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Makler-Umfrage

So sehen Immobilienprofis die aktuellen Markttrends

Der Eigenmietwert fällt, die Erbschaftssteuer wurde abgelehnt. Wie wirkt sich das auf den Markt für Wohneigentum aus?

Uli Rubner

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Die Abschaffung des Eigenmietwerts stützt die Nachfrage in einem ohnehin robusten Markt. Mario Wagner / 2 Agenten für HOMES

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Welche Veränderungen haben Sie nach der Abschaffung des Eigenmietwerts bei der Nachfrage nach Wohneigentum festgestellt?

Michelle Bachmann-Vetsch: Bisher sehen wir keine Veränderungen, die wir auf die Abschaffung des Eigenmietwerts zurückführen könnten. Tendenziell dauert die Vermarktungsphase mittlerweile etwas länger. Doch wir erleben tagtäglich einen Immobilienmarkt, der funktioniert und erfolgreich die vielseitigsten Wohnwünsche erfüllt.
Daniela Doychinova: Mit der Abschaffung des Eigenmietwerts wird Wohneigentum für viele steuerlich attraktiver. Entsprechend ist mit einem moderaten Anstieg der Nachfrage zu rechnen. Auf das Luxussegment dürften die Änderungen nur begrenzten Einfluss haben. Positiv ist zudem, dass Renovationen an denkmalgeschützten Gebäuden voraussichtlich weiterhin steuerlich abzugsfähig bleiben.
Daniela Doychinova: Partnerin & Stv. der GL Nobilis Estate AG.
Daniela Doychinova: Partnerin & Stv. der GL Nobilis Estate AG.Andrea Diglas
Daniela Doychinova: Partnerin & Stv. der GL Nobilis Estate AG.
Daniela Doychinova: Partnerin & Stv. der GL Nobilis Estate AG.Andrea Diglas
Nina Flückiger: Im Moment spüren wir die Auswirkungen der Abschaffung noch kaum, da sie frühestens ab 2028 in Kraft treten soll. Die Nachfrage bleibt dank tiefer Finanzierungskosten stabil. Insgesamt zeigt sich der Markt weiterhin robust und von einer strukturellen Angebotsknappheit geprägt.

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Kevin Hinder: Die Diskussion rund um die Abschaffung des Eigenmietwerts hat das Thema Wohneigentum wieder stärker in den Fokus gerückt. Eine erhöhte Nachfrage ist spürbar, sie lässt sich aber nicht auf diese politische Entwicklung allein zurückführen.
Claudio Walde: Die Abschaffung des Eigenmietwerts wirkt nachfragestützend, da Wohneigentum für viele Haushalte finanziell attraktiver wird. In Kombination mit tiefen Hypothekarzinsen und dem weiterhin knappen Angebot beobachten wir eine anhaltend hohe Nachfrage. Das führt zu zusätzlichem Wettbewerb und stützt die Preisentwicklung weiter.
Claudio F. Walde: CEO Walde Immobilien AG.
Claudio F. Walde: CEO Walde Immobilien AG.PR
Claudio F. Walde: CEO Walde Immobilien AG.
Claudio F. Walde: CEO Walde Immobilien AG.PR

Welche Veränderungen stellen Sie am Markt fest, nachdem die Erbschaftssteuer an der Urne abgelehnt worden ist?

Michelle Bachmann-Vetsch: Unser weitreichendes Netzwerk, das wir aktiv und intensiv pflegen, umfasst sehr viele wirklich solvente Kunden. Das Interesse an attraktiven Luxusimmobilien und besonderen Liegenschaften ist ungebrochen. Aktuell stellen wir keine Veränderungen aufgrund des Urnenentscheids fest.

