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Volksabstimmung

Das sind die 7 Irrtümer beim Eigenmietwert

Um den Eigenmietwert ranken sich Missverständnisse. Weshalb es sinnvoll ist, die einst als Kriegssteuer eingeführte Besteuerung abzuschaffen.

Valda

Häuser in Höri Die Häuser von Höri im Zürcher Unterland vom Nerracherried ausgesehen. Höri, Schweiz, 03.06.2023 *** Houses in Höri The houses of Höri in the Zurich Unterland seen from Nerracherried Höri, Switzerland, 03 06 2023

Wohnhäuser im Zürcher Unterland: Mit dem Systemwechsel zur Abschaffung des Eigenmietwerts dürfte die Spekulation mit selbstbewohntem Eigentum abnehmen.

IMAGO/dieBildmanufaktur

Warum ein Einkommen versteuern, das ich nie erhalten habe? Diese Frage stellen sich seit Jahrzehnten Leute, die eine Wohnung oder ein Haus gekauft haben. Sie erhalten jährlich von der Steuerverwaltung einen Brief, worin steht, wie hoch der Eigenmietwert ihres Eigenheims ist. Zum Beispiel 21’000 Franken für eine Dreizimmerwohnung in der Stadt Zürich, die auf dem Mietmarkt 2500 Franken kosten würde. Diesen Betrag müssen sie zusätzlich zum Einkommen versteuern, ohne ihn physisch erhalten zu haben.

Das kann Pensionierte mit knappen Mitteln in die Bredouille bringen. Im hypothetischen Fall einer alleinstehenden Witwe, die als Wohnungsbesitzerin in der Stadt Zürich versteuert, würde dies so aussehen: Wäre sie Mieterin und würde sie mit der AHV und der Pensionskasse monatlich 4200 Franken einnehmen, müsste sie monatlich 425 Franken Steuern bezahlen. Doch weil sie als Besitzerin der erwähnten Dreizimmerwohnung den Eigenmietwert zu versteuern hat, zahlt sie fast das Doppelte, nämlich 760 Franken. Sie hat weniger als eine gleich situierte Mieterin und fällt unter das betreibungsrechtliche Existenzminimum. Ist das gerecht?

Das ist die Gretchenfrage im Streit um den Eigenmietwert, über dessen Abschaffung am 28. September abgestimmt wird. Er wurde im Ersten Weltkrieg vom Bundesrat als Kriegssteuer eingeführt. Dann wurde er aufgehoben, um 1934 wieder per Notrecht eingeführt zu werden – auf alle Ewigkeit. Zwischen 1970 bis in die Nullerjahre waren die Hypothekarzinsen so hoch, dass hoch verschuldete Wohneigentümer in der Tendenz mehr Steuern sparen konnten als Miethaushalte. Doch seit der Hypothekarzins unter 3 Prozent gefallen ist, spätestens seit 2009, zahlen die allermeisten Eigenheimbesitzer drauf. Für sie ist der Eigenmietwert einfach nur ungerecht.

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Andreas Valda
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