Der Invalidenversicherung droht bis 2031 der Bankrott. Noch vor sechs Jahren sagte Ex-Bundesrat Alain Berset, das Sozialwerk werde bis dahin saniert sein. Wie es dazu kam und was zu tun wäre.
Einmal Rente, immer Rente: Hat man die Zusprache erhalten, ist die Invalidenversicherung trotz der Eingliederungsmaxime für die Allermeisten noch immer eine Einbahnstrasse.Tessy Ruppert / HZ/ Visual wurde von einer Person gestaltet und mit Hilfe von KI umgesetzt
Was bei der Invalidenversicherung (IV) passiert, ist schwer zu verdauen. Die Zahl der Gesuche um IV-Renten explodiert. Im vergangenen Jahr stellten 71’000 Leute einen Antrag auf IV-Beiträge. Dieses Jahr sind es laut einem Insider noch mehr. Rund jede achtzigste Person im erwerbsfähigen Alter sieht sich heute als invalid. Vor zehn Jahren gab es 30 Prozent weniger Gesuche.
Viele Antragsteller sind 24 Jahre alt oder jünger. Etliche haben noch nie gearbeitet, geschweige denn zur IV beigetragen. Sie sind so zahlreich wie die 60- bis 64-jährigen Gesuchsteller, die ihr Leben lang beruflich tätig waren. Die allermeisten Jungen melden sich mit psychischen Gebrechen. Sie stützen ihre Gesuche auf ärztliche Diagnosen. Darunter fallen Suchtkranke, chronische Cannabisraucher, mehrjährig Depressive, Personen mit Angststörungen und solche mit Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS). Letztere Diagnose ist laut Fachleuten weitverbreitet. Bei den Neurenten der bis 24-Jährigen waren zuletzt drei von vier Fällen psychisch begründet.