheit zu verkaufen, zeugt eher von verlorenem politischem Kompass als vom unangefochtenen Finanzdirektor. Für Tännlers nächsten Slalomkurs sei ihm der alte Römer Boethius empfohlen: «Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben.»

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