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Lindt-Chef

So ist Ernst Tanner vernetzt

Er war der erste ­prominente Schweizer Grossinvestor bei René Benko. Egal wie das Drama um Signa ausgeht: Für den ­Lindt-Chef hat sich der Deal gelohnt.

Marc Kowalsky

Urs Tanner sieht die Diversifikation ins Handelsgeschäft heute als Fehler.

Ernst Tanner sieht die Diversifikation ins Handelsgeschäft heute als Fehler.

Sebastian Magnani / 13 Photo

Sein Einstieg 2013 hatte Signalwirkung: Mit seinem Investment in das Immobilienreich von René Benko verlieh Lindt-Chef Ernst Tanner (77) dem schon damals umstrittenen österreichischen Unternehmer hierzulande die nötige Glaubwürdigkeit. «Ich habe bei Lindt ein akribisches Reporting eingeführt. Diesen hohen Anspruch habe ich auch bei Signa», sagte Tanner damals. Er konnte nicht ahnen, dass Benko im Lauf der Jahre ein komplett undurchsichtiges Beteiligungskonstrukt aufbauen sollte, bei dem nur noch er und Finanzchef Manuel Pirolt den Durchblick haben – wenn überhaupt. «Die Transparenz war gegeben, solange Signa nur im Immobilienbereich tätig war. Als Retail dazukam, hatte ich keine Transparenz mehr», sagt Tanner heute.

Die Diversifikation ins Handelsgeschäft (unter anderem die Globus-Kaufhäuser, Selfridges oder das KaDeWe) war für Tanner ein Fehler: «Ich glaube, dass Signa heute noch gut dastehen würde, wenn sich das Unternehmen auf Immobilien konzentriert hätte.» So aber braucht Signa Geld, viel Geld: Von einer halben Milliarde bis Jahresende ist die Rede, von zusätzlichen 400 bis 600 Millionen bis April und von weiteren Hunderten Millionen danach. Ob die Firma die nächsten Monate überlebt: höchst ungewiss.

Die Mitstreiter

Offiziell ist Ernst Tanner nur noch Executive Chairman bei Lindt, de facto bleibt er Alleinherrscher. Schliesslich ist er auch Vorsteher der Pensionskasse, die wiederum der grösste Aktionär von Lindt ist, er ist der grösste Privataktionär, und er präsidiert die Lindt Chocolate Competence Foundation, welche das Schokoladenmuseum am Hauptsitz in Kilchberg betreibt. Um das Tagesgeschäft bei Lindt kümmert sich, soweit ihn Tanner lässt, Adalbert Lechner, dessen Vorgänger Dieter Weisskopf sitzt inzwischen im VR. Dort amtet auch Luxusunternehmer Silvio Denz. Als erster und einziger globaler Markenbotschafter bleibt Roger Federer auch nach seinem Rücktritt für Lindt aktiv, mit ihm und seiner Frau Mirka haben die Tanners auch privat Umgang. Zum Freundeskreis gehören zudem Ex-Roche-Präsident Franz Humer und Unternehmer Philippe Gaydoul.

Über die Autoren
Marc Kowalsky
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