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Daniela Doychinova: Die Vermögensverwalter unserer Kunden haben sich seit Langem auf potenzielle Szenarien bei der Erbschaftssteuer eingestellt. Die klare Ablehnung festigt den Status quo auf dem Schweizer Immobilienmarkt und hat deshalb kaum Auswirkungen. Die stabilen Rahmenbedingungen begünstigen jedoch weiterhin langfristigen Besitz. In Kombination mit strukturellen Faktoren wie einem begrenzten Angebot und einer hohen Nachfrage führt dies zu einem knappen Markt an Objekten und tendenziell stabilen bis steigenden Preisen.
Nina Flückiger: Wir haben keine Veränderungen festgestellt, die direkt auf das Nein an der Urne zurückzuführen wären. Aktuell werden Nachfrage und Preisentwicklung durch das begrenzte Angebot und die stabilen Finanzierungsbedingungen beeinflusst.
Nina Flückiger: Standortleiterin Zürich Markstein AG.
Nina Flückiger: Standortleiterin Zürich Markstein AG.PR
Nina Flückiger: Standortleiterin Zürich Markstein AG.
Nina Flückiger: Standortleiterin Zürich Markstein AG.PR
Kevin Hinder: Die Ablehnung der Erbschaftssteuer hat insbesondere im vermögenden Segment zusätzliche Planungssicherheit geschaffen. Parallel beobachten wir eine zunehmende Nachfrage internationaler Ultra-High-Net-Worth Individuals (UHNWI), die den Schweizer Immobilienmarkt als stabilen Anlage- und Lebensstandort schätzen.

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Claudio Walde: Wir beobachten keine unmittelbar wesentlichen Veränderungen im Markt. Die Ablehnung war aber für den Standort Schweiz elementar, weil sie für Kontinuität und Planungssicherheit sorgt.

Was beobachten Sie derzeit auf Verkäuferseite?

Michelle Bachmann-Vetsch: Die Preisvorstellungen auf der Verkäuferseite sind auf hohem Niveau, was nicht neu ist. Wir pitchen praktisch jeden Auftrag des Liegenschaftsverkaufs. Die Freude über viele Weiterempfehlungen ist gross und täglicher Antrieb. 50 Prozent der Liegenschaften vermarkten wir diskret, ohne Internetpräsenz. Angebote und Nachfragen sind aktuell über alle Segmente gut verteilt.
Michelle Bachmann-Vetsch: Geschäftsleitung Exklusiv Immobilien AG.
Michelle Bachmann-Vetsch: Geschäftsleitung Exklusiv Immobilien AG.PR
Michelle Bachmann-Vetsch: Geschäftsleitung Exklusiv Immobilien AG.
Michelle Bachmann-Vetsch: Geschäftsleitung Exklusiv Immobilien AG.PR
Daniela Doychinova: Die unsichere globale Lage führt dazu, dass Eigentümer Verkaufsentscheide noch sorgfältiger abwägen. Entsprechend bleibt das Angebot äusserst knapp, und neue Objekte gelangen nur selektiv auf den Markt. Zudem werden Liegenschaften häufig innerhalb der Familie weitergegeben. Besonders ausgeprägt ist die Knappheit bei hochwertigen Einfamilienhäusern, wo die Nachfrage unverändert hoch ist. Im Top-Segment zeigt sich punktuell, dass Preisvorstellungen zu ambitioniert angesetzt wurden und eine behutsame Marktanpassung erfordern.

