Die Aussage eines US-Beizers aus Boston ist mittlerweile legendär. Er beschrieb am TV, was passierte, als die schottischen Fussballfans in die Stadt einzogen. «Die Schotten haben die Bar leergetrunken. Es gibt nur noch Bud Light.» Davon abgesehen, dass Schotten offenbar durstiger sind als andere Fans, ist symptomatisch, was sie verschmähten: amerikanisches Light-Bier.
Auch im Umfeld der Spiele ist es allgegenwärtig: Ob «Michelob Ultra» oder «Bud Light», geworben wird meist für leichtes, amerikanisches Lager. Was den europäischen Fans zu dünn ist – auch die Deutschen haben sich aktenkundig beschwert –, ist dort Kulturgut. Und eine überraschend alte Tradition.
Biere wie Bud Light sind nicht bloss Lagerbiere mit mehr Wasser. Sie werden auch anders gebraut als etwa ein Schweizer Lager. Zwar haben sie auch weniger Alkohol, doch darum geht es nicht. Sie sind vor allem hochvergoren mit wenig Körper, oder anders gesagt: furztrocken. Weder bringen sie den süsslichen Malzkörper eines Schweizer Lagers mit, noch schmeckt man den Hopfen. Die Biere sind vor allem eines: süffige Durstlöscher.
Reis oder Mais machen das Bier reiner
Das hat auch mit den Zutaten zu tun. Denn nebst Gerste steckt im US-Lager meist Reis oder Mais. Der Grund dafür sind nicht etwa Sparmassnahmen, denn diese Rohstoffe kamen in den USA schon zum Einsatz, als sie noch mindestens so teuer waren wie Braugerste. Vielmehr ist die ursprüngliche, amerikanische Gerste schuld: Sie enthält mehr Eiweiss, weshalb die Biere voller und weniger klar geworden wären, hätte man sie gleich gebraut wie in Europa.
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Doch Ende des 19. Jahrhunderts, als Marken wie Budweiser entstanden, waren klare, reine Biere gefragt. Und so reduzierte der Einsatz von Reis und Mais nicht nur den Eiweissanteil, sondern er führte nebenbei zum schlanken Geschmack. Man spricht gelegentlich von «Adjunct Lager», weil nebst Gerste auch andere «Zusätze» eingesetzt werden.
Der Fitness-Trend gab den Push
Dass dieses Bier eine Spätfolge der Prohibition sei, stimmt daher nur halb. Existiert hat leichtes Lagerbier schon vor dem Alkoholverbot der 1920er-Jahre. Doch nach der abstinenten Zeit passten die schlanken Biere wohl gut zu den Gewohnheiten der Entwöhnten. Und spätestens der Fitnessboom der 70er-Jahre verstärkte den Trend zur Leichtigkeit, der mit passenden Marken zunehmend perfektioniert und beworben wurde.
Auch in der Schweiz gab es immer wieder Versuche, die leichten US-Biere zu imitieren. Der vermutlich nachhaltigste ist «Glatsch» von Calanda, das nicht nur mit wenig Hopfen auskommen muss, sondern auch eher schlank und trocken daherkommt.
Die amerikanischen Lites zeigen aber vor allem, wie viel Bier mit Gewöhnung zu tun hat. Was Schweizerinnen zu trocken und Deutschen zu mild ist, ist für Amerikaner einfach perfekt gegen den Durst für den heissen Sommer und lange Barbecue-Abende. Wie Wasser, einfach mit ganz leicht mehr Geschmack.
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Das Bud Light von Anheuser-Busch.zVg
Das Bud Light von Anheuser-Busch.zVg
Typisch: American Lager
Beworben wird Bud Light mit «easy to drink», und in den USA ist es eines der meistgetrunkenen Biere. Als eines von wenigen US-Lights ist es auch in der Schweiz erhältlich. Fazit: helle Farbe, feine Kohlensäure, kaum Bittere und trockener Abgang. Ein Bier, das vor allem eines will: schnell wieder verschwinden. Bud Light, Brauerei Anheuser-Busch, USA. Lagerbier mit Gerste und Reis. 4,2% vol. Alk. Ca. 3.50 Fr. für 3,5 dl.
In dieser Kolumne schreiben HZ-Redaktor Michael Heim, HZ-Redaktorin Olivia Ruffiner und Autorin Tina Fischer alternierend über Bier, Wein und Drinks. Heim ist an einer Vereinsbrauerei beteiligt.