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Frauen und Finanzen

Wo ist der Storch?

Frauen in der Schweiz bekommen 1,28 Kinder. Das ist zu wenig für das Vorsorgesystem – aber viel, wenn man die Opportunitätskosten kennt.

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«Noch immer findet ein grosser Teil der Schweizer Gesellschaft, es sei schädlich für Kleinkinder, wenn die Mutter Vollzeit arbeitet», schreibt Anne-Barbara Luft.
«Noch immer findet ein grosser Teil der Schweizer Gesellschaft, es sei schädlich für Kleinkinder, wenn die Mutter Vollzeit arbeitet», schreibt Anne-Barbara Luft.BILANZ

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Der neu geborene Neffe wird jeden Tag süsser. Die Begeisterung in der Familien-Chatgruppe kennt keine Grenzen. Während dort Küsschen- und Herzchen-Emojis verschickt werden, liefert eine neue Studie der Swiss Life eine unbarmherzige Diagnose: Dem Schweizer Storch geht die Arbeit aus. Mit einer Geburtenrate von 1,28 Kindern pro Frau erreichte die Schweiz 2025 einen historischen Tiefststand. Das ist kein sentimentales, sondern ein ökonomisches Problem. Bis 2075 kommen auf jede Person im Rentenalter noch zwei Erwerbstätige – heute sind es drei. Das Altersvorsorgesystem steuert ohne Kindersitz auf die Wand zu.
Was hat sich verändert? Während man immer noch glaubt, dass sich in einer Partnerschaft vor allem Frauen ein Baby wünschen, sieht die Realität bei kinderlosen 18- bis 45-Jährigen anders aus: 48 Prozent der Männer wollen Nachwuchs, bei den Frauen sind es nur noch 45 Prozent. Auch beim Wunsch nach weiteren Kindern sind die Väter mit 37 Prozent deutlich motivierter als die Mütter mit 29 Prozent.
Warum ist so vielen Frauen in der Schweiz die Lust auf Nachwuchs vergangen? Weil sie die Opportunitätskosten einer Mutterschaft kalkulieren. Es sind nicht nur die direkten Kosten, die das Budget belasten und die durchschnittliche Sparquote von 22 auf 17 Prozent schrumpfen lassen. Schwerer wiegt das Job-Argument: 61 Prozent der Frauen gehen davon aus, dass ein Kind ihre Karrierechancen massiv behindert.

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Hinzu kommt eine oft konservative Haltung der Gesellschaft. Noch immer findet mehr als ein Drittel der Befragten, es sei schädlich für Kleinkinder, wenn eine Mutter Vollzeit arbeitet. Die Konsequenz: Pensen werden reduziert, stattdessen wird zu Hause bis zu 65 Stunden unbezahlt gearbeitet. Kein Wunder, dass es so schwierig ist, für das Alter vorzusorgen. Das Problem ist kein Mangel an Elternliebe, sondern strukturelle Hürden.
Solange sich die Rahmenbedingungen für Familien – und vor allem für Frauen – nicht grundlegend verbessern, bleibt der Schweiz zur Rettung der Altersvorsorge wohl nur noch eines übrig: Sie muss wieder fest an den Klapperstorch glauben.

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