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Napa Valley

Wie die alte Rivalität heute gelebt wird

Fünfzig Jahre nach dem legendären Pariser Weintasting trafen in Zürich grosse Napa-Cabernets auf Bordeaux-Ikonen.

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Napa Valley: Die Weine aus den USA zählen zu den besten der Welt. Shutterstock

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Am Anfang war Paris, im Mai 1976: Steven Spurrier, der britische Weinkritiker und Weinhändler in der Stadt an der Seine, liess kalifornische Weine in einer Blindverkostung gegen französische Klassiker antreten. Château Montelena gewann bei den Weissweinen, Stag’s Leap Wine Cellars bei den Rotweinen. Dass zwei amerikanische Weine den Bordeaux-Adel deklassierten, erschütterte den Mythos der Überlegenheit des französischen Weins und trieb letztlich die Ausdehnung des Weinanbaus in der Neuen Welt voran. Kalifornien hatte nicht einfach gut abgeschnitten. Es hatte die alte Ordnung durcheinandergebracht.
Mitinhaber von Romanée-Conti, Aubert de Villaine, bei der Verkostung 1976.
Mitinhaber von Romanée-Conti, Aubert de Villaine, bei der Verkostung 1976.PR
Mitinhaber von Romanée-Conti, Aubert de Villaine, bei der Verkostung 1976.
Mitinhaber von Romanée-Conti, Aubert de Villaine, bei der Verkostung 1976.PR
Fünfzig Jahre später wird in Zürich wieder blind verkostet. Nicht, weil das Napa Valley das Bordeaux noch einmal schlagen müsste. Diese Geschichte ist erzählt. Heute geht es um Herkunft, Stil, Marktwert und um Flaschen, die längst nicht mehr nur getrunken, sondern auch gesammelt, gehandelt und bewertet werden.
Bei Napawine im «Napagrill» in Zürich trafen 2016er-Napa-Cabernets und Cabernet-basierte Blends auf 2016er-Bordeaux. In beiden Regionen verbindet dieser Jahrgang Reife mit Frische: Bordeaux profitierte von Wasserreserven und einem warmen, trockenen Sommer, Napa von einer ausgeglichenen Saison ohne längere Hitzespitzen. Die alten Bilder sind dabei noch immer im Kopf. Napa: dunkle Frucht, reife Tannine, Fülle, polierte Textur. Bordeaux: Graphit, Zedernholz, florale Noten, Tanninrahmen, lineare Struktur.

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50 Jahre nach dem Pariser Weintasting trafen Napa-Cabernets und Bordeaux-Weine in Zürich erneut aufeinander.
50 Jahre nach dem Pariser Weintasting trafen Napa-Cabernets und Bordeaux-Weine in Zürich erneut aufeinander.NapaGrill Zürich / Zurich Summit
50 Jahre nach dem Pariser Weintasting trafen Napa-Cabernets und Bordeaux-Weine in Zürich erneut aufeinander.
50 Jahre nach dem Pariser Weintasting trafen Napa-Cabernets und Bordeaux-Weine in Zürich erneut aufeinander.NapaGrill Zürich / Zurich Summit
Diese Marker existieren weiter, sind aber weniger absolut als früher. Der Bordeaux ist durch den Klimawandel reifer geworden. Gleichzeitig haben viele Napa-Produzenten früheres Lesen, zurückhaltendere Extraktion, weniger aggressive Holzwirkung und mehr Frische gesucht. Auf höchstem Niveau wird die Unterscheidung deshalb weniger aromatisch als strukturell. Es geht um Textur, Tannin, Proportion, Energie und um Nachhall.

Grosse Qualität im gesamten Feld

Dass am Ende einzelne Weine vorne standen, gehört zur Logik einer Rangliste. Der stärkere Eindruck aber war die Qualität des gesamten Feldes: Viele Flaschen bewegten sich auf einem Niveau, auf dem nicht mehr Kraft oder Prestige entscheiden, sondern Feinheiten – Proportion, Textur, Länge und die Fähigkeit, auch blind eine eigene Herkunft zu zeigen.
WeinPunkte
1.Château Mouton Rothschild 201696,7
2.Château Latour 201696,6
3.Stag’s Leap Wine Cellars S. L. V. Cabernet Sauvi­gnon 201696,3
4.Lail Vineyards J. Daniel Cuvée Cabernet Sauvi­gnon 201696,0
5.Continuum Proprietary Red Wine 201695,5
6.Château Smith Haut ­Lafitte Blanc 201995,4
7.Grace Family Vineyards Cabernet Sauvignon 201695,3
8.Château Lafite Rothschild 201695,3
9.Château Palmer 201695,1
10.Schrader Cellars Cabernet Sauvignon Beckstoffer Las Piedras Vineyard 201695,0
Dieser Artikel ist im Millionär, einem Magazin der Handelszeitung, erschienen (Juni 2026).

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