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Drehkreuz Basel

Basels Häfen: Das Tor zur Welt

Die Basler Rheinhäfen sichern die Versorgung hierzulande mit lebenswichtigen Gütern; ein Ausbau steht an.

Wilma Fasola

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In der ersten Bauphase Gateway Basel Nord werden 130 Millionen investiert. RMS

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Wer an den Wirtschaftsstandort Basel denkt, hat meist die glänzenden Glastürme der Pharmaindustrie vor Augen. Doch die eigentlichen Protagonisten, die nicht nur die Region, sondern die gesamte Schweizer Eidgenossenschaft am Leben erhalten, arbeiten im Verborgenen, und zwar direkt am Wasser: Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) mit ihren Standorten Kleinhüningen, Birsfelden und Muttenz sind das logistische Drehkreuz des Landes. Rund 10 bis 12 Prozent des gesamten Schweizer Aussenhandels werden hier abgewickelt. Geografisch am südlichen Ende der europäischen Lebensader Rotterdam–Basel–Genua gelegen, sichern die Rheinhäfen die Landesversorgung.

Das Risiko Niedrigwasserphasen

Wie sensibel dieses System reagiert, zeigen die offiziellen Umschlagdaten der Hafenbehörden. Im Jahr 2024 verzeichneten die Rheinhäfen dank einem Boom bei Mineralölprodukten und der Kreislaufwirtschaft ein starkes Ergebnis von 5,4 Millionen Tonnen Schiffsumschlag. Im darauffolgenden Jahr 2025 sank der Gesamtumschlag zwar um 11,3 Prozent auf 4,7 Millionen Tonnen, dies lag jedoch primär an einem gezielten Rückgang bei den fossilen Energieimporten um 22 Prozent, da die heimische Raffinerie in Cressier auf Hochtouren lief.
Die nackten Zahlen verdeutlichen die enorme Hebelwirkung: Fällt die Rheinschifffahrt aus, gerät die Schweizer Versorgung – insbesondere bei flüssigen Treib- und Brennstoffen, die historisch bis einen Drittel des Volumens ausmachen – schlagartig ins Wanken. Und diese Bedrohung ist längst kein theoretisches Zukunftsszenario mehr. Der Klimawandel sorgt bereits jetzt, in den Sommermonaten, immer öfter für wiederkehrende Niedrigwasserphasen mit zum Teil rekordtiefen Pegeln. Besonders die berüchtigten Nadelöhre wie die Flachwasserstrecke am Mittelrhein beim deutschen Kaub limitieren die Frachtkapazitäten drastisch. In Extremphasen können grosse Rheinschiffe oft nur noch zu 20 bis 30 Prozent ihrer eigentlichen Kapazität beladen werden. Für Logistiker bedeutet dies einen logistischen und finanziellen Kraftakt. Es braucht plötzlich vier bis fünf Schiffe, um die Ladung eines einzigen normalen Transportes zu bewegen. Die Frachtraten steigen in solchen Wochen deutlich, in Extremfällen um ein Mehrfaches bis hin zu kurzfristigen Spitzenwerten im hohen einstelligen Bereich. Die Branche reagiert mit gezielten Investitionen in Innovationen. Immer mehr Reeder setzen auf speziell konstruierte Niedrigwasserschiffe, flach gehende Koppelverbände mit angepassten Antriebssystemen und gewichtsoptimierte Rumpfdesigns.

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Das Jahrhundertprojekt

Um den Standort Basel wetterfest und zukunftsfähig zu machen, wird im Norden der Stadt ein verkehrspolitisches Jahrhundertprojekt realisiert: das Gateway Basel Nord (GBN). Es wird von den Branchenriesen Contargo, SBB Cargo und Hupac vorangetrieben, hat aber wie so oft bei so grossen Bauprojekten auch Kritiker. Die Vision hinter der Logistikdrehscheibe lautet Trimodalität. Gemeint ist damit die intelligente, nahtlose Verknüpfung der drei Verkehrsträger Wasser, Schiene und Strasse. Das Projekt soll in Etappen realisiert werden. In der Startphase (voraussichtliche Inbetriebnahme 2029) soll für rund 130 Millionen Franken ein bimodales Terminal (Strasse/Schiene) mit einer Kapazität von rund 240'000 TEU (Standardcontainern) pro Jahr entstehen.
Das entscheidende Puzzlestück für die Schifffahrt folgt in der zweiten Ausbauphase ab 2029/2030: der Bau des neuen Hafenbeckens 3. Für rund 155 Millionen Franken wird das Hafenbecken direkt an das Terminal geführt. Erst dadurch können Container im Import und Export direkt und ohne Umwege vom Rheinschiff auf lange Güterzüge umgeladen werden. Die Gesamtkapazität der Drehscheibe steigt damit auf bis zu 390'000 TEU pro Jahr. Dass der Containerverkehr im Aufwind ist, belegen die jüngsten Daten der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft: Der wasserseitige Umschlag stieg im Jahr 2025 um 12,6 Prozent auf 112'620 TEU, der Bahnanteil sogar um mehr als 50 Prozent auf 50 197 TEU. Treiber sind Verlagerungen auf die Schiene und die zunehmende Digitalisierung, etwa durch den European River Information Service und das River Port Information System, die Logistikketten in Echtzeit planbar machen. Parallel wächst der ökologische Vorteil, denn ein Binnenschiff ersetzt bis zu hundert Lastwagen, und mit dem Gateway Basel Nord lässt sich der CO₂-Ausstoss der Importe deutlich senken.

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