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«Nicht Purpose oderProfit, sondern die Verbindung von beidem»

Ein Austausch mit Nadja Lang, CEO der ZFV-Unternehmensgruppe, über gelebte Menschlichkeit und den Spagat zwischen Purpose und Profit.

Wilma Fasola von Handelszeitung

Nadja Lang ist CEO der ZFV-Unternehmensgruppe.
Nadja Lang ist CEO der ZFV-Unternehmensgruppe.zfv

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Nach dem Stellenabbau in der Corona-Krise stehen Sie heute bei knapp 300 Millionen Franken Umsatz: Wie viel «Human Only» steckte in Ihrem Weg aus der Krise?

Sehr viel. Nach Corona ging es darum, unser Geschäft in vielen Bereichen neu zu denken und rasch wieder aufzubauen. Das wäre ohne das enorme Know-how, die Energie und die Flexibilität aller Kollegen nicht möglich gewesen. Technologie und KI helfen uns zwar, Abläufe effizienter oder bedürfnisorientierter zu gestalten und Teams von Routinen zu entlasten. Aber echte Gastfreundschaft, Kreativität und Beziehungsaufbau bleiben menschlich. Je digitaler die Arbeitswelt wird, desto wertvoller sind diese menschlichen Qualitäten.

Zur Person

Nadja Lang ist CEO der ZFV-Unternehmensgruppe.

Sie haben die HR-Abteilung abgeschafft und durch «Menschen & Kultur» ersetzt. Was verändert das im Alltag von 3100 Mitarbeitenden konkret?

Es ging uns um ein gemeinsames Verständnis: Menschen sind keine Ressource zum Verwalten, sondern Individuen mit Fähigkeiten und Potenzialen. In unserer anspruchsvollen Branche wollen wir Rahmenbedingungen schaffen, in denen Mitarbeitende Verantwortung übernehmen und wachsen können. Dafür setzen wir auf kontinuierlichen Dialog, unser eigenes Leadership-Programm und Kulturförderung. Unternehmenskultur entsteht nicht im HR, sondern jeden Tag vor Ort – durch Wertschätzung und Führung auf Augenhöhe.

Ihr Führungsmotto lautet «Wir machen andere erfolgreich». Warum ist gelebte Menschlichkeit die beste Antwort auf den Fachkräftemangel?

Es geht um Teamorientierung. Menschen bleiben dort, wo sie gesehen werden, sich weiterentwickeln und gemeinsam etwas bewirken können. Genau das meint unser Grundsatz «Wir machen andere erfolgreich»: Gute Führung auf Augenhöhe schafft Raum für Potenzial und Leistung. Bei Fachkräftemangel konkurrieren Unternehmen nicht nur um Arbeitskräfte, sondern darum, wo und für wen Menschen gerne ihre Energie sowie ihr Können einbringen und zum Erfolg beitragen wollen.

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Bei der ZFV definieren Mitarbeitende ihre OKRs selbst. Wie schaffen Sie echte Etablierung an über 220 Standorten, ohne dass es bürokratisch wird?

OKR, also das Managementtool Objectives and Key Results, hilft uns dabei, strategische Klarheit mit dezentraler Verantwortung zu verbinden. Unsere Objectives sind direkt aus unserem in den Statuten festgehaltenen Unternehmenszweck und aus unseren betriebswirtschaftlichen Zielen abgeleitet. Die Teams übersetzen die Unternehmensziele in ihre eigenen Teilziele und gestalten so selber mit, welchen Beitrag sie zum gemeinsamen Erfolg leisten. So verbinden wir Strategie mit dem operativen Alltag und fördern Eigenverantwortung und unternehmerisches Denken. Bei über 220 Standorten funktioniert das nur, wenn das System organisatorisch geführt wird und trotzdem einfach bleibt und wenn die Teams gezielt begleitet werden. OKRs dürfen kein administrativer Selbstzweck und kein Reporting-Instrument nach oben werden. Sie sollen Orientierung schaffen, Prioritäten sichtbar machen und unternehmerisches Handeln stärken.

Gegründet 1894, heute frisch rebrandet: Wie übersetzt man eine 130-jährige Haltung in modernes, differenzierendes Marketing?

Unser Rebranding ist kein isoliertes Marketingprojekt, sondern sichtbarer Ausdruck der strategischen Transformation der vergangenen Jahre. Dabei verbinden wir Mut und Bodenständigkeit: Wir wollen die Werte und Ideen unserer Gründerinnen nicht zementieren, sondern in die Zukunft übersetzen – in der Digitalisierung und in den neuen Arbeitswelten genauso wie in der Weiterentwicklung unseres kulinarischen Angebots oder unserer Boutiquehotels. Unsere Gründerinnen waren überzeugt, dass unternehmerischer Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung zusammengehören. Diese Idee könnte kaum zeitloser sein. Eine starke Marke kennt ihre Herkunft und übersetzt deren Relevanz konsequent in die Gegenwart. Wir stehen auf einem starken Fundament – aber wir ruhen uns nicht darauf aus. Genau das verkörpert unser neuer Auftritt.

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Inklusion und Diversität prägen Ihre Kultur. Ist gesellschaftliche Wirkung bei Ihnen ein harter KPI wie der Ebit oder ein automatisches Resultat?

Gesellschaftliche Wirkung entsteht nicht automatisch. Chancengerechtigkeit, Diversität und Inklusion stehen zwar in unseren Genossenschaftsstatuten, doch Papier allein verändert nichts. Deshalb verankern wir soziale Nachhaltigkeit mit konkreten Zielen – etwa durch mehr Lehrstellen und Inklusionsarbeitsplätze, deren Fortschritt wir konsequent messen. Gleichzeitig gilt in unserer tiefmargigen Branche ganz klar: Nur wenn wir profitabel arbeiten, können wir nachhaltig investieren.

Wenn es um die Verbindung von Menschlichkeit und Rendite geht: Was ist die wichtigste Lektion, die andere Schweizer Unternehmen von der ZFV lernen können?

Wir sehen Menschlichkeit, Nachhaltigkeit und wirtschaftlichen Erfolg nicht als Gegensatz: Investitionen in Menschen und Umwelt sichern langfristig unseren Erfolg – und nur ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen hat die Mittel dazu. Das erzeugt Spannungsfelder, die wir bewusst suchen und diskutieren. Als Genossenschaft können wir jedoch langfristig denken. Unser Fazit lautet daher nicht Purpose oder Profit, sondern die gezielte Verbindung von beidem.
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