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VW-Markenchef Diess: «Der Phaeton kehrt zurück»

Volkswagen-Markenchef Herbert Diess hat einen Knochenjob: neue Modelle launchen, die schwache Rendite der Marke ankurbeln und das Elektrogeschäft unter Strom setzen.

Dirk-Ruschmann

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Herbert Diess: «Das Projekt Phaeton geben wir nicht auf.» Keystone Keystone

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Herr Diess, man hat den Eindruck, dass Sie unter Dauerfeuer von Gewerkschaft und Betriebsrat stehen – als letzter Kämpfer für einen schlanken VW-Konzern.
Herbert Diess*: Die Marke Volkswagen steckt mitten im grössten Veränderungsprozess ihrer Geschichte – und wir haben mit einer neuen Organisation und neuen Prozessen schon viele Weichen gestellt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen, die Produktivität bis 2020 um 25 Prozent zu steigern und Volkswagen damit für die Zukunft zu rüsten. Dass wir dabei über den Weg dahin auch mal diskutieren, liegt in der Natur der Sache.
Sind die Widerstände nicht viel massiver, als Sie erwartet hatten? Man hat Sie ja als Sanierer geholt ...
Klar, dass das nicht immer ganz geräuschlos passiert. Aber klar ist auch: Wir arbeiten konstruktiv für das Unternehmen, seine Mitarbeiter und sichere Jobs.
Was erwarten Sie von Ihrem neuen Flaggschiff Arteon?
Mit dem Arteon unterstreichen wir unseren Premium-Anspruch. Unser neues Topmodell verbindet emotionales Design, innovative Technologien und hohe Funktionalität – und zwar mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Arteon bietet Premium-Features, aber nicht zu Premium-Preisen.
Mit Flaggschiffen, siehe Phaeton, war VW bisher nicht erfolgreich.
Der Phaeton war wichtig für die Marke: Die Kunden haben den Phaeton geschätzt, weil er hochwertige Premium-Produkt-Substanz zu einem attraktiven Preis geboten hat. Davon hat die Marke profitiert.

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Der wichtigste Phaeton-Markt war China.
Wir sind in China mit grossem Abstand Marktführer mit rund 14 Prozent Marktanteil und erzielen hohe Margen – weil wir uns dort immer wieder im Premium-Bereich positionieren können. Wir haben trotzdem beschlossen, den Phaeton in der nächsten Generation nicht zu machen. Nach 2020 denken wir dann über einen neuen Phaeton nach – als vollelektrisches Fahrzeug.
Der Phaeton kommt also wieder? 2025?
Wir haben noch keine Jahreszahl genannt, aber immer gesagt, das Projekt Phaeton geben wir nicht auf. Wir wollen in diesem Segment mitspielen.
Wo sehen Sie die grössten Hürden bei der Elektromobilität in den nächsten Jahren?
Die Herausforderungen sind bekannt: geringe Reichweite, hohe Preise ... Ein E-Auto muss den Kunden aber eine praktische Alternative bieten. Wir werden es schaffen, den Kunden ab 2020 E-Fahrzeuge mit einer vollkommen neuen Elektroarchitektur, mit Reichweiten von 400 bis 600 Kilometern, anzubieten – zum Preis eines gut ausgestatteten, vergleichbaren Dieselfahrzeugs. Ich gehe davon aus, dass bis 2020 auch die Ladeinfrastruktur deutlich besser ausgebaut sein wird.
VW hat eine grosse Ahnentafel emotionaler Autos: Käfer, Scirocco, Bulli. Zum Bulli etwa existiert seit Jahren eine gefeierte Studie, aber kein Serienauto. In diesen schweren Zeiten, Stichwort Diesel, würde doch ein Imageträger guttun?
Emotionale Autos sind wichtig – gerade um das Image der Marke zu stärken. Deswegen bringen wir z. B. den Polo und den Up als GTI. Diese Modelle stehen mit Design und Performance für höchste Emotionen.

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Und neue Fahrzeuge?
Seien Sie gespannt: Mit unserer neuen Elektroarchitektur haben wir ganz neue Möglichkeiten bei Proportionen und Package. Nehmen Sie den Bulli: Der Urahn hat Heckmotor. Heute aber haben wir Frontmotoren, und wenn wir in die Zukunft schauen, kommt der E-Antrieb mit deutlichen Vorteilen in der Innenraumgestaltung ins Spiel. Damit könnten wir dann die Ursprungsproportionen wiederherstellen – und gerade hinsichtlich Emotionalität und Tradition, aber auch bei der Alltagstauglichkeit punkten.
*Herbert Diess (58) kam von BMW, wo er Chef 
der Entwicklung war und sich einen Ruf als harter Hund erwarb. Seit 2015 ist er Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen-PKW.
Wie die neuen VW-Ideen aussehen, konnten Besucher am Genfer Autosalon betrachten:
Die neuen Ideen von VW am Autosalon in Genf:Löst ein solches Gefährt einmal den VW Golf ab? Konzernchef Matthias Müller präsentiert das Konzept eines autonomen Autos mit dem Namen «Sedric»...
...und macht es sich schonmal im Innenraum bequem. Der Fahrersitz ist abgeschafft, da das Auto ja von alleine fahren soll.
Die in Genf gezeigte Fahrzeugstudie ähnelt äusserlich stärker einem kleinen Schienenbus als einem Auto. Die Räder sind abgedeckt, in die Kabine gelangen die Passagiere durch Schiebetüren.
Ein Hingucker: Der Bully «Buzz». Das Konzeptauto kann von der Idee her selbstständig fahren. Es wurde im Januar zum ersten Mal präsentiert. Der putzige Elektro-Van hat sieben Sitzplätze und Kameras statt Rückspiegel.
Ein Auto von heute: der E-Golf. In Genf wird er mit neuem Display präsentiert.
Und hier ein Blick auf das Innenleben: die Batterie des E-Golf. Bilder: Keystone
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RMS
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