Fast wirkt die Region am Mont Vully, lauschig zwischen Murtensee und Neuenburgersee gelegen, etwas verschlafen. Pittoreske Winzerdörfer, akkurat gepflegte Weinberge, die sich die Hänge hochziehen, einladenden Fischbeizchen am Seeufer und erfreulich wenig Leute, zumindest in der Vor- und Nachsaison. Wer sich allerdings für die Weine der Region interessiert, lernt eine andere Welt kennen: Die Winzer des Vully sind nämlich auffallend dynamisch und gehen selbstbewusst ihren eigenen Weg.
Das Château de Praz, geführt von Marylène und Louis Bovard-Chervet, ist berühmt für seine originellen weissen und roten Spitzenweine, nicht zuletzt für den in georgischen Tonamphoren vergorenen Orangewein.Eva Zwahlen
Das Château de Praz, geführt von Marylène und Louis Bovard-Chervet, ist berühmt für seine originellen weissen und roten Spitzenweine, nicht zuletzt für den in georgischen Tonamphoren vergorenen Orangewein.Eva Zwahlen
Und das gemeinsam, Waadtländer und Freiburger zusammen. Was ja für sich schon eine Sensation ist in der Schweiz. Tatsächlich ist Vully seit 2012 die einzige interkantonale Weinappellation der Schweiz. Die rund 150 Hektar Reben liegen zu zwei Dritteln auf dem Gebiet des Kantons Freiburg und zu einem Drittel auf Waadtländer Boden. «Wir ziehen alle an einem Strick, alle hier setzen rigoros auf Qualität», das bestätigen unisono alle Winzer, egal, auf welcher Seite der Kantonsgrenze sie ihre Reben bestellen.
Weisse Spezialitäten
Auf dem imposanten Molassehügel des Mont Vully, der wirkt wie eine träge daliegende Riesenechse aus der Urzeit, die über das Seeland wacht, bauten schon die römischen Besatzer aus dem nahen Aventicum, dem heutigen Avenches, Reben an. Heute sind 70 Prozent der Fläche mit weissen Varietäten bestockt. Der Chasselas ist die weisse Hauptsorte, die zu spritzigen Weissweinen verarbeitet wird – perfekte Begleiter zu den Fischen aus dem See. Doch berühmt ist die Region Vully für andere weisse Spezialitäten: den duftigen Freiburger (auch Freisamer genannt), eine Kreuzung aus Silvaner und Grauburgunder, und natürlich den Traminer.
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Eine Landschaft von unwiderstehlichem Zauber: Blick von Murten auf den Mont Vully.Eva Zwahlen
Eine Landschaft von unwiderstehlichem Zauber: Blick von Murten auf den Mont Vully.Eva Zwahlen
Letzterer findet auf den Böden des Vully – Molasse, vermischt mit Mergel und Sand – und im milden Seeklima des Drei-Seen-Landes ideale Bedingungen, ebenso wie zahlreiche andere weisse Spezialitäten. Der Traminer gehört zur Savagnin-Familie, die im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche Varianten ausgebildet hat, die heute unter Namen wie Heida oder Païen (Wallis), Traminer aromatico (Südtirol, Trentino), Weisser Traminer (Deutschland) oder Gewürztraminer (Elsass, Deutschland) bekannt sind.
Aushängeschild Traminer
Wer Gewürztraminer als allzu üppige Alkoholbombe in Erinnerung hat, sollte unbedingt einige der hochstehenden, trocken ausgebauten Traminer aus dem Vully probieren. Leichtgewichtig sind sie zwar nicht, aber gradlinig, gut strukturiert und getragen von einer Aromatik, die verwöhnte Weinnasen bezirzt, und zwar mit intensiven sortentypischen Noten von Rosen, aber auch von Gewürzen, weissen Blüten wie Jasmin oder Früchten wie Litschi und Mangos; im Gaumen kraftvoll, schmeichelnd und elegant. Köstlich zu (salzigem) Gâteau de Vully, zu Weichkäse oder zu exotischen Gerichten!
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Lauschige Winzerdörfer wie Môtier laden zum Bummeln ein – und zum Degustieren…Eva Zwahlen
Lauschige Winzerdörfer wie Môtier laden zum Bummeln ein – und zum Degustieren…Eva Zwahlen
Wer keinen Traminer mag, kommt trotzdem auf seine Kosten. Fast jede Winzerin und jeder Winzer aus der Region bietet eigene Raritäten, etwa neugezüchtete Sorten wie Sauvignac oder Divona, Orangeweine und natürlich auch gelungene rote Assemblagen, die mit den grossen Namen der Schweiz mithalten können. Sogar in georgischen Tonfässern namens Qvevri ausgebaute Weine findet man am Murtensee. Die innovativen Winzer des Vully – insgesamt sind es 24 Betriebe – sind mehr als einen Besuch wert. Und die zauberhafte Landschaft am Murtensee ebenso…
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