Es begann mit einer Enttäuschung: Anna und Philippe Schoch wollten in Scuol ein Haus bauen und liessen ein Projekt ausarbeiten. Doch ausser Spesen war nichts gewesen: Die Vorschläge gefielen der Bauherrschaft nicht, trotzdem war eine Pauschale fällig. Schochs standen also da, mit ihrem kleinen, sonnigen Grundstück oberhalb des alten Ortskerns direkt an der Talstation der Bergbahn Scuol und ohne Plan.
Bald danach gab es aber einen glücklichen Zufall: Ein Verwandter der Familie schlug Fanzun als Partner vor. Gian Fanzun, einer der Teilhaber des Generalplaners, habe für sich selber bereits in Scuol gebaut, zudem stammt er aus dem Nachbarort Tarasp, so wie die Bauherrin Anna Schoch. Das sorgte schon mal für einen Vertrauensvorschuss. Bestärkt wurde das Vertrauen, weil Gian Fanzun im ersten Gespräch anbot, kostenlos einen Erstvorschlag zu erstellen – mit einer klaren Bedingung: «Wir machen einen Vorschlag nach unserem Geschmack, und wenn es euch nicht passt, dann lassen wir es.»
Gian Fanzun ist Partner und Bereichsleiter Entwicklung beim Generalplaner Fanzun mit 140 Mitarbeitenden.Reinhard Fasching
Gian Fanzun ist Partner und Bereichsleiter Entwicklung beim Generalplaner Fanzun mit 140 Mitarbeitenden.Reinhard Fasching
Die Auftraggeber definierten den Platzbedarf. Sie wollten eine grosszügige Wohnung für sich selbst und eine Einliegerwohnung plus eine übergrosse Garage für vier Autos. Zudem wünschte sich der ehemalige Elektrikerlehrling Philippe Schoch eine zeitgemässe Haustechnik, bei der sich alles, vom Licht über die Heizung bis zu den Storen, auch mobil von auswärts steuern lässt, sowie ein nachhaltiges Energiekonzept.
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Was dann folgte, übertraf die Erwartungen von Anna und Philippe Schoch: Gian Fanzun präsentierte zwei Konzepte zur Auswahl: ein dreistöckiges Gebäude mit überhohen Räumen und ein Turmhaus auf vier Etagen. Die Auftraggeber bevorzugten die Variante Turmhaus. Ihnen gefiel die Idee, die drei oberen Etagen für sich einzurichten, mit den Wohnräumen im obersten Geschoss. Das versprach mehr Privacy, maximale Besonnung und die beste Aussicht auf das Dorf und die Engadiner Dolomiten. Einige Vorstellungen, etwa von grossen offenen Terrassen, verwarfen die Auftraggeber hingegen, da Gian Fanzun vor der hohen Schneelast und den Frostschäden warnte – ein perfektes Beispiel, wie Wunschdenken gepaart mit Expertise zu besseren Resultaten führt.
Anna und Philippe Schoch konnten dank der Zusammenarbeit mit Fanzun Zeit und Nerven sparen.PR
Anna und Philippe Schoch konnten dank der Zusammenarbeit mit Fanzun Zeit und Nerven sparen.PR
Beton statt Holz
In einem zweiten Schritt zeigte Gian Fanzun drei Designvarianten des Turmhauses auf: ein ganz in Weiss verputztes Haus, eines im sogenannten Bergeller Stil mit Steinfassade und eine weitere Variante mit Beton im Inneren sowie eine Variante komplett aus Beton. Letztgenannte war besonders für Anna Schoch gewöhnungsbedürftig, denn sie hatte sich als neues Domizil in den Bergen ursprünglich ein Holzchalet erträumt. Als sie aber die Renderings verschiedenen Bekannten zeigte, fanden die meisten den reinen Betonbau «mega-cool». Anna Schochs Faible für Holz wurde aber doch noch befriedigt – mit Holzrahmen bei den Fenstern, Arveneinbauten im Inneren und als Bodenbelag sowie dekorativen Lärchenholz-Designs an der Eingangstür und an der Balkonbrüstung.
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Besonders beeindruckt waren die Bauherren vom Detaillierungsgrad der ersten Entwürfe. Fanzun hatte neben den Renderings der Fassaden mit Querschnitten und Raumeinteilung auch einen digitalen Zwilling gebaut, dank dem man in das virtuelle Haus eintreten und das Raumgefühl und die Aussicht erleben konnte: «Sie dachten an alles», so Philippe Schoch. Also gab das Paar das Go – mit klaren Budget- und Timingangaben und mit kleinen Anpassungen beim Grundriss.
Für die Ausführung der Betonelemente fuhr Gian Fanzun mit seinen Auftraggebern zu einigen durch Fanzun erstellten Referenzbauten. Er wollte die hohe Vielseitigkeit von Beton aufzeigen. Am Schluss entschieden sich die Bewohner für eine ruhige, glatte Struktur im Inneren und eine von sogenannten OSB-Platten geprägte Holzgrobspan-Optik für die Aussenfassaden.
