Es war einer dieser Zürcher Tage, an denen man spürt, dass der Winter nun endlich zu Ende geht. Das Licht ist anders, die Luft wirkt leichter – fröhliche Menschen, wohin man blickt. Der erste richtige Frühlingstag hält sich selten an den Kalender, er ist ein Gefühl. Genau in diese Stimmung fiel der diesjährige Wine-Battle: Schweizer gegen deutsche Weine, das Ganze bei einem Lunch im Restaurant Orsini im Hotel Mandarin Oriental Savoy, Zürich. Ein Mittagsmenü ist für Pairings härter als ein Abendessen: Der Gaumen der Juroren ist wacher, die Konzentration höher und die Geduld für Umwege vielleicht kleiner. Die ausgesuchten Weine werden mutmasslich schneller bewertet. Ein Punkt, dessen sich die Jury bewusst war. Nach dem letztjährigen Weinduell zwischen Schweizer und italienischen Weinen im Restaurant Saltz im «Dolder Grand» zog die Verkosterrunde in diesem Jahr ins «Orsini». Diese Wahl war nicht zufällig, sondern logisch: Die italienische Küche ist eine perfekte Basis, um Weine zu kombinieren, weil sie klar und anspruchsvoll zugleich ist. Sie belohnt Weine, die über Struktur und Präzision funktionieren, und entlarvt jene, die nur Wirkung suchen. Das Team im «Orsini» um Oleksandr Samara lieferte an diesem Mittag eine Leistung, die dem Format gerecht wurde: präzise im Timing, sauber in der Ausführung, mit perfekten Aromen auf den Tellern. Den Michelin-Stern hat man sich hier nicht ohne Grund verdient.
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Sechs Gänge, 41 Weine
In diesem Duell geht es nicht darum, welcher Wein besser ist, sondern welcher besser zum Gericht passt. Verkostet wurden zu sechs Gängen insgesamt 41 Weine. Die Selektion kam von zwei renommierten Händlern (Boucherville und Baur au Lac Vins) sowie von zwei jungen Winzern vom Weinberg Schlipf (Weingut Riehen und Weingut Schneider). Ergänzt wurde das Line-up von Matteo Cino – ausgezeichnet als bester Sommelier Italiens 2026 –, der aus dem Fundus des Hauses zusätzliche Akzente ins Pairing setzte. Die Qualität der Weine war durchdie Bank auf Champions-League-Niveau. Trotzdem zählte nur die Antwort auf diese Frage: Passt der Wein zum Gericht?
In der Jury sassen Marc Almert (Geschäftsführer von Baur au Lac Vins und Gewinner des «ASI Best Sommelier of the World 2019»), Matteo Cino (Head Sommelier des «Mandarin Oriental Savoy»), Matthieu Zimmermann (Geschäftsführer Boucherville und ehemaliger Topsommelier), Christoph Schneider (Weingut Schneider), Silas Weiss (Weingut Riehen) sowie die Weinexperten Wernie Baumeler und Christina Elvedi aus der Redaktion des «Millionärs». Organisiert wurde das Ganze von Weinautor und Weineventmanager Peter Jauch. Die Händler und Winzer haben in diesem Format mehrere Hüte auf: Zuerst wählen sie die Weine aus und bewerten später die Kombination mit dem Essen.
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Silas Weiss unterstrich vor dem Event, weshalb Blindverkostung selbst für Profis eine Herausforderung ist: «Die Jury wird entscheiden, wer gewinnt. Dabei bin ich sehr gespannt, wie die Weine vom Schlipf von Christoph und mir insgesamt abschneiden werden. Weine vom Schlipf (Region Weil am Rhein in Deutschland und Riehen in der Schweiz) vertreten beide Länder. Essen in Kombination mit Weinen zu bewerten, ist die höchste Kunst des Geschmackverstehens.»
Auch Mathieu Zimmermann war vor dem Event gespannt: «Ich erwarte einen Battle auf höchstem Niveau, mit einem kleinen Vorteil für die deutschen Weine. Dazu bin ich sehr gespannt, wie sich unsere Weine mit den Gerichten verhalten.» Bei jeder Punkteverkostung entscheidet nicht nur die Auswahl, sondern auch die Kontrolle der Bedingungen. Im «Orsini» übernahm diese Funktion der Restaurantmanager höchstpersönlich, Oleksandr «Sascha» Samara. Er hatte alle Weine vorab auf mögliche Fehler geprüft – Kork, Oxidation, zu starke Reduktion, flüchtige Noten – und damit jene Grundlage gelegt, die in solchen Formaten oft unterschätzt wird: Vergleichbarkeit. Erst wenn die Flaschen «sauber» sind, sagt ein Ranking tatsächlich etwas über Pairing-Logik.
