«In China ist die Kommerzialisierung der KI weiter fortgeschritten als im Westen»
David Chao prognostiziert, dass der Beweis für Produktivitätsgewinne durch KI zuerst in China erbracht wird. Automatisierte Fabriken und KI-gesteuerte Solarparks zeigen, wie weit Technologie dort ist.
Herr Chao, seit dreieinhalb Jahren stürzen sich Anleger auf US-Technologie, vor allem auf alles, was mit künstlicher Intelligenz zu tun hat. Asien scheint in diesem Bereich am besten mit den USA Schritt halten zu können. Wie unterscheidet sich die chinesische KI?
Die USA verfolgen eine vertikale Strategie: Sie wollen die Führung bei den leistungsstärksten High-End-Chips, den gigantischsten Rechenzentren und den komplexesten Algorithmen. China agiert horizontal: Statt am Hardware-Rennen teilzunehmen, kombiniert man etwas weniger fortschrittliche Chips und LLMs mit der Realwirtschaft. Ein Beispiel sind humanoide Roboter. In den USA forschen Tesla und einige wenige Institute daran, in China gibt es Marathons für humanoide Roboter mit Dutzenden Herstellern.
Der Markt wartet auf Beweise, dass KI echte Produktivitätsgewinne bringt. Wann werden wir diese sehen?
Vermutlich schon im nächsten Jahr. Beim Internet dauerte es sieben Jahre, bis sich die Produktivitätsgewinne im BIP niederschlugen. Bei KI läuft die Adoption schneller. Chinas Wirtschaft wird Produktivitätsgewinne durch KI früher erleben als die USA. Ich war in der Hauptfabrik des Autobauers BYD in Shenzhen. Sie ist komplett automatisiert, läuft an 365 Tagen rund um die Uhr. Es ist dort stockdunkel, weil nur noch Maschinen arbeiten. In Guangdong steuert KI Solarparks. In China ist die Kommerzialisierung der KI weiter fortgeschritten als im Westen.
Wie kann man von Chinas KI-Story profitieren: einfach mit ETFs in den Index investieren?
Nein, das funktioniert nicht. Wer in die chinesische Innovation investieren will, muss selektiv vorgehen. Investoren sollten gezielt auf spezialisierte China-Tech-Fonds oder ETFs setzen, die innovative Produktion, humanoide Robotik, Quantencomputing und Biotech abdecken.
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China greift immer wieder in die Märkte ein. Ist das für Anleger nicht ein unkontrollierbares Risiko?
Anleger sollten in China immer dort investieren, wo es politische Unterstützung gibt. Und die Zentralregierung hat den Fokus für die kommenden Jahre klar auf künstliche Intelligenz gelegt.
Wie lange kann die KI-Hausse noch weitergehen?
Solange die Auftragsbücher der Hardware-Zulieferer voll sind – und in Nordasien sind sie das bis 2027 –, ist das Risiko eines Einbruchs sehr gering. Besonders Nordasien profitiert massiv vom Hardware-Hunger. Südkoreanische und taiwanesische Tech-Konzerne erleben ein massives Wachstum, wie wir es seit Langem nicht mehr gesehen haben.
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