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Psychische Leiden

«Endlich ganz oben auf der Agenda der CEOs angekommen»

Zurich-Leben-Chefin Alison Martin spricht über die enormen Kosten psychischer Leiden.

Ueli Kneubuehler Rinigier

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Alison Martin: Die 52-Jährige ist seit Anfang 2026 CEO Life, Health and Bank Distribution bei der Zurich. Sie verantwortete die Studie «The Value of Mental Health». PR

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Frau Martin, Ihre neue Studie «Der Wert mentaler Gesundheit» prognostiziert bis 2030 Kosten durch psychische Leiden von fünf Prozent des BIP. Wer zahlt das?

In erster Linie sind es die Betroffenen selbst und ihre Familien, welche die grösste Last zu tragen haben. Für sie geht es nicht um ein paar verlorene Tage, sondern um das Äquivalent von 60 bis 67 gesunden Tagen pro Jahr. Diese menschlichen Auswirkungen wirken sich schnell auch wirtschaftlich aus. Die Arbeitgeber tragen einen Grossteil der Kosten, doch diese werden auf die gesamte Gesellschaft verteilt.

Weshalb schaffte es das Thema erst in den letzten Jahren aus der Tabu-Ecke in die Schlagzeilen?

Weil es endlich ganz oben auf der Agenda der Konzernchefs angekommen ist – nicht aus Nächstenliebe, sondern als Teil des Risikomanagements.

Wie bitte? Hilfe der Kosten und nicht der Empathie wegen?

Sowohl als auch. Unternehmen haben eine gesetzliche Fürsorgepflicht gegenüber ihren Arbeitnehmern. Psychische Probleme sind heute die Hauptursache für Berufsunfähigkeit. Wenn ein Drittel der Erwachsenen im arbeitsfähigen Alter betroffen ist, wird das zur systemischen Gefahr.

Was raten Sie?

Wir stellen fest, dass sich die Rückkehrquote zur Arbeit um gut 30 Prozent steigern lässt, wenn man Gesundheitsprobleme bei Mitarbeitenden früh meldet, sodass medizinische Teams helfen können. Frühzeitiges Handeln der Unternehmen ist wichtig, um zu verhindern, dass sich die Probleme zu einem langfristigen Rückzug aus dem Erwerbsleben und der Gesellschaft entwickeln.

Die Zahl psychischer Erkrankungen hat besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zugenommen. Welchen Einfluss hat künstliche Intelligenz?

Sie frisst vor allem Einstiegsjobs. Für junge Menschen, die ohnehin die höchste Prävalenz für psychische Leiden zeigen, wird das Fenster zum Arbeitsmarkt kleiner. Sie stehen an der vordersten Front einer Transformation, die ihr Wohlbefinden massiv gefährdet.

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Welches der untersuchten Länder sehen Sie als Role Model?

Interessant ist der Unterschied zwischen Deutschland und Grossbritannien. Während die Briten mit hohen Fallzahlen kämpfen, scheint Deutschland durch ein dichtes Netz an Frühwarnsystemen und Prävention eine bessere Balance zu halten. Daran könnten sich andere Länder orientieren.

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