Wir treffen Pierre-Yves Maillard in Renens bei Lausanne, wo er herkommt und heute noch wohnt. Ein Büro hat er nicht. Sein Zuhause zeigt er Journalisten nicht. So treffen wir ihn in einem Bahnhofsrestaurant, wo eine Angestellte ihn um ein Selfie bittet. Der Gewerkschaftsboss ist der Star unter Leuten des unteren Mittelstandes. Er braucht keine Notizen und keine Vorbereitung. Er weiss auswendig, was er zu sagen hat. Das unterscheidet ihn von fast allen anderen Spitzenvertretern der Sozialpartner – vor allem in der Deutschschweiz –, die ihre Anliegen von einem Blatt Papier ablesen, auch zur «10-Millionen-Schweiz»-Volksinitiative. Maillard sagt, er bereite sich beim Autofahren und manchmal nachts auf jedes Argument vor.
Beschäftigt Sie der Iran-Krieg?
Ja. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie gut die Schweizer Wirtschaft sich anzupassen weiss. Sie musste in letzter Zeit sehr viele Schläge einstecken, und trotzdem geht es für uns ohne Rezession weiter. Was mir Sorgen macht, ist, dass sich Betriebsschliessungen häufen.