Die Generation Z hat eine andere Vorstellung von Work-Life-Balance. Ist das gerechtfertigt? Egal. Man muss darauf eingehen, denn ohne sie geht es nicht.
ยซDie Zettlerinnen und Zettler sind Wohlstandskinder, eine Biedermeiergesellschaft, die mit sich selbst beschรคftigt istยป, kommentiert Redaktorin Carmen Schirm-Gasser. PAUL_SEEWER
Ich bin gegen stereotype Vorurteile. Doch in letzter Zeit fรคllt mir auf, dass sich in meiner Umgebung die Beschwerden รผber die Generation Z hรคufen (zur Erinnerung: Darunter fallen all jene Menschen mit Geburtsdatum zwischen 1995 und 2010). Ein Kollege, der Headhunter ist, erzรคhlte mir unlรคngst, dass seine zwei neuesten Mitarbeitenden aus der Gen Z auffallend bequem, fordernd und selbstzufrieden seien, wรคhrend ihr Einsatz unterdurchschnittlich sei.
รhnliches hรถrte ich vom Inhaber einer Steuerberatungskanzlei. Drei Auszubildende hintereinander hatten bei ihm die Ausbildung abgebrochen, mit der Begrรผndung, der Stress sei zu hoch. Eine kurze Recherche zeigte, dass es zahlreiche Umfragen zu diesem Thema gibt. Der gemeinsame Tenor daraus: Viele Arbeitgebende beklagen, dass es Zettlern und Zettlerinnen oft an Durchhaltevermoฬgen und Resilienz fehle, dass sie wenig kritikfaฬhig und belastbar, fordernd und verwoฬhnt seien.
Nicht nur in der Schweiz, auch international knirscht es zwischen den Generationen. Drei von vier Managern, die in den USA befragt wurden, gaben in einer Umfrage des Unternehmens Resume Builder an, dass es schwieriger sei, mit der Generation Z zusammenzuarbeiten als mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Generationen. Das Nรผrnberg Institut fรผr Marktentscheidungen hat 300 Topmanager von bรถrsennotierten Unternehmen sowie knapp 680 Nachwuchsfรผhrungskrรคfte gefragt.
An dieser Stelle findest du einen ergรคnzenden externen Inhalt. Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter รผbermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.
Wieso die Generation Z mรคchtiger wird โ und was das fรผr Arbeitgeber bedeutet
Die Jungen sind mรคchtiger, als Babyboomer oder Millennials es waren. Arbeitgeber mรผssen damit umgehen. Und Vorgesetzte lernen, anders zu fรผhren.
48 Prozent der Managerinnen und Manager bezweifelten, dass der Nachwuchs wirklich wirtschaftliche Verantwortung รผbernehmen will. Selbst in Japan, das jahrzehntelang von langen Arbeitszeiten und starren Hierarchien geprรคgt war, fordern inzwischen die jรผngeren Menschen mehr Mitspracherecht und Flexibilitรคt im Job.
Arbeitgeber mรผssen sich an die Zettler anpassen
Die Zettlerinnen und Zettler sind die erste Generation, die nicht mehr darauf angewiesen ist, sich Wohlstand selbst zu erarbeiten. Sie koฬnnen sich auf dem ausruhen, was ihre Eltern und Grosseltern an Werten geschaffen haben. Es sind Wohlstandskinder, eine Biedermeiergesellschaft, die mit sich selbst beschรคftigt ist, wรคhrend die Vorgรคngergeneration in den Achtundsechzigern, der Anti-Atom- oder der Friedensbewegung lauthals gegen alles protestierte. Die Zettler und Zettlerinnen hingegen haben kaum Feinde. Sie kรคmpfen halbherzig fรผr den Klimaschutz, wenn sie nicht gerade mit dem Flieger auf die Malediven jetten.
Wie sollte in Zeiten des Fachkrรคftemangels darauf reagiert werden? Die Faust im Sack machen nรผtzt nichts. Verzichten kann man ebenfalls nicht auf sie, denn sie sind gut ausgebildet, hoch qualifiziert und mit digitalen Technologien aufgewachsen. Arbeitgeber mรผssen sich daher fast zwangslรคufig anpassen. Neue Strategien erarbeiten. Flexibel agieren. Verschiedene Studien zeigen: Die Mehrheit der Generation Z arbeitet hart โ wenn man den jungen Menschen nur zeigt, warum sie hart arbeiten sollten. Um die Motivation hochzuhalten, muss versucht werden, junge Mitarbeitende immer wieder in neue und interessante Projekte einzubinden. Den Werkstudenten zum Kopierer schicken oder Kaffee kochen lassen, kรถnnen sich Firmen nicht mehr erlauben.
Werbung
Homeoffice, ein Sabbatical, Teilzeit. Unternehmen haben viele Mรถglichkeiten, auf die Wรผnsche nach einer besseren Work-Life-Balance zu reagieren. Eine starre Fรผnftagewoche ist รผberholt. Gerade nach der Corona-Zeit, die allen gezeigt hat, dass anders arbeiten mรถglich ist. Die Forderung nach Work-Life-Balance ist fรผr viele Unternehmen etwas Neues. Das hat sich vorher niemand getraut. Aber eigentlich ist es etwas, das jeder von uns anstrebt.