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Weinwissen

Dôle – ein Klassiker wird aktuell neu entdeckt

Der Walliser Dôle gehört zu den bekanntesten Schweizer Weinen – obwohl er da und dort als nicht mehr zeitgemäss abgetan wird. Sehr zu Unrecht.

Eva Zwahlen

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Der Walliser Dôle ist einer der bekanntesten Schweizer Weine. Oberhalb von Martigny gedeiht der Gamay, ein wichtiger Bestandteil der Dôle-Assemblage, besonders gut. Shutterstock

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Der Dôle gehört zu den grossen Schweizer Weinklassikern. Wer die Qualität eines Walliser Winzers beurteilen möchte, probiere seinen Fendant und seinen Dôle — und schon weiss man Bescheid! Wenn die Basisweine stimmen, darf man getrost den Rest des Sortiments probieren. Nun hat der Dôle allerdings in den letzten Jahren einige Auf und Abs erlebt.
Bereits 1854 kam erstmals ein Dôle auf den Markt – der Name stammt vermutlich vom gleichnamigen Dorf im französischen Jura. Von dort sollen die ersten Gamay-Setzlinge ins Wallis gelangt sein. Die Bezeichnung Dôle wurde wahlweise als Synonym für die roten Traubensorten Gamay oder Pinot noir verwendet.

Streit um den Namen…

1941 beschloss der Walliser Staatsrat, dass künftig nur ein Walliser Wein guter Provenienz, gekeltert aus reinem Pinot noir oder aus einer Mischung von Pinot noir und Gamay (wobei der als edler geltende Pinot dominieren musste) den Namen Dôle tragen dürfe.
Einzige bedeutende Ausnahme war und ist der Waadtländer Dôle d’Epesses der Familie Blondel-Duboux in Cully, die 1958 vor Bundesgericht das Recht erstritt, ihre seit 1880 unter diesem Namen produzierte Assemblage aus Pinot noir und Gamay weiterhin Dôle nennen zu dürfen. Sehr zum Missfallen der Walliser natürlich.

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… und die Zusammensetzung

Seit 2004 galt im Wallis gesetzlich folgende Rezeptur: Der Dôle ist ein Walliser AOC-Wein aus reinem Pinot noir oder einer Mischung roter Sorten, wobei 85 Prozent aus Pinot und Gamay bestehen und der Pinot überwiegen muss. Die meisten Produzenten mischten dem erfolgreichen Duo Pinot-Gamay nur wenige Prozent anderer Sorten zu, etwa einen Hauch Ancellotta oder Diolinoir, um dem Dôle mehr Farbe zu verleihen.
Serie von alten Werbeplakaten für den Walliser Dôle.
Serie von alten Werbeplakaten für den Walliser Dôle.Mediathek Wallis Sitten
Serie von alten Werbeplakaten für den Walliser Dôle.
Serie von alten Werbeplakaten für den Walliser Dôle.Mediathek Wallis Sitten
Keinesfalls wollten Puristen den traditionsreichen Dôle verfälschen. Er sollte bleiben, was er immer war: ein süffiger, charmanter, fruchtbetonter Wein mit saftiger Säure, den man zu fast allem geniessen kann, zum Walliser Trockenfleisch und Alpkäse, zu Alltagsgerichten, zu Pizza oder Pasta, zum fröhlichen Picknick, zur sommerlichen Grillade.

Wein der Geselligkeit

Galt er früher als Sonntagswein, wurde er mit der Zeit zum Wein für alle Tage. Denn zu besonderen Gelegenheiten öffnete man plötzlich lieber eine der hochgelobten Spezialitäten, etwa einen Syrah, einen Cornalin oder eine nach Bordelaiser Vorbild komponierte Cuvée.

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Und so verlor die älteste Assemblage des Wallis, der Dôle, zunehmend an Renommee. Junge Weinliebhaber wandten sich von ihm ab, hielten ihn für altväterisch. Der Walliser Staatsrat überarbeitete auf Betreiben des Branchenverbands Walliser Weine die Rezeptur des Dôle. Seit August 2021 muss der Dôle nur noch zu 51 Prozent aus Pinot noir und Gamay bestehen, bei den restlichen 49 Prozent sind die Winzer frei, nach Gutdünken andere im Wallis gewachsene rote AOC-Sorten beizufügen.

Plötzlich wieder im Trend?

Ob diese Individualisierung der Marke Dôle gut getan hat oder nicht, bleibe dahingestellt. Wie früher findet man unter der Bezeichnung bei den rund 140 Produzenten eine Vielfalt verschiedener Weinqualitäten. Wobei man bei renommierten Produzenten davon ausgehen darf, einen Dôle zu bekommen, der wirklich die Visitenkarte des Hauses ist. Zudem entspricht der traditionelle Weinstil des Dôle – leichtfüssig, mit eher wenig Alkohol und viel Frucht – auf einmal wieder dem Zeitgeist…
Übrigens gibt es den Dôle unter dem Namen Dôle blanche auch in einer Rosévariante. Die Zusammensetzung der Assemblage ist gleich wie beim roten Dôle, allerdings werden die Trauben nicht zusammen mit den Beerenhäuten vergoren, sondern vorher abgepresst. Aber das ist eine andere Geschichte.

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