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Digital Shapers 2026

Mentors

Sie tragen ihre Digital-Erfahrung weiter als Berater, Fortbilder, VC oder Evangelist.

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Digital Shapers: Mentors. KI-Illustration: Tessy Ruppert

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Die Digital Shapers treiben mit ihren Ideen und Projekten die digitale Transformation in der Schweiz voran. In zehn Kategorien werden die Vordenkerinnen und Vordenker aus Wirtschaft, Technologie, Wissenschaft und Gesellschaft vorgestellt. Sie stehen für Innovationskraft, unternehmerischen Mut und den Willen, mit digitalen Lösungen echten Mehrwert zu schaffen. So wird sichtbar, wer die digitale Zukunft der Schweiz aktiv gestaltet und prägt.

ANDREEA CRETU, 35

Leiterin Biomed Entrepreneurship & Innovation, Universität Zürich
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Sergio Pavel
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Sergio Pavel
Andreea Cretu verkörpert eine neue Spezies in der Wissenschaftswelt: die internationale «Connectorin», die Spitzenforschung nicht neu erfindet, sondern ihr den Weg zum Geschäft ebnet. Vor zehn Jahren kam die gebürtige Rumänin für ihr Doktorat in Neurowissenschaften an die ETH Zürich; heute leitet sie das BioMed Entrepreneurship & Innovation Program am Institute for Regenerative Medicine (IREM) der Universität Zürich. In dieser Funktion agiert sie als zentrale Schnittstelle für Forschende, die den riskanten Sprung aus der akademischen Isolation in die Dynamik des Marktes wagen. Sie versteht sich dabei primär als strategische Dolmetscherin. In einer Welt, in der brillante Entdeckungen oft in Files verschwinden, hilft sie Wissenschaftlern, Erkenntnisse in unternehmerisches Handeln zu übersetzen. Viele Forschende hätten zwar starke Ideen, trauten sich aber anfangs kaum, diese zu teilen. Cretu gibt ihnen das nötige Rüstzeug, um vor Investoren zu bestehen – nicht durch lautes Marketing, sondern durch fundierte Vorbereitung und das Überwinden der eigenen Schüchternheit. Es sei immer wieder faszinierend zu sehen, wie Forscher ihre Zurückhaltung ablegten, sagt sie. Die Debatte um Digitalisierung und KI sieht sie sehr pragmatisch. Während «Revolutionen» in der Tech-Branche Alltag sind, sieht sie in den neuen Technologien ein Instrument, um die Hardcore-Wissenschaft der Biologie noch besser zur Entfaltung zu bringen. Bei 30 Prozent der von ihr betreuten Projekten sei inzwischen Machine Learning im Spiel.
Gleichzeitig beobachtet Cretu bei den Forschenden eine gesunde Skepsis gegenüber Modewörtern: Viele Forschende nutzten komplexe Algorithmen zwar intensiv, scheuten sich aber, das glitzernde KI-Label allzu ostentativ auf ihre Arbeit zu kleben, sagt sie. Für sie ist Digitalisierung kein Selbstzweck, sondern ein Beschleuniger, damit die Gründer ihre Hausaufgaben effizienter erledigen können. Tools wie ChatGPT oder Gemini sieht sie als effiziente Assistenten, um Marktanalysen zu beschleunigen oder Patientenpfade schneller zu erschliessen. Das spare wertvolle Zeit auf der Strecke zum Patienten, ersetze aber niemals die wissenschaftliche Tiefe des Kernprojekts, sagt sie. Ein besonderes Augenmerk legt sie auf die Belastbarkeit der Erkenntnisse. In einem Fellowship-Programm entwickelte sie die Vision für die Nutzung von KI im Gesundheitswesen. Die strikte europäische Regulierung sei dabei kein Bremsklotz, sondern im Gegenteil ein Plus: Vertrauen in die Sicherheit der Daten ist für sie die Grundvoraussetzung für den Markterfolg. Ihr Werdegang hat Cretu von ihrer rumänischen Heimat über Spanien und die Niederlande tief in den Schweizer Innovationsstandort geführt. Heute spricht sie vier Sprachen und lebt mit ihrer Familie in Eglisau. Sie fühle sich hier zu Hause, ihre Tochter spreche bereits fliessend Schweizerdeutsch.