Bewertet wird nicht Qualität, sondern obs zum Essen passt
Die Regel klingt simpel und ist doch anspruchsvoll: Je höher die Punkte, desto besser die Paarung. So kann auch ein grosser Wein verlieren, wenn er in der Kombination zu dominant ist. Ein kleiner Wein kann gewinnen, wenn er Textur ordnet oder die Säure dorthin lenkt, wo das Gericht sie braucht. Die Resultate sind dadurch oft überraschend – und gerade deshalb aufschlussreich. Während des Lunchs wurden Weine im Preisspektrum von 25 bis 100 Franken getestet. Am Ende der Verkostung und Auszählung der Bewertungspunkte stand der Sieger fest: Unsere Nachbarn aus dem grossen Kanton im Norden kamen auf insgesamt 668 Punkte, die Schweiz auf 607 Punkte. In diesem Format bedeutet das: Die deutschen Weine trafen im Schnitt etwas häufiger die Achse, die dieses Menü belohnte – Struktur, Spannung, Umami-Tauglichkeit und im Dessert die Fähigkeit, Süsse präzise zu führen. Gleichzeitig hatte die Schweiz ihre stärksten Momente dort, wo die italienische Küche besonders heikel ist: beim Pino zum Scampo, beim Rosé zum Risotto, beim Blauburgunder zur Wachtel. Und der geteilte Sieg bei der Meerbarbe ist die schönste Pointe: Die Weine beider Länder standen hier auf dem gleichen, sehr hohen Niveau.
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Nach dem Essen, wenn die Punkte vergeben und die Teller weg sind, zeigt sich oft, was das Format wirklich kann. Die Teilnehmer waren zu Beginn in Anbetracht der vielen Weine skeptisch, ob sie die Kombinationen perfekt herausarbeiten können. Die vorderen Plätze waren dann aber jeweils kein Problem. Christoph Schneider brachte beide Länder in die richtige Perspektive: «Die Weine aus beiden Ländern sind sehr vielseitig, teilweise auch sehr wild. Man hat gemerkt, dass die Regionen geschmacklich näher beieinanderliegen, als man denkt, und Deutschland ist sicher nicht nur Riesling.»
Punktesystem
Die Punktzahlen resultierten aus dem umgekehrten Ranking der Verkostenden: Der jeweilige Siegerwein erhielt vier Punkte, der Viertplatzierte einen Punkt. Bewertet wurde das Food-Pairing, nicht die Weine in ihrer Grundstruktur – alle eingesetzten Weine waren von herausragender Qualität. Die verkosteten Weine wurden eigens für den Event ins «Orsini» gebracht.
Wernie Baumeler, ein passionierter Weinliebhaber, formulierte als ehrliches Resümee: «Die Weine und das Essen haben in meinem Gaumen Aromaexplosionen ausgelöst. Bisher kannte ich deutschen Wein kaum, finde aber die heutige Vielfalt Anlass genug, um den einen oder anderen Winzer mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Nach dem letzten Wine-Battle sind einige Flaschen des Chamaray Cornalin 2018 direkt in meinen Weinkeller gekommen. Bin gespannt, was es dieses Jahr wird.»
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Weinliebhaberin Christina Elvedi entdeckte für sich einige neue Weine: «Ich fand das Pairing superspannend, auch wenn Weine, die ich zu Beginn bei der Verkostung ohne Essen favorisiert hatte, in der Kombination mit dem Essen teilweise abfielen.»
«Orsini»-Sommelier Matteo Cino ordnete den Tag als eine Art Weiterbildung ein: «Die Schweizer Weine sind für mich noch eher neu, aber ich war superbeeindruckt und werde beim nächsten Wein-Pairing im Restaurant sicherlich Schweizer Weine integrieren.»
Erlesene Kombinationen: Das Sechsgangmenü mit den jeweiligen Top-3-Weinen
Gang 1: Scampo, salziger Marsala-Sabayon, Safran
Anne Gabriel-Juergens für Millionär Magazin
Anne Gabriel-Juergens für Millionär Magazin
1. Weingut Riehen, Le Petit Pinot Blanc 2020 (CH) – 38 Punkte
2. Weingut Gunderloch, Sekt Blanc de Noir, brut nature, 2020 (DE) – 35 Punkte
3. Weingut Schneider, Le Blanc «vom Kalkstein» 2022 (DE) – 33 Punkte
Gang 2: Risotto mit Himbeeren, Salbei, Kräutercreme
Anne Gabriel-Juergens für Millionär Magazin
Anne Gabriel-Juergens für Millionär Magazin
1. Charles Rolaz, Ligne Prestige Brut Rosé (CH) – 46 Punkte
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2. Karthäuserhof, Brut (DE) – 39 Punkte
3. Philipp Wittmann, Kirchspiel Riesling GG 2021 (DE) – 31 Punkte
Gang 3: Spaghetti, Sepiaschmalz, Colatura di alici
Anne Gabriel-Juergens für Millionär Magazin
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1. Rudolf Fürst, Chardonnay Bürgstadter Berg, erste Lage, 2023 (DE) – 41 Punkte
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