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Interview

SNB-Chef Jordan: «Wir schützen die Wirtschaft»

Eine Deindustrialisierung fürchtet er nicht, seinen Auftrag hält er trotz Deflation für erfüllt und den Franken sieht er auf gutem Weg: SNB-Präsident Thomas Jordan tritt seinen Kritikern entgegen.

Dirk Schütz

Seit vier Jahren steht Thomas Jordan an der Spitze der Schweizerischen Nationalbank, vor einem Jahr traf er mit der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro seinen folgenschwersten Entscheid.
Der Frankenkurs zum Euro ist zuletzt auf über 1.10 gestiegen, obwohl die Lage in der Weltwirtschaft äusserst angespannt ist und der Franken als Fluchtwährung eigentlich zulegen müsste. Die Ökonomen rätseln.
Trotz Deflation hält Nationalbank-Präsident Thomas Jordan seinen Auftrag für erfüllt. Einen neuen Mindestkurs lehnt er im BILANZ-Gespräch ab. Gerry Nitsch
Jordan hält den Franken für überbewertet und will ihn mit anderen Mitteln weiter schwächen...
... höhere Negativzinsen sind dabei nicht ausgeschlossen.
Doch sollte die Konjunktur in Europa sich verschlechtern, könnte der Franken wieder steigen. «Unsere Geldpolitik ist momentan so ausgerichtet, dass sich der Druck auf den Franken reduzieren sollte. Aber es gibt natürlich andere Einflüsse wie die internationale Wirtschaftsentwicklung, die in die gegensätzliche Richtung wirken können», so Jordan.
Minus 1,1 Prozent betrug die Inflation der Schweiz 2015 – der tiefste Wert seit den dreissiger Jahren. Andere Notenbanken bekämpfen die zu tiefe Inflation  massiv, nicht so die SNB.
23 Milliarden Franken betrug der Verlust der Nationalbank 2015 – Rekord.  Hauptgrund war der Einbruch des Euro nach der Aufgabe des Mindestkurses. Bilder: Keystone
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Seit vier Jahren steht Thomas Jordan an der Spitze der Schweizerischen Nationalbank, vor einem Jahr traf er mit der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro seinen folgenschwersten Entscheid. RMS

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Nationalbank-Präsident Thomas Jordan tritt seinen Kritikern entgegen: «Die Nationalbank hat seit Ausbruch der Krise sehr viel unternommen, um die Wirtschaft vor vielen Schocks zu schützen», betont der 53-Jährige im «Bilanz»-Interview. «Wir machen also alles andere, als die Wirtschaft oder die Industrie abzuwürgen.»
Unternehmer wie Artemis-Chef Michael Pieper, Ypsomed-Gründer Willi Michel oder Swatch-Konzernchef Nick Hayek hatten die Nationalbank scharf kritisiert, Raiffeisen warf ihr in einer Studie vor, die Industrie abzuwürgen. Jordan sieht dagegen keinen Grund zu grosser Besorgnis. «Ich denke nicht», antwortete er auf die Frage, ob eine Deindustrialisierung drohe. «Das Risiko, dass man Marktanteile verliert, ist aus unterschiedlichen Gründen immer vorhanden. Die Schweiz und ihre Unternehmen müssen alles daransetzen, dass sie wettbewerbsfähig bleiben und ihre Marktanteile halten können.»

«Wir sind bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren»

Die Abschwächung des Frankens zu Jahresbeginn sieht er auch in der Geldpolitik der Nationalbank begründet. «Sie ist im Moment darauf ausgerichtet, den Druck auf den Franken abzuschwächen. Dazu haben wir die Negativzinsen, und wir sind bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren», betont er im Interview.

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Doch sollte die Konjunktur in Europa sich verschlechtern, könnte der Franken wieder steigen: «Zuletzt hatten wir grössere Geldflüsse, die aus den Emerging Markets kamen. Da helfen die Negativzinsen: Sie wirken bei Geldflüssen von den aufstrebenden zu den fortgeschrittenen Volkswirtschaften, weil es attraktivere Währungen als den Franken gibt. Doch grosse Störungen in Europa könnten den Franken rasch wieder in den Vordergrund rücken.» Ein internes Kursziel etwa von 1,10 zum Euro gebe es nicht: «Die Nationalbank kann keine Garantie geben.»

Keinen neuen Mindestkurs

Zu einer Erhöhung der Negativzinsen sagt der SNB-Präsident: «Wir sind mit den Negativzinsen recht weit gegangen. Jetzt beobachten wir die Situation genau. Wir schliessen nichts aus.» Einen neuen Mindestskurs oder eine Anbindung an einen Währungskorb schloss Jordan aus. «Wir sind aus dem Mindestkurs ausgestiegen, weil er nicht mehr nachhaltig war, und es macht keinen Sinn, gleich wieder in ein sehr rigides Konzept einzusteigen.»

Dass die Schweiz zur Zeit in der Deflation steckt, bereitet Jordan keine grosse Sorgen:  «Die Inflation ist in der Tat im Moment negativ und damit tiefer, als wir das gern hätten.» Doch im Unterschied zu anderen Notenbanken «verfolgen wir kein Zwei-Prozent-Inflations-Punktziel.»

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Das vollständige Interview mit dem Nationalbank-Präsidenten, warum er seinen Auftrag trotz Deflation für erfüllt hält und ob die Deflationsängste seiner Kollegen Draghi und Co. übertrieben sind, lesen Sie in der neuen «Bilanz», ab Freitag am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.
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