HERMANN ARNOLD, 50

Unternehmer, Zürich
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PR
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Hermann Arnold lässt sich nicht in eine Schublade stecken – er baut lieber die ganze Kommode um. Ob als Mentor für junge Start-ups, als eine treibende Kraft hinter Hackathons (42hacks) oder als digitaler Kompass in Stiftungsräten: Der versierte KI-Investor ist der strategische Brückenbauer zwischen visionärer Technologie und gesellschaftlicher Verantwortung. Für ihn ist KI weit mehr als ein Effizienztool. Die wahre «Schönheit» liegt für ihn in Oberflächen, die Prozesse nicht nur beschleunigen, sondern komplett neu denken. Arnold ist ein Verfechter des intensiven Ausprobierens: «Ein mutiges Experiment liefert in 42 Stunden mehr Erkenntnisse als ein perfekter Plan in 42 Wochen», ist er überzeugt. Ob es um die Klimakrise oder die Zukunft der Demokratie geht – Hermann Arnold investiert nicht nur Kapital, sondern die unbequeme Erkenntnis, dass der Mensch im Zeitalter der Algorithmen seine Rolle neu finden muss: weg vom reinen Arbeitstier, hin zum Zufallsgenerator und Sinnstifter einer radikal vernetzten Welt.

Weitere neun Kategorien

SUNNIE GROENEVELD, 37

Managing Partner Inspire 925, Zürich
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David Biedert
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David Biedert
Wenn Sunnie Groeneveld über digitale Transformation spricht, klingt das anders als bei den meisten Tech-Evangelisten. Die Yale-Ökonomin hat früh verstanden, dass der Erfolg der Digitalisierung nicht von Algorithmen abhängt, sondern von den Menschen, die sie nutzen. Diese Überzeugung prägt ihre Arbeit als Managing Partner von Inspire 925, wo sie Unternehmen zur Future of Work und zu organisationaler Transformation berät. Ihr Lebenslauf liest sich wie eine Blaupause der Schweizer Digitalwirtschaft: Groeneveld war die Geschäftsführerin von Digitalswitzerland, der grössten industrieübergreifenden Initiative zur digitalen Transformation des Landes. Heute leitet sie den Executive MBA Digital Leadership an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) und sitzt in fünf Verwaltungsräten – von Jung von Matt Schweiz bis Sympany. Die Seriengründerin ist eine gefragte Keynote-Speakerin und Moderatorin und schrieb mit «Inspired at Work» ein Standardwerk zum Change Management. Mit Projekten wie Lunch-Lottery.com, einer Plattform für zufällige Lunch-Begegnungen, zeigt Groeneveld ihren Ansatz: Technologie soll verbinden, nicht ersetzen. In einer Zeit, da KI die Arbeitswelt umkrempelt, bleibt ihre Botschaft aktuell: Digitale Transformation ist vor allem eine menschliche Aufgabe.

