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E-Mails in den Epstein-Files

Was wusste Ariane de Rothschild über Epsteins Vergangenheit?

CEO Ariane de Rothschild beteuerte, nichts von Jeffrey Epsteins Gebaren gewusst zu haben. Doch E-Mails zeichnen ein anderes Bild.

Lynn Scheurer

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E-Mails zeigen: Zwischen Ariane de Rothschild und Epstein war sein schlechter Ruf ein Thema. Bloomberg via Getty Images

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Wann ist jemand ein Freund? Wenn man ihm Probleme anvertraut; ihn um Rat bittet; oder zu Treffen die eigenen Kinder mitnimmt? Nach dem Publikwerden der Epstein-Files betonte Ariane de Rothschild, die Beziehung zwischen ihr und Jeffrey Epstein sei rein geschäftlich gewesen. Die CEO der Bank Edmond de Rothschild hatte den US-Amerikaner 2013 in Paris kennengelernt. Die E-Mails zeigen, dass der danach sechs Jahre anhaltende Kontakt zwischen den beiden über eine Geschäftsbeziehung hinausging. Epstein fungierte als de Rothschilds Berater und Mentor – sie erhoffte sich von ihm Hilfe beim Aushandeln einer milden Strafe des US-Justizministeriums. 2015 stand ihre Bank dort wegen Schwarzgeldkonten am Pranger. De Rothschild entlöhnte Epstein für seine Dienste mit 25 Millionen Dollar.
Was wusste Ariane de Rothschild über Epsteins Vergangenheit? 2008 wurde er verurteilt und gestand, dass er Klienten mit Minderjährigen versorgt hatte. Danach versuchte Epstein aktiv, diese Vorstrafe zu vertuschen. Es ist gut möglich, dass Ariane de Rothschild zu Beginn nicht wusste, mit wem sie es zu tun hatte. Doch: Epstein selbst deutete es ihr zumindest an. Nach einem Treffen im März 2015, bei dem offenbar auch de Rothschilds Töchter dabei waren, schrieb Epstein: «Ich frage mich, ob ich meine schreckliche Presse deinen Töchtern gegenüber direkt hätte ansprechen sollen?» Soweit in den Files ersichtlich, ging Ariane de Rothschild auf Epsteins Hinweis nicht ein. Machte es sie nicht stutzig, von welchen Schlagzeilen Epstein da sprach?

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Die Files zeigen ausserdem, dass Epstein gerne zweigleisig fuhr – so auch mit Ariane de Rothschild. 2015 plante sie einen Besuch auf seiner Privatinsel Little Saint James. Drei ihrer vier Töchter begleiteten sie. Hinter de Rothschilds Rücken informierte Epstein seinen ebenfalls eingeladenen Freund Larry Summers darüber: «FYI: Arianes Töchter kommen auch, 16, 14, 13.» Die Altersangaben stimmen mit den drei jüngeren Töchtern von de Rothschild überein. Larry Summers, bekannter US-Ökonom und ehemaliger Berater von Barack Obama, antwortete Epstein: «Got it.» Summers hat seine Professur in Harvard unterdessen wegen der engen Freundschaft zu Epstein aufgegeben.
Im Austausch mit Ariane de Rothschild wies Jeffrey Epstein selber auf seine «schreckliche Presse» hin und fragte, ob er diese ihren Töchter gegenüber hätte ansprechen sollen.
Im Austausch mit Ariane de Rothschild wies Jeffrey Epstein selber auf seine «schreckliche Presse» hin und fragte, ob er diese ihren Töchter gegenüber hätte ansprechen sollen.Screenshots
Im Austausch mit Ariane de Rothschild wies Jeffrey Epstein selber auf seine «schreckliche Presse» hin und fragte, ob er diese ihren Töchter gegenüber hätte ansprechen sollen.
Im Austausch mit Ariane de Rothschild wies Jeffrey Epstein selber auf seine «schreckliche Presse» hin und fragte, ob er diese ihren Töchter gegenüber hätte ansprechen sollen.Screenshots
Die Bank Edmond de Rothschild hält bisher weiterhin an ihrer CEO fest. «Madame de Rothschild hatte keinerlei Kenntnis vom persönlichen Verhalten von Herrn Epstein. Sie wusste nichts von den schwerwiegenden Vorwürfen, die in einigen amerikanischen Medien erhoben und verbreitet wurden», lässt die Pressestelle ausrichten. 2019 war es dann noch einmal Epstein selbst, der de Rothschild auf sein schlechtes Image hinwies – wohl wieder in Sorge darum, die Schlagzeilen könnten das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden gefährden. «Beunruhigt dich die schlechte Presse, die ich in letzter Zeit habe?», fragte er sie im Februar 2019. Worauf sie noch gleichentags antwortete: «Überhaupt nicht – ich habe hier gar nichts davon gesehen.»

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