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Orderfox

Ernst und Derek Tanner: Geburtshelfer fรผr Unicorn

Vater und Sohn haben ein Einhorn aufgebaut. Sagen sie zumindest selber.

Marc Kowalsky

BIL 11/24 ST Derek Tanner Orderfox
Generationsรผbergreifend: Die Investoren Ernst Tanner und sein Sohn Derek (im Bild) stecken Schoggi-Geld in Start-ups. zvg

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Vor neun Jahren kaufte Ernst Tanner fรผr einen zweistelligen Millionenbetrag die Villa Windegg im Zรผrcher Seefeld, seither dient sie unter anderem als Sitz fรผr jene Start-ups, an denen der Lindt-Chef beteiligt ist. Eines davon, Orderfox, reklamiert fรผr sich nun den Unicorn-Status. Die Firma wurde 2019 von Richard Morscher gegrรผndet, ihm gehรถrt die Hรคlfte der Anteile, die andere Hรคlfte dem Family Office der Familie Tanner. Seit der Grรผndung haben die Aktionรคre 50โ€‰โ€‰Millionen Franken in die Firma investiert. Nun soll sie bereits eine Milliarde Franken wert sein. Das hat eine Bewertung durch die M&A-Beratung Trown Partners ergeben. Denn: ยซDas Marktpotenzial ist gewaltigยป, sagt Sohn Derek Tanner.
Bilanz 12/2020 Start Auftakt
Lindt-Chef Ernst Tanner ist an mehreren Start-ups beteiligt.Keystone
Bilanz 12/2020 Start Auftakt
Lindt-Chef Ernst Tanner ist an mehreren Start-ups beteiligt.Keystone
Orderfox begann in der metallverarbeitenden Branche, dort bringt sie Einkรคufer und Fertiger fรผr die CNC-Industrie zusammen. Der Start war harzig: Die alte Fรผhrungsmannschaft war von sehr viel stรคrkerem Wachstum ausgegangen und hatte รผberdimensionierte Bรผrorรคume extern angemietet. Anfang letzten Jahres passierte, was Derek Tanner eine ยซkomplette Neukonzipierung der Produkte und Strategie sowie dementsprechende Neuorientierung des Teamsยป nennt. Seither leitet Derek Tanner die Firma zusammen mit dem Grรผnder. Inzwischen ist man auch wieder zurรผck in der Villa Windegg.

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Seither hat man das Angebot unter dem Namen Partfox auf den Holz- und Kunststoffbereich ausgeweitet. Das Marktpotenzial, so Tanner, betrage weltweit 250'000 Unternehmen auf Fertiger- sowie mehrere Millionen Firmen auf Einkรคuferseite. Zudem wurde ein zweites Standbein aufgebaut: eine Datenbank รผber derzeit 300'000 Firmen mit je 100 Datenpunkten, die รผber einen KI-unterstรผtzten Chatbot abgefragt werden kann (ยซWer produziert Solarpanels in Shenzhen?ยป). Auch Trend- und Risikoanalysen lassen sich erstellen. Derzeit wird Gieni, so der Name, von der CNC-Industrie auf Automation, Robotik und Solar ausgebaut, am Schluss soll die Datenbank alle Fertigungsbranchen abdecken. Als Marktpotenzial geht Tanner von den Top-Entscheidungstrรคgern der zehn grรถssten Industrienationen (rund 220'000 Personen) sowie deren zweiter Fรผhrungsebene (mehrere Millionen Manager) aus und nimmt ein Prozent davon als Zielgruppe โ€“ ยซsehr konservativ berechnetยป, so Tanner. Nรคchstes Jahr soll Orderfox Cash-Flow-positiv sein und einen Umsatz zwischen 10 und 20 Millionen Franken erzielen, 2028 soll er bereits im dreistelligen Bereich liegen. Die Anzahl der Mitarbeiter (derzeit sind es 22) will Tanner in den nรคchsten sechs bis zwรถlf Monaten verdoppeln.

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Sofern sich die ehrgeizigen Projektionen realisieren, wรคre die Unicorn-Aussage einigermassen glaubwรผrdig. Nur mรผsste zu der Bewertung dann noch jemand Anteile kaufen. Das ist aber derzeit wenig wahrscheinlich, denn eine Kapitalrunde ist bis auf Weiteres nicht geplant. ยซWir sind gut finanziertยป, so Derek Tanner. Langfristig รผberlegen sich die Tanners jedoch, einen strategischen Investor mit an Bord zu holen, um das Wachstum technologisch oder geografisch zu beschleunigen.
รœber die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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