Partner-Inhalte

AMIT JOSHI, 51

Professor IMD Business School, Lausanne
European Economic Congress In Poland
Dukas
European Economic Congress In Poland
Dukas
Jene, welche die Zukunft der globalen Wertschöpfung verstehen wollen, landen früher oder später in Lausanne bei Amit Joshi. Der Professor für KI, Analytics und Marketing an der Schweizer Kaderschule IMD ist weit mehr als ein akademischer Beobachter und Berater; er sieht sich als strategischen «Translater», der der pragmatischen Konzernwelt die Sphären von Agentic AI und Multimodal Large Language Models näherbringt. Joshi agiert als intellektuelle und weltweit anerkannte Schnittstelle für eine Elite von Führungskräften, die vor der Herausforderung stehen, Gestalter anstatt Opfer der technologischen Disruption zu werden. Sein Werdegang ist dabei so global wie die Systeme, die er analysiert: Aufgewachsen in Indien, verbrachte er 17 prägende Jahre in den USA, wo er an der University of California promovierte. Heute ist der US-Staatsbürger tief in der Westschweiz verwurzelt, spricht Französisch und steuert die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Amit Joshis Moment der Klarheit datiert auf das Jahr 2018. Kurz nach seinem Wechsel ans IMD erkannte er, dass KI das Stadium der blossen Kuriosität verlassen hatte und auf dem Weg war, in die operative DNA der Weltwirtschaft überzugehen. Heute sieht er Wirtschaft und Gesellschaft in der kritischen «Mitte der Erzählung» und warnt davor, die technologische Souveränität Europas leichtfertig aufzugeben. Die Abhängigkeit vom «American Stack» – der Dominanz von US-Software- und -Hardware-Ökosystemen – sei angesichts der neuen geopolitischen Realitäten ein strategisches Risiko, sagt er. Seine Expertise macht ihn zum gefragten AI-Akteur auf höchster Ebene; so prägte er 2024 die KI-Agenda des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und berät aktuell den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) bei der Gestaltung regulatorischer Leitplanken.
Joshi ist kein blinder Technikfan, aber optimistisch, dass die neuen Technologien viele positive Seiten für Wirtschaft, Gesellschaft und Regierungen bereithält – «vorausgesetzt, wir setzen sie richtig ein und haben die passenden Regulierungen». Denn wenn man diese Technologie sich selbst überlasse, «dann könnte sie eine verrückte Eigendynamik entwickeln». Wenn man ihn fragt, wie er die Stimmung in der Wissenschaftsgemeinde einschätze, dann sagt er, die Balance neige sich leicht zugunsten der Optimisten. Ohne strikte Gouvernance könnten die massiven potenziellen Negativeffekte der KI die Vorteile schnell überwiegen. Während Institutionen wie die EPFL die wissenschaftliche Basisarbeit leisten, sieht Joshi das IMD als globalen Vorreiter in der praktischen Implementierung von «Thought Leadership». Sein Blick ist dabei bereits auf die nächste Welle gerichtet: den Einfluss humanoider Roboter auf Organisationen und den privaten Alltag. In seinem aktuellen Forschungsprojekt analysiert er die Fortschritte, um die nächste Phase der Automatisierung greifbar zu machen. Für Joshi ist die Schweiz dabei der ideale Standort – ein Ort, an dem die Technologien zwar nicht so sehr erfunden werden, der aber die Offenheit und die Kompetenzen hat, darüber nachzudenken, wie sie verantwortungsvoll implementiert werden.

PASCAL MATHIS, 45

Partner & Mitgründer Founderful, Zürich
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Daniel Kunz
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Daniel Kunz
Pascal Mathis liebt das Risiko. In seiner Freizeit fliegt er Gleitschirm, klettert oder surft. Beruflich vergibt er Risikokapital. 2016 gründete der heute 45-Jährige mit zwei Partnern die Venture-Capital-Firma Founderful in Zürich. Sie investiert ausschliesslich in die erste Finanzierungsrunde von Schweizer Tech-Start-ups. «Jährlich suchen wir unter Hunderten zehn aus und investieren als erster Investor überhaupt», sagt Mathis. Es sei riskant, an diesem Punkt eine Million zu geben. «Dafür braucht es eine gute Portion Mut und Selbstvertrauen», betont Mathis. Für die Fokussierung auf den kleinen Schweizer Markt sei man anfangs belächelt worden. «Doch wir glauben daran, weil es hier super Talente und Technologien gibt.» Mathis studierte Elektrotechnik an der ETH und gründete 2009 mit vier Kollegen das Reise-Tech-Unternehmen GetYourGuide. Mit einer Bewertung von über einer Milliarde Franken war es das erste ETH-Spin-off, das den Unicorn-Status erreichte. Heute sieht Mathis seine Aufgabe darin, hiesige Technologien gross zu machen, damit die Schweiz profitieren kann. «Wir müssen die Facebooks und Googles der Schweiz aufbauen.» Die Herausforderung dabei sei die verbreitete Risikoaversion. «Hierzulande denken viele nur an die Risiken und übersehen, welch tolle Start-ups es in der Schweiz gibt.»

