Zweiunddreissig Jahre nach Beni Thurnheers legendärem Ausruf «Es gibt nur einen Bregy» ist die Fussballwelt diesen Sommer zurück in den USA. Zusammen mit Mexiko und Kanada richten die Vereinigten Staaten die 23. Fussball-WM aus. Zwar sind die USA auch nach der WM 1994 ein Fussball-Entwicklungsland geblieben. Aber zumindest richtet das Trump-Land mit 48 kickenden Nationalteams die bislang grösste je ausgetragene WM aus. Und mittendrin die Schweizer Nati mit
Cheftrainer Murat Yakin (51). Mit der ihm so eigenen Souplesse hat Yakin seine Mannen zum sechsten Mal in Folge an eine WM-Endrunde geführt, was der Fussballverband mit einer automatischen Vertragsverlängerung bis 2028 honorierte. Selten marschierte die Nati derart souverän durch eine Qualifikation. Fokussiert, abgeklärt und effizient distanzierte die Schweiz Kosovo, Schweden und Slowenien und qualifizierte sich als eine von bloss 16 europäischen Nationen. Yakin hat seit seinem Antritt im August 2021 kein einziges WM-Quali-Spiel verloren. Mit Kanada, Bosnien-Herzegowina und Katar warten in der WM-Gruppenphase drei eigentliche WM-Zuschauer auf die Schweiz. Weiterkommen ist Pflicht, der Viertelfinal das Minimalziel. Oder in Yakins Worten: «Wir wollen die beste WM aller Zeiten spielen.»
Die Mitstreiter
Was Yakin an der Seitenlinie ist, verkörpert Granit Xhaka auf dem Feld. Der Captain ist Yakins verlängerter Arm auf dem Platz. In der Nati baut Yakin neben Sunderland-Legionär Xhaka auf die Führungsspieler Manual Akanji von Inter Mailand, Remo Freuler vom FC Bologna, Torhüter Gregor Kobel von Borussia Dortmund und Stürmer Breel Embolo von Stade Rennes. Mit Johan Manzambi, er spielt beim SC Freiburg, oder Ardon Jashari von der AC Milan stehen starke Spieler in der zweiten Reihe. Assistiert wird Yakin von Davide Callà, der nach der Europameisterschaft 2024 auf Giorgio Contini folgte. Yakin ist ein ausgesprochener Familienmensch. Sein Bruder und Ex-Fussballer Hakan Yakin ist ein enger Vertrauter, den er einst beim FC Luzern trainierte. Mit seinem ältesten Bruder Ertan Irizik hatte er eine Spieleragentur, und er investierte in dessen Küchenunternehmen. Wichtig war Manager Erich Vogel, der Yakin entdeckte und zu GC holte. Bei GC und später beim FC Basel war der legendäre Christian Gross ein harter, aber fairer Trainer. Der ehemalige Nati-Coach Roy Hodgson setzte sich für Yakins Einbürgerung ein, verzichtete dann aber trotzdem auf ihn für die WM 1994 in den USA. Yakin verscherzte sich das Aufgebot, weil er mit Ciriaco Sforza, Alain Sutter und Thomas Bickel zu lange an der Hotelbar gesessen hatte.