Die Uhr, die Gregory Breitling, Sohn des einstigen Patrons Willy Breitling, vor Journalisten ehrfurchtsvoll aus der Tasche zog, war schlicht und ergreifend ruiniert: Zeiger oder Zahlen waren nicht mehr zu erkennen, unter dem Glas spross fröhlich der Rost in allen Gelb-, Orange- und Rotschattierungen – die Uhr war ein Stück Schrott.
Aber auch eine Reliquie: Denn genau diese Uhr hatte Astronaut Scott Carpenter am 24. Mai 1962 am Handgelenk getragen, als er an Bord der «Aurora 7» dreimal die Erde umrundete und so Schlagzeilen machte. Ihr schlechter Zustand hatte einen einfachen Grund: Luftdruckänderungen während der Mission hatten die Dichtigkeit strapaziert, und nach der Landung im Atlantik war sie lange dem Meerwasser ausgesetzt gewesen.
Cosmonaute Artemis II: Breitling war schon in den frühen 60er-Jahren im Weltall. Preis: 10 900 Franken.PR
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Dass Breitling die ramponierte Uhr vor ein paar Jahren unters Scheinwerferlicht stellte, hatte zwei Gründe: Erstens präsentierte die Marke die neue Navitimer B02 Cosmonaute Limited Edition. Und zweitens demonstrierte sie damit ihre Legitimität in Sachen Weltraum: Immer wieder trugen Astronauten und Kosmonauten im All eine Breitling – etwa die Französin Claudie Haigneré 2001 oder Nasa-Astronaut Scott Kelly 2011, beide bei Aufenthalten auf einer Raumstation.
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Im offenen Weltraum getragen
Damit – und vorab mit der Modellreihe Cosmonaute – reiht sich die Marke in den erlauchten Club jener Uhrenmarken ein, die am Abenteuer Weltraum beteiligt waren oder sind.
Novonaut N-42 Titanium: Der Fortis-Chronograph wurde bei einem Raketenflug getestet. Preis: 5150 Franken.PR
Novonaut N-42 Titanium: Der Fortis-Chronograph wurde bei einem Raketenflug getestet. Preis: 5150 Franken.PR
Beispiel Fortis: Auch die Marke aus Grenchen war schon früh im All – etwa 1994 mit dem Official Cosmonauts Chronograph. Legendär: Bei den Vorbereitungen für das Andocken des Spaceshuttles Atlantis an die russische Raumstation Mir kam eine Fortis auch im offenen Weltraum zum Einsatz. An dieses Erbe erinnert die Linie Novonaut – zum Beispiel das Modell N-42 Titanium Legacy. Ihre wichtigsten Merkmale: ein 42-Millimeter-Titangehäuse und das hauseigene Chronographenkaliber 17 mit sech-zig Stunden Gangautonomie. Das Werk wurde unter anderem in der Stratosphäre und bei einem Raketenflug getestet.
Auch Nischenmarken dabei
Doch worauf kommt es bei einer Uhr an, die sich im All bewähren muss? Die Frage geht an Lorenz Brunner, Senior Expert Innovation bei IWC. Und zwar aus aktuellem Grund: Die Marke aus Schaffhausen hat dieses Jahr eine Uhr präsentiert, die in Partnerschaft mit dem Raumfahrtunternehmen Vast entwickelt wurde und im All als Instrument eingesetzt wird.
Pilot’s Venturer Vertical Drive: Von IWC mit dem US-Raumfahrtunternehmen Vast entwickelt. Preis: 24 000 Franken.PR
Pilot’s Venturer Vertical Drive: Von IWC mit dem US-Raumfahrtunternehmen Vast entwickelt. Preis: 24 000 Franken.PR
Die Pilot’s Venturer Vertical Drive wurde von Grund auf für die bemannte Raumfahrt und extreme Bedingungen konzipiert. Sie zeigt unter anderem die Missionszeit an und lässt sich auch mit Raumanzug und Handschuhen bedienen. Möglich macht dies eine spezielle Drehlünette, über die alle Funktionen gesteuert werden – ganz ohne Krone.
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«Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Projekten bestand darin, dass wir die Pilot’s Venturer Vertical Drive nicht nur in unserem internen Labor in Schaffhausen intensiv getestet haben», sagt Brunner. Auch Partner Vast habe das Instrument auf Herz und Nieren geprüft. Dazu gehörte etwa eine Vibrationsprüfung, bei der die Uhr hohen Beschleunigungskräften in alle Richtungen ausgesetzt wurde – ähnlich jenen, die Astronauten beim Raketenstart erfahren.
Herausgekommen ist eine Uhr, die zwar ganz anders ist als alles, was IWC bisher präsentiert hat – und doch klar eine IWC. Das machte sie rasch zum Gesprächsthema unter Uhrenfreunden.
Der ganz grosse Klassiker
Da wollen auch Nischenmarken nicht abseitsstehen. Allen voran der britisch-helvetische Brand Bremont mit der Uhr namens Supernova. Die für ihre schleudersitztauglichen Zeitmesser bekannte Marke präsentierte das Modell an der Watches and Wonders stilecht in einer Raumkapsel. Im kommenden November soll dann eine Uhr namens Supernova ins All fliegen – sozusagen ohne Rückfahrtticket: Fest eingebaut in Flip, den Mondrover des US-Raumfahrtunternehmens Astrolab, wird der Chronograph am Südpol des Mondes landen – und dort für immer bleiben.
Bremont schiesst diese Uhr auf den Mond. Sie wird dort ewig bleiben. Preis: 8650 EuroPR
Bremont schiesst diese Uhr auf den Mond. Sie wird dort ewig bleiben. Preis: 8650 EuroPR
Der ganz grosse Klassiker der Disziplin ist allerdings die Speedmaster von Omega, gerne auch Moonwatch genannt – die erste Uhr auf dem Mond. Zuvor hatte das Modell harte Tests der Nasa bestanden und war 1965 offiziell als einzige Uhr «flugtauglich für alle bemannten Weltraummissionen» erklärt worden. Die Uhr hatte Hitze, Kälte, Vibrationen, Vakuum sowie Stösse schadlos ausgehalten – und schrieb 1969 auf dem Mond Geschichte.
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Das Modell wird seither behutsam weiterentwickelt. Kürzlich etwa präsentierte Omega eine Edition, die bald den Übernamen Reverse Panda erhielt. Der Grund: Das Zifferblatt ist schwarz, die drei Hilfszifferblätter sind weiss – genau umgekehrt wie beim klassischen Panda-Look. Darunter tickt das Handaufzugskaliber 3861, die moderne Weiterentwicklung jenes Kalibers, dessen Vorgänger einst Nasa-Astronauten zum Mond begleitete.
Ikone Speedmaster Moonwatch: Die Omega war die erste Uhr auf dem Mond. Hier das Modell Reverse Panda. Preis: 8800 Franken.PR
Ikone Speedmaster Moonwatch: Die Omega war die erste Uhr auf dem Mond. Hier das Modell Reverse Panda. Preis: 8800 Franken.PR
Nebenbei: 2022 hat die Marke Swatch mit der Moonswatch eine Uhr aufgelegt, die entscheidende Designcodes der grossen Omega-Schwester aufnimmt und für 250 Franken verkauft wird.
Das Abenteuer Mond gibt es somit auch für kleines Geld. Jedenfalls am Handgelenk.