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Im Hausinneren dominiert Arvenholz. Ralph FeinerDank minimalistischer Formensprache wirkt das Interieur aber alles andere als rustikal.Ralph FeinerDie Einliegerwohnung im Erdgeschoss ist zwar klein, aber ebenso hochwertig materialisiert wie die Maisonette-Hauptwohnung.Ralph FeinerDer Blick auf die Engadiner Dolomiten und die Besonnung bestimmten die Ausrichtung des Hauses.Ralph FeinerMinimalistische Linien, Beton und Lärche dominieren das Äussere des kühnen vierstöckigen Hauses.Ralph FeinerHinter der Trennwand aus Beton befindet sich das Bad der Hauseigentümer. Aus dem Bettblickt man auf die EngadinerDolomiten.Ralph FeinerRaffinierte Kombi: Die Holzrahmen der Fenster sind innen aus Arvenholz und aussen aus resistenter Lärche.Ralph Feiner
Vertrauen in die Profis
Danach übernahm das Team von Fanzun die Regie von A bis Z: Tragstruktur, Innenarchitektur, Energiekonzept, Akustik, Bauleitung und Baumanagement inklusive Ausschreibungen für alle Gewerke – mit oft bis zu acht Vergleichsofferten. Bei der Auswahl konnten die Eigentümer mitreden, aber meistens hörten sie auf die Empfehlungen des Fanzun-Teams. «Ich habe mich voll auf die Profis verlassen und habe dadurch sehr viel Zeit gespart», sagt Philippe Schoch, der seine Priorität auch während der Bauzeit auf sein Familienunternehmen Otto Schoch AG in Geroldswil im Kanton Zürich legte, das auf Elektroprodukte für die Bahnindustrie spezialisiert ist. Aber das Schlussfazit des Unternehmers fällt positiv aus: «Ich habe nie eine Steckdose vermisst, alles ist gut durchdacht», so Schoch. Und er vermutet: «Jeder, der eine Eigentumswohnung ab Plan kauft, braucht für die Planung mehr Zeit, als wir für das ganze Haus aufwenden mussten.»
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Fanzun schlug jeweils einige Varianten vor und brachte Muster mit. Das Ehepaar konnte zeitsparend auswählen und musste keine Lieferanten oder Baumärkte aufsuchen. Man setzte auf wenige zeitlose und schlichte Materialien, alles mehrheitsfähig und jenseits aller Moden. So wurde in allen Badezimmern gespachtelter Beton verwendet, allover für Decke, Boden und Wände, alles in Hellgrau, und italienische Armaturen von Superinox in klassischem Edelstahl.Alle Holzelemente wurden regional beschafft – witterungsbeständige Lärche für draussen, weiches, duftendes Arvenholz für drinnen. Sogar bei den Fensterrahmen wurde diese Rollenverteilung eingehalten. «Die wussten, was schön ist», sagt Gian Fanzun über seine Auftraggeber. Besonders stolz ist der Architekt, wenn sich Funktionalität und Ästhetik ergänzen, wie beim Hausdach mit praktisch unsichtbaren Solarpaneelen.
Bekannt für Grossprojekte
Heute, zwei Jahre nach der Fertigstellung, warten wenige kleinere Probleme auf eine Lösung, wie etwa die Holzfurniere an den Schiebetüren der Kleiderschränke, die nicht mehr flach anliegen, sondern sich ausbeulen: «Da hat man vielleicht ein bisschen zu viel auf das Design und zu wenig auf die Funktionalität geschaut», meint Philippe Schoch. Aber er ist zuversichtlich, dass das lösbar ist, denn auch das Nachbessern von Mängeln und die entsprechenden Verhandlungen mit den Handwerkern gehören zum After-Service von Fanzun.
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Für den Generalplaner mit Niederlassungen in Chur, Scuol, Samedan und Zürich ist der Bau für die Familie Schoch nicht das ganz typische Referenzobjekt: Das 60-jährige Bündner Traditionsunternehmen mit seinen rund 140 Mitarbeitenden aus verschiedensten Disziplinen ist spezialisiert auf die Umsetzung und Mitarbeit bei komplexen Grossprojekten.
Bekannt sind vor allem touristische Bauten wie das Luxushotel Dolder Grand in Zürich mit Lord Norman Foster als Architekt, das Tschuggen Grand Hotel in Arosa mit seinem spektakulären Spa in einer Arbeitsgemeinschaft mit Mario Botta, der Ausbau des Boutique-Hotels In Lain Cadonau im Engadiner Brail oder das neu zu einem Fünfsternhaus umgebaute Hotel Chasa Montana in Samnaun. Aber auch bei Grossbauten wie dem ersten Einkaufszentrum im Engadin mit der Porta Samedan als Engadiner Migros-Premiere, dem kürzlich fertiggestellten Südtrakt des Zürcher Hauptbahnhofs als verantwortliches Baumanagement in Zusammenarbeit mit den Architekten Aebi & Vincent oder dem im Bau befindlichen Neubau des Zürcher Universitätsspitals mit der Architektur von Christ & Gantenbein sind die Profis von Fanzun eingebunden. «Oft lernen wir private Auftraggeber durch einen gewerblichen Auftrag kennen», sagt Gian Fanzun, «und wenn sie dann selber bauen und zu uns kommen, ist dies das schönste Kompliment.»
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Dieser Artikel ist im HOMES, einem Magazin der BILANZ, erschienen (Frühling 2026).
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