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Frauen und Finanzen

Total irrational

Über die Unberechenbarkeit von Frauen gibt es Hunderte dumme Witze. Wenig gelacht wird über die Unberechenbarkeit der Finanzmärkte.

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«Trotz schwacher Konjunktur und geopolitischer Krisen jagen die Börsen derzeit von Rekord zu Rekord», schreibt Anne-Barbara Luft. BILANZ

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Jede Frau hat es schon gehört: «Sei nicht so irrational!» Immer dann, wenn Sie etwas sagen, das dem männlichen Gegenüber nicht gefällt, das er nicht versteht oder wenn er einfach mit dem falschen Fuss aufgestanden ist. Irrational zu sein, ist unser Ding, das haben wir Frauen wohl erfunden und das Copyright auf Lebenszeit. Kein Wunder, dass wir uns als Investorinnen so gut machen. Denn die Einzigen, die vielleicht noch etwas irrationaler sind als wir, sind die Finanzmärkte. Schwache Fundamentaldaten, verhaltene Konjunkturprognosen, geopolitische Risiken auf allen Seiten, doch die Finanzmärkte jagen Rekorde. Über die Unberechenbarkeit der Frauen gibt es mehr dumme Witze als Aktionärsbriefe. Wenn die Finanzmärkte unberechenbar sind, lacht niemand. Was die Kurse bewegt, hat derzeit weniger mit dem zu tun, was Unternehmen wirklich verdienen, als mit dem, was irgendwo getwittert wird. Fehlt nur noch, dass jemand sagt: «Da spielen wohl wieder die Hormone verrückt.»
Als erfahrene Investorin wissen Sie, was zu tun ist. Der wichtigste Hebel ist nicht die Wahl einzelner Titel, sondern die Struktur Ihres Portfolios. Die strategische Asset Allocation, also die Frage, wie viel in Aktien, Anleihen und andere Anlageklassen fliesst, bestimmt langfristig mehr als 90 Prozent der Rendite. Jetzt sollten Sie prüfen, ob die geografische Streuung in Ihrem Aktienportefeuille noch stimmt. Europa und Asien sind im Vergleich mit US-Märkten günstiger bewertet und bieten Aufholpotenzial. Dazu kommt: Nach den Rekordständen einiger Titel ist der Zeitpunkt geeignet für ein Rebalancing. Einmal jährlich sollte das ohnehin stattfinden, bei grossen Marktschwankungen oder wenn einzelne Positionen mehr als zehn Prozent von der ursprünglichen Gewichtung abweichen, auch früher. Konkret: überbewertete Positionen zurückfahren und in einem ausgewogenen Portfolio gezielt dort nachkaufen, wo die Bewertungen attraktiv sind.

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In solchen Phasen geht es vor allem darum, keine Kurzschlussentscheide zu treffen und die langfristige Strategie nicht aus den Augen zu verlieren. So machen wir Frauen das – wie zu erwarten, total irrational!

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