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Rosaroter März

Feminismus hat auch mit Geld zu tun

Hat Feminismus die Arbeitswelt ruiniert? Oder hat er Missstände erst sichtbar gemacht? Am Ende geht es wie immer ums Geld.

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«Wer kein eigenes Geld hat, hat weniger Handlungsmacht – sowohl in der Arbeitswelt als auch im Privaten», schreibt Anne-Barbara Luft. BILANZ

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Der Posteingang verwandelt sich im März in ein pinkes Paralleluniversum. Einladungen zu Panels, Podien und Events rund um den Internationalen Frauentag flattern herein. Kaum eine Mail, in der nicht das Wort Empowerment vorkommt. Das Thema ist wichtiger denn je. Und doch macht sich in diesem Jahr eine ungewohnte Müdigkeit breit. Vielleicht, weil sich nach Jahrzehnten realer Fortschritte der Diskurs wieder rückwärtsdreht. In diese Stimmung passt die Debatte, die ein Leitartikel in der «New York Times» mit dem Titel «Did Liberal Feminism Ruin the Workplace?» losgetreten hat. Kritikerinnen zeichneten das Bild einer «feminisierten» Arbeitswelt, in der Harmonie und Sensibilität Leistungsprinzipien verdrängen. Die Gegenreaktion folgte prompt: Feminismus habe Missstände nicht erzeugt, sondern sichtbar gemacht. Viel Neues brachte diese Kontroverse nicht. Trotzdem war sie interessant, denn hinter der Frage, ob Feminismus den Arbeitsplatz zerstört habe, steht die grundlegendere: Wozu dient Erwerbsarbeit für Frauen überhaupt? Hier liegt der eigentliche Denkanstoss. Forderungen nach Gleichstellung waren nie nur kulturell, sondern immer auch ökonomisch. Bildung und Zugang zu Berufen zielten auf Einkommen und Eigentum ab. Kurz: auf finanzielle Unabhängigkeit.

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Man kann über woke Arbeitskultur, gendergerechte Sprache und Diversity-Trainings streiten, aber ohne ökonomische Autonomie steht Gleichstellung auf tönernen Füssen. Wer kein eigenes Geld hat, hat weniger Handlungsmacht – sowohl in der Arbeitswelt als auch im Privaten. Die gesamte Debatte kreiste also eigentlich ums Geld. Um die Frage, was es Frauen kostet, finanziell unabhängig zu sein. Und umgekehrt: was es kostet, es nicht zu sein.
Der März wird also voll sein von Podien über Gleichstellung, Fortschritte und Rückschritte, über Quoten und Lücken. Aber ein Abend ist für die Tochter reserviert: ein Besuch im Lieblingsrestaurant. Irgendwann wird dann darüber gesprochen, warum Frauen immer noch so viel unbezahlte Arbeit leisten und warum man damit keine Rechnungen bezahlen kann. Ein unspektakulärer, aber vielleicht wirksamer Feminismus.

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