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Bilanz-Briefing

Crunch Time für die UBS und Streit um den Standort Schweiz

Die Themen der Woche: Ewiger UBS-Fight, Nestlés Ebene, Asshole-CEOs, 1. Mai-Kampf.

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Gegen 80 Prozent der UBS Aktien liegen in fremden Händen. Und hier ist der Unmut gross über über das extreme Vorgehen des Bundesrats. BILANZ

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In diesen Wochen werden sie wieder im Übermass gehalten: Präsidentenreden an Generalversammlungen. Dass man so wenig davon hört, ist gut so: Neuigkeitswert, Sprachfertigkeit und Unterhaltungskunst sind bestenfalls in Spurenelementen zu finden.
Manchmal lohnt es sich aber doch, genauer hinzuhören: «Unausweichlich» könnten «wichtige geschäftliche Entscheidungen bald werden», verkündete der UBS-Präsident Kelleher letzte Woche vor den Aktionären in Basel. Was er damit meinte, zeigen wir in der Titelstory unserer neuen Ausgabe. In der zähen Kapitaldebatte kommt eines viel zu kurz: Die Eigentümer der Bank sind längst Ausländer – gegen 80 Prozent der Aktien liegen in den fremden Händen der globalen Kapitalverschieber von Blackrock bis Vanguard. Und hier ist der Unmut gross: Sie sind massiv verärgert über das extreme Vorgehen des Bundesrats, das den Wert ihres Investments drückt. Ihre Optik ist unmissverständlich: Ein Wegzug nach New York würde massiven Aktionärswert freisetzen.
Keller-Sutters Bestätigung ihrer harten Kante vom Mittwoch, wenn auch nicht in Maximalversion, verstärkt den Konflikt da nur. Indem die anderen Bundesräte der Finanzministerin weitgehend folgen, betreiben sie das Gegenteil von Standortförderung. Zum Glück übernehmen jetzt die Parlamentarier. In der Wirtschaftskommission des Ständerats hat sich bereits das gesamte bürgerliche Lager mit Ettlin (Mitte), Salzmann (SVP) und selbst Burkart aus der KKS-Partei FDP gegen die Finanzministerin gestellt. Am 4. Mai geht die Debatte dort weiter. Der Bundesrat teilt aus mit Schaum vor dem Mund. Hoffen wir auf die Vernunft im Parlament. Crunch time für die UBS.

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Nestlé-Mühen

Ein anderer Präsident gab letzte Woche seinen Einstand im Generalversammlungs-Reigen, und standesgemäss läutete er seine erste Rede mit einem NZZ-Interview am Vortag ein. Auffällig bei den Ausführungen des neuen Nestlé-Präsidenten Pablo Isla: Wie oft er seinen CEO Philipp Navratil erwähnte. Der operative Chef habe «die Strategie vorgelegt», er fordere «eine stärkere Leistungskultur», er «verkörpere Unternehmensgeist zu hundert Prozent». Selten hat ein Präsident so von seinem CEO geschwärmt.
Vor dem einstigen Börsen-Highflyer steht ein Weg durch die Ebene, nicht einmal die 80-Franken-Marke kann die Aktie länger halten. Worte reichen da nicht, das weiss auch der Spanier. «Zentral ist, dass wir kontinuierlich Volumenwachstum liefern, Quartal für Quartal, Jahr für Jahr. Dann wird der Kurs folgen» betonte der Mann, der den Textilriesen Inditex mit seiner Leuchtturmmarke Zara zum Benchmark der Bekleidungs-Industrie gepusht hat. Gestern war da schon mal ein ordentlicher Tag: Die Zahlen vom ersten Quartal liessen den Sehnsuchtsparameter RIG (Real Internal Growth) um 1,2 Prozent steigen, wie Navratil zufrieden verkündete. Die grosse Fantasie ist weg. Aber man hat das Gefühl: Da wissen zwei Männer, was sie können und was sie wollen.

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A-Loch-Geschwurbel

Das war mal eine Boulevard-Zeile des Londoner Weltblatts: «CEO’s now have the permission to be the assholes they are» titelte die Financial Times über einen langen Artikel und zitierte eine Management-Beraterin mit der These, dass der Berserker im Weissen Haus auch den Umgang in den Chefetagen verroht habe. Von der C-Suite bis zum Chef eines Kleinwarenladen fühlten sich «viele Führungskräfte erleichtert, die Arschlöcher zu sein, die sie sind und immer waren.»
Hmm. Wenn wir uns die doch eher gesitteten Schweizer Chefetagen anschauen, sind wenig Anzeichen für einen Beweis dieser These zu finden. Namen wollen wir keine nennen, aber die wenige CEO, die sich schon immer als A-loch gerierten, tun das weiterhin, doch grossen Zuwachs haben sie gemäss unseren Feldstudien nicht erhalten. Gewiss, dass die Woke-ESG-Welle zu exzessiv war und abgeflaut ist, empfinden praktisch alle Chefs als Erleichterung. Aber sonst? Wirkt der erratische Trump eher abstossend wie in der Politik, wo sich mittlerweile alle Rechtsaussen-Politiker von Farage, Le Pen, Meloni bis zu Weidel offen von ihm distanzieren, um keine Wähler zu verlieren. Die A-Loch-These ist provokant. Sie stimmt nur nicht.

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Nächste Woche: Wonnemonat Mai

Der Tag der Arbeit liegt nächste Woche besonders arbeitnehmerfreundlich auf einem Freitag. Mit besonderem Interesse verfolgen wir dazu die Diskussionen in unserem wirtschaftlich zittrigen nördlichen Nachbarland, wo immer mehr Politiker tatsächlich eine Streichung des Feiertags zur Wirtschafssteigerung fordern. Bringt das was? Die Ökonomen kommen mit findigen Rechnungen und errechnen den Wert der täglichen Wirtschaftsleistung, indem sie das BIP durch die Anzahl der Werktage teilen und mitteilen, dass die Leistung um diesen Wert steigen würde bei einer Streichung des Feiertages.
Überzeugt uns das? Eher nicht. Wagen wir die These: Dass der Feiertag auf einen Freitag fällt, ist Arbeitnehmer-unfreundlich. Auch hier greifen wir zu empirischen Feldstudien, belegt durch den nie anzutreffenden Berufsstau am Freitag morgen und die folgende Leere in so vielen Grossraumbüros. Der Befund: Die Regel «Ab Freitag ab eins macht jeder seins» greift seit Corona am letzten Werktag der Woche deutlich früher. Hochproduktiv bleiben wir natürlich trotzdem. Geniessen wir den grossen Feiertagsmonat Mai.

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