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Nina Flückiger: Die Preisvorstellungen der Verkäufer bewegen sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Der Markt ist geprägt von einem strukturellen Nachfrageüberhang: Das Angebot an Eigenheimen hat sich zuletzt wieder reduziert, während die Nachfrage stabil bleibt. Entsprechend besteht ein klarer Wettbewerb bei qualitativ hochwertigen Objekten an attraktiven Lagen. Weniger Dynamik zeigt sich bei sanierungsbedürftigen Liegenschaften oder an weniger gefragten Mikrolagen.
Kevin Hinder: Das Angebot bleibt knapp, insbesondere bei hochwertigen Objekten an guten Lagen. Gleichzeitig sind die Preisvorstellungen vieler Verkäufer ambitioniert, weshalb eine realistische Marktpositionierung immer wichtiger wird.
Kevin Hinder: Co-Founder/CEO Property One Partners AG.
Kevin Hinder: Co-Founder/CEO Property One Partners AG.Philipp Jeker Photography
Kevin Hinder: Co-Founder/CEO Property One Partners AG.
Kevin Hinder: Co-Founder/CEO Property One Partners AG.Philipp Jeker Photography
Claudio Walde: Wir sehen weiterhin einen klaren Verkäufermarkt, geprägt von hoher Nachfrage, tiefen Zinsen und der Schweiz als sicherem Hafen. Eigentümer haben entsprechend hohe, teils ambitionierte Preisvorstellungen, während das Angebot – insbesondere an attraktiven Lagen wie Zürich – begrenzt bleibt. Grundsätzlich gibt es in allen Segmenten einen Markt, jedoch gilt: Je höher das Preissegment, desto häufiger werden Objekte diskret vermarktet und sind entsprechend weniger sichtbar.

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Gibt es bestimmte Käufergruppen, die derzeit auf der Nachfrageseite besonders dominieren?

Michelle Bachmann-Vetsch: In den vergangenen Wochen betreuten wir erfolgreich mehrere Kunden aus Norwegen, aber auch aus Zypern oder Russland. Die Käufergruppen sind gut durchmischt, von den Nationalitäten über die wirtschaftlichen bis zu den demografischen Faktoren. Wir begleiten auch viele «typische» Schweizer Familien, die ein Eigenheim suchen.
Daniela Doychinova: Seit den jüngsten geopolitischen Entwicklungen hat sich die internationale Nachfrage im Luxussegment punktuell verstärkt. Die Schweiz gilt weiterhin als stabiler und sicherer Hafen – vorausgesetzt, die regulatorischen Anforderungen, insbesondere im Rahmen der Lex Koller, können erfüllt werden. Es handelt sich dabei vor allem um vermögende Privatpersonen, Unternehmer und international tätige Führungskräfte, häufig aus Skandinavien, Deutschland, Grossbritannien, den Niederlanden und den USA. Soziodemografisch dominieren Käufer mit langfristigem Anlagehorizont und klarem Fokus auf Werterhalt, Stabilität und Standortqualität.
Nina Flückiger: Nach wie vor dominieren lokale Käuferinnen und Käufer sowie EU/EFTA-Staatsangehörige mit B- oder C-Bewilligung. Die Nachfrage wird von finanzstarken Käufergruppen mit solider Eigenkapitalbasis geprägt. An Relevanz gewinnt zudem die Altersgruppe 60+: Verkäufe erfolgen häufig erst spät, und entgegen der verbreiteten Annahme findet keine starke Flächenreduktion statt. Nach dem Einfamilienhaus wird weiterhin grosszügiger Wohnraum nachgefragt.

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Kevin Hinder: Eine einzelne Nationalität dominiert derzeit nicht. Auffällig ist jedoch, dass wir aktuell vermehrt Anfragen und Kontakte aus den USA und aus Dubai sehen.
Claudio Walde: Die Nachfrage wird klar von gut situierten, in der Schweiz verwurzelten Käufern dominiert – rund drei Viertel der Käuferschaft stammen aus dem Inland. Besonders aktiv sind Familien sowie Doppelverdiener mit stabilem Einkommen, die langfristig Wohneigentum suchen. Expats spielen ebenfalls eine Rolle, insbesondere aus Deutschland, dominieren den Markt jedoch nicht. Im oberen Segment treten zusätzlich nationale und internationale Unternehmer, Führungskräfte und international mobile, vermögende Privatpersonen auf.
Dieser Artikel ist im HOMES, einem Magazin der BILANZ, erschienen (Frühling 2026).

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