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Persönlichkeiten

Von Affentranger bis Tanner: Die Mächtigen der Industrie

Die mächtigsten Männer der Schweizer Industrie beherrschen grosse Konzerne und haben auch darüber hinaus Macht und Einfluss. Neuerdings zählt auch er dazu: der designierte Nestlé-CEO Ulf Schneider.

Marc Kowalsky

«Bilanz» hat das «Who is who» der Schweizer Wirtschaft ermittelt. Die wichtigsten Personen in der Industrie:Anton Affentranger CEO Implenia Affentranger ist ein Mann mit Prinzipien. Er hat sich im Laufe seiner Karriere einen Ruf gemacht: zum einen als erfolgreicher Wirtschaftsführer, zum anderen als jemand, der keine Auseinandersetzung scheut.
Roland FischerCEO OC Oerlikon Seit März ist Fischer CEO bei OC Oerlikon. Doch die Sterne stehen nicht gut: Seit Jahren hat der Industriekonzern Schwierigkeiten und sich als Durchlauferhitzer für Chefs erwiesen. Dabei kauft und verkauft OC Oerlikon Geschäftsfelder, als wäre man eine Beteiligungsgesellschaft und kein produzierendes Gewerbe. Eine langfristige Strategie fehlt.
Greg Poux-Guillaume CEO Sulzer Grégoire (Greg) Poux-Guillaume hat einen der schwierigsten Jobs in der Schweizer Industrielandschaft: Er muss Sulzer wieder flottkriegen, scheut dabei aber nicht vor radikalen Massnahmen. Der Maschinenbauingenieur führt partizipativ, bindet die Leute ein und gibt ihnen viel Raum, ohne in Details dreinzureden.
Beat Hess
Thomas OetterliCEO Schindler Die Ernennung zum CEO von Oetterli kam etwas überraschend, schliesslich war Vorgänger Silvio Napoli nur rund zwei Jahre im Amt. Doch der Luzerner ist ein Schindler-Gewächs durch und durch: Die Ehefrau arbeitete früher für das Unternehmen, die zwei Söhne haben ihre Lehre bei Schindler absolviert. Und er selber hat 22 Jahre für das Unternehmen gearbeitet, die letzten sechs in der Konzernleitung.
Ulf Schneider Designierter CEO Nestlé Er war die Überraschung des Wirtschaftsjahres 2016: Ulf Mark Schneider hatte niemand auf dem Zettel, als die Frage geklärt wurde, wer den grössten Nahrungsmittelkonzern der Welt ab 2017 führen werde. In seiner Amtszeit bei Fresenius hat sich der Umsatz vervierfacht, die Mitarbeiterzahl verdreifacht und der Gewinn verzwölffacht.
Ulrich SpiesshoferCEO ABB
Gab es in der Schweiz einen Manager, der 2016 stärker unter Druck stand als Ulrich Spiesshofer? Wohl kaum. Ein Highlight persönlicher Art hatte Spiesshofer immerhin im Dezember zu feiern: Nach über zweijährigem Verfahren ist er endlich eingebürgert worden. Oder anders gesagt: ABB hat wieder einen Schweizer CEO.
Peter SpuhlerEigentümer, CEO und VR-Präsident Stadler Rail Group2015 war ein gutes Jahr für Peter Spuhler und seine Firma: 113 Züge wird er ins Ausland liefern. Davon 16 nach Kalifornien, 22 nach Stockholm, 17 nach Glasgow und gar 58 nach Grossbritannien, das bislang Terra incognita war für seinen Bahnkonzern Stadler Rail. Es sind die Früchte seiner Strategieänderung.
Ernst Tanner VR-Präsident Lindt & Sprüngli Es gibt wohl kaum einen Manager in der Schweiz, der über Jahre so erfolgreich ist
wie Ernst Tanner. Als CEO und VR-Präsident von Lindt & Sprüngli machte er in 23 Jahren aus dem angeschlagenen Schokoladenfabrikanten einen Premiumkonzern von Weltformat.
Alexander  von Witzleben CEO und VR-Präsident AFG, VR-Präsident FeintoolIn seinen sieben Jahren als Präsident von Feintool hat der 53-Jährige den Konzern in Lyss transformiert: Er hat ihn auf die Kernkompetenzen Feinschneiden und Umformen konzentriert, viele Akquisitionen durchgeführt und ihn zum Quasi Monopolisten in seiner Nische gemacht. Bilder: Keystone
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«Bilanz» hat das «Who is who» der Schweizer Wirtschaft ermittelt. Die wichtigsten Personen in der Industrie:Anton Affentranger CEO Implenia Affentranger ist ein Mann mit Prinzipien. Er hat sich im Laufe seiner Karriere einen Ruf gemacht: zum einen als erfolgreicher Wirtschaftsführer, zum anderen als jemand, der keine Auseinandersetzung scheut. RMS

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Er war die Überraschung des Wirtschaftsjahres 2016: Ulf Mark Schneider hatte niemand auf dem Zettel, als die Frage geklärt wurde, wer den grössten Nahrungsmittelkonzern der Welt ab 2017 führen werde. In der 160-jährigen Firmengeschichte von Nestlé ist er erst der zweite externe Kandidat, dem die Geschicke des Konzerns anvertraut werden. Grund genug, ihn in die Liste der wichtigsten Persönlichkeiten - dem «Who is who» - der Schweizer Wirtschaft aufzunehmen.
«Ulf wer?», war entsprechend die Reaktion der Schweizer Öffentlichkeit. In Deutschland ist Schneider besser bekannt, führte er doch während 13 Jahren den Medizintechnik- und Gesundheitskonzern Fresenius. Und das mit grossem Erfolg: In seiner Amtszeit hat sich der Umsatz vervierfacht, die Mitarbeiterzahl verdreifacht und der Gewinn verzwölffacht. Das brachte ihm nicht nur Geld (2015 rund 14 Millionen Euro), sondern auch Ruhm und Ehre: Zweimal wurde er zum «Manager des Jahres» gekürt, gar als «besten deutschen Manager seiner Generation» lobpreiste ihn das «Manager Magazin».

Vom Nahrungsmittel- zum Gesundheitskonzern

Derartige Kunststücke soll Schneider nun auch in Vevey vollführen. Vor allem soll er die bereits seit längerem von Noch-VR-