MAX MEISTER, 48

Gründer Koyo Capital, Zürich
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Unternehmerisch tätig zu sein, wurde Max Meister quasi in die Wiege gelegt. So hatte der Grossvater mütterlicherseits einen Gipser- und Malerbetrieb. Doch Handwerk ist nicht seins. Stattdessen verschlug es den gebürtigen Berner nach dem Studium der Betriebswirtschaft in die Beratung. Und gewissermassen ist Meister noch immer Berater. Er sitzt in mehreren Verwaltungsräten und gründete 2023 den in Baar beheimateten Venture Fund Koyo Capital – mit einer gewissen Prise Idealismus: «Wir investieren bewusst in Technologien, die nicht nur wirtschaftliches Wachstum versprechen, sondern fundamental die Stabilität von Wirtschaft, Gesellschaft und Infrastruktur stärken.» Konkret in die drei Themenkreise Resilienz (Lieferketten- und Cybersicherheit, Web3), Exploration (Weltraumtechnik, Quantencomputing) und Robotik. Seine Erfahrungen teilt der Familienvater gerne mit Gleichgesinnten – und der Jugend. «Neben meiner Rolle als Investor ist mir der Wissens- und Erfahrungstransfer besonders wichtig», sagt Meister. Er ist Dozent für Entrepreneurship an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ). Und vor gut zwei Jahren gründete er mit Kollege Guy Giuffredi den Podcast «Burn Rate», «um analytisch und ehrlich über das Start-up- und VS-Ökosystem zu sprechen». Kein Wunder, sind seine Tage lang: Bei ihm klingelt der Wecker jeweils um 4 Uhr in der Früh.

MARC PETER, 52

Professor für Digitale Transformation HES-SO, Bern
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Raffi P.N. Falchi
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Raffi P.N. Falchi
Marc Peter, Professor für Digital Business an der Hochschule HES-SO School of Management in Siders, hat mit dem Digital Transformation Canvas ein Instrument entwickelt, das von vielen Schweizer Firmen und anderen Organisationen genutzt wird. Das Modell dient dazu, digitale Potenziale zu identifizieren und digitale Strategien auszuarbeiten. «Es geht nicht um lange theoretische Abhandlungen, sondern um praxisnahe Unterstützung von Firmen in der Schweiz», sagt Peter, der für die Entwicklung des Tools über 4000 Firmen befragt hat. Unternehmen wie Wincasa, Ruag oder Postfinance, aber auch Organisationen wie die Verwaltung des Kantons Aargau und die Stadt Luzern nutzen das Modell. Wichtiger Teil davon: Das Ganze funktioniert bottom-up. Die Mitarbeitenden erarbeiten in Workshops Vorschläge für das Management. Beim Thema künstliche Intelligenz setzt Peter auf klare Prioritäten. Seine Botschaft an Unternehmen: «Mit KI sollte man sich erst beschäftigen, wenn das eigene Datenmanagement wirklich steht.» Vor seiner akademischen Laufbahn machte er Karriere bei LexisNexis, deren Wandel vom klassischen Verlagshaus zum digitalen Datenanbieter er aktiv mitgestaltete.

ROMANO ROTH, 47

Global Chief of Cybernetic Transformation & Partner Zühlke Group, Zürich
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PR
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Romano Roth beschäftigt sich seit Beginn seiner Berufslaufbahn mit der Frage, wie Technologie sinnvoll eingesetzt werden kann. Ursprünglich als Tiefbauzeichner ausgebildet, entdeckte er früh seine Faszination für Computer und digitale Werkzeuge. An der damaligen HTL, heute Fachhochschule Nordwestschweiz, studierte er Technische Informatik und wechselte nach dem Studium zum IT-Dienstleister Zühlke. Dort entwickelte er sich über mehr als zwei Jahrzehnte vom Software Engineer über den Architekten und den strategisch fokussierten Consultant bis hin zum «Chief of Cybernetic Transformation». Im Zentrum seiner Arbeit stand dabei zunehmend das grosse Ganze: Wie arbeiten Menschen, Prozesse und Technologien zusammen? Aus dieser Perspektive fand Roth zu DevOps – einem Ansatz, der eine kontinuierliche und zuverlässige Bereitstellung von Ergebnissen entlang des Wertstroms ermöglicht.
DevOps zielt darauf ab, starre Silos aufzubrechen, Abläufe zu automatisieren und durch kontinuierliches Feedback schneller, stabiler und kundenorientierter zu arbeiten. Heute ist Roth Präsident der DevOpsDays Zurich, einer jährlich stattfindenden Konferenz, und Mitorganisator des DevOps Meetup in Zürich mit über 3000 Mitgliedern. Er unterrichtet an der Universität Luzern, betreibt einen YouTube-Kanal mit mehr als 400 Videos, veröffentlicht regelmässig Fachbeiträge und hat mit «The Cybernetic Enterprise» ein 800 Seiten starkes Fachbuch vorgelegt. Als Berater begleitet er Unternehmen auf C-Level bei digitaler, organisatorischer und KI-getriebener Transformation – mit der Überzeugung, dass nachhaltiger Fortschritt nur entsteht, wenn der Mensch Teil des Systems bleibt.

PHILIPP STAUFFER, 54

Mitgründer und Managing Partner FYRFLY Venture, San Francisco
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Bob McClenahan
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Bob McClenahan
Ein noch junges Seed-Investment von FYRFLY Venture Partners entwickelt sich sehr positiv: Philipp Stauffer, Schweizer VC mit Sitz in San Francisco, freut sich über den raschen Aufstieg des kalifornischen Start-ups Poetiq. «Es ist unglaublich, was das achtköpfige Team in weniger als einem Jahr erreichte!» Jüngst sicherte sich Poetiq in einer Finanzierungsrunde rund 46 Millionen Dollar für ein KI-Meta-System. FYRFLY investiert in der frühen Phase in Start-ups, die ihren Wettbewerbsvorteil durch Daten und technologische Kompetenz aufbauen. «Im Kern geht es jeweils darum, Daten intelligenter nutzbar zu machen. Wir haben seit unserer Gründung im Jahr 2015 in KI investiert», sagt der Winterthurer. 40 Prozent der Investments fliessen in europäische Firmen, überwiegend in die Schweiz, 60 Prozent sind in den USA angesiedelt. Schweizer Gründer profitieren vom Netzwerk von FYRFLY in Nordamerika und umgekehrt. Zum Portfolio gehört die Zürcher Unique, die generative KI für das Management von Kundenbeziehungen anbietet und Pictet zu ihren Kunden zählt. Das kleinere Start-up Kadoa bereitet öffentlich zugängliche, unstrukturierte Daten auf. Bei der Auswahl der Firmen kommt es Stauffer nicht nur auf ein überzeugendes Geschäftsmodell an: «Entscheidend sind zwei Dinge: Gründerinnen und Gründer mit einer klaren Vorstellung von zukünftigen Entwicklungen – und die Bereitschaft, offen für externe Impulse zu bleiben.»

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STEFAN STEINER, 42

Co-Managing-Director Venturelab, Zürich
Venturelab
Roger Hofstetter
Venturelab
Roger Hofstetter
Stefan Steiner ist seit Jahrzehnten Teil der Schweizer Start-up-DNA. Bereits mit 15 Jahren gründete er aus Langeweile im Schulzimmer sein erstes Internetunternehmen. Er begann zu programmieren, baute eine Website für seine Schule und entwickelte rasch ein Gespür für digitale Geschäftsmodelle. Bald erstellte er Webseiten für KMUs. Auf Wunsch seiner Eltern absolvierte er parallel eine Banklehre bei der Credit Suisse. Tagsüber arbeitete er für die Bank, nachts für Kundenprojekte. Früh baute er Entwicklerteams in Osteuropa auf und lernte Unternehmertum ohne Sicherheitsnetz – im «Wilden Westen» des Internets. Bei der Credit Suisse organisierte Steiner Events für sehr vermögende Kunden, stiess jedoch an formale Grenzen. Er holte das Studium nach und kam währenddessen mit der Start-up-Investorenszene in Kontakt, unter anderem mit Redalpine, wo er als erster Mitarbeiter in Europa in ICT- und Life-Sciences-Start-ups investieren durfte. Ein prägender Abschnitt führte ihn ins Silicon Valley, «mit wertvollen Beziehungen, aber auch Rückschlägen», wie er sagt.
Heute engagiert sich Steiner bei Venturelab für Gründerinnen und Gründer. Die Organisation begleitet Start-ups neutral, ohne Anteile zu nehmen, und unterstützt sie über den gesamten Lebenszyklus. Das Venturelab-Team war unter anderem an der frühen Förderung von Climeworks, GetYourGuide, Scandit, MindMaze, Anybotics oder Sophia Genetics beteiligt. Venturelab hat über 100’000 Unternehmer begleitet. Die von Venturelab unterstützten Start-ups haben 25’000 Jobs geschaffen und 15 Milliarden Franken Kapital mobilisiert. Steiners Antrieb ist persönlich: «Damals gab es kaum Support. Heute will ich etwas zurückgeben.» Was er seinen zwei Kindern einmal beruflich raten wird? «Das zu tun, woran sie Spass haben, denn nur so hat man Erfolg.»
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