Abo
Apero

Bitte ein Bier mit Stil

Nein, es ist nicht egal, woraus Bier getrunken wird. Oder trinken Sie Ihren Wein direkt aus der Flasche? Eben. Unsere Kolumne zum Apero.

Michael Heim Handelszeitung

SCHWEIZ BIER BFM
Mit der Nase im Glas schmeckt's gleich viel besser (wenn das Bier gut ist):Β Jerome Rebetez, Brauer der Brasserie des Franches Montagnes (BFM). Keystone

Werbung

In welchem Glas offerieren Sie Ihren GΓ€sten ein Bier? Wenn wir Sie mit dieser Frage auf dem falschen Fuss erwischt haben, dann denken Sie mal ΓΌber Ihre Antwort auf die entsprechende Frage nach einem Weinglas nach. Β«Das kommt auf den Wein anΒ», wΓ€re da ihre Antwort. Und beim Bier?

Gibt es schon beim Wein eine grosse Auswahl an GlΓ€sern, so ist die Vielfalt beim Bier noch viel grΓΆsser. Einmal kommt die Stange als Tulpe mit Stil, einmal ohne. Lagerbier gibts mal im Becher, mal im Henkelglas oder selten noch im runden Ruugeli. KΓΆlsch trinkt man aus einem Quasi-Reagenzglas – und die Briten lieben breite Becher mit einer Auskragung. Oder braucht es am Ende gar kein Glas, weil Bier aus der Flasche doch eh am besten schmeckt?

Letzteres ist schnell beantwortet. Nichts gegen ein spontanes Wegbier aus der Flasche. Aber an einem Anlass mit Stil sollte man gutes Bier stets im Glas offerieren (und anderes lieber gar nicht). Denn wie beim Wein geniesst man auch Bier zu einem grossen Teil mit der Nase, und die riecht nun mal schlecht in eine Flasche hinein. Blumige Hopfennoten oder bananige Weizenbieraromen kommen nur im Glas voll zur Geltung.

Β«Je aromatischer, schwerer und eleganter einΒ Bier, desto bauchiger sollte das Glas sein.Β»

Partner-Inhalte

FΓΌrs richtige Glas gibt es ein paar einfache Regeln: Ist KohlensΓ€ure wichtig, nimmt man eher schlanke Formen. Etwa bei einem Spezial/Pilsner oder bei Weizenbier. Je aromatischer, schwerer und eleganter ein Bier, desto bauchiger sollte hingegen das Glas sein. Ein belgisches Tripel oder ein Russian Imperial Stout machen sich am besten in einem Kelch. FΓΌr Degustationen wurde ein Standardglas entwickelt, das sich durchaus auch am Esstisch bewΓ€hrt: Es hat einen Stil, damit das Bier in der Hand nicht warm wird, und einen bauchigen Kelch, der sich nach oben etwas verjΓΌngt.
Schliesslich noch eine Praktikerregel: Je mehr Sie im Garten festen, desto eher empfehlen sich dickere GlΓ€ser. Nicht nur sorgen sie dafΓΌr, dass Sie am Morgen danach weniger Scherben zu entsorgen haben. Das Bier bleibt in solchen GlΓ€sern auch lΓ€nger kΓΌhl. Die tΓΆnernen KrΓΌge in bayerischen BiergΓ€rten sind das ideale Vorbild (auch wenn dort das Bier wohl nur selten Zeit hat, warm zu werden).
ZurΓΌck zur Frage am Anfang. Wenn gleich Ihre GΓ€ste auftauchen und Sie keine Zeit mehr fΓΌr den Gang zum Fachhandel haben, greifen Sie doch einfach mal zu Bordeaux-GlΓ€sern. Sie werden sehen: Das Bier sieht darin nicht nur gut aus, es wird auch gut schmecken.

Werbung

Bierglas Teku
zVg
Bierglas Teku
zVg

Typisch: Das Degu-Glas

Vor gut zehn Jahren lancierte der GlΓ€serfabrikant Rastal das Modell Teku – speziell fΓΌr Bierdegustationen. Es bietet dem Bier genΓΌgend Raum, sich zu entfalten, und lΓ€sst es gleichzeitig gut aussehen. Mittlerweile hat es sich auch in gepflegten Bars oder Restaurants etabliert, die etwas spezielleren Biere in solchen GlΓ€sern auszuschenken, da sie so besser zur Geltung kommen als in einer normalen Stange. Zwar gibt es mittlerweile unterschiedliche Modelle fΓΌr die verschiedensten Biersorten. Aber ΓΌbertreiben muss man es zu Hause ja dann doch auch nicht.

Rastal Degustationskelch Teku. 0,43 Liter Fassungsvolumen. Circa 5 Franken.

Kolumne Apero

In dieser Kolumne schreiben der Β«HandelszeitungΒ»-Redaktor Michael Heim und Autor Ben MΓΌller alternierend einmal im Monat ΓΌber Bier und Wein. Heim selbst ist an einer Vereinsbrauerei beteiligt.
Über die Autoren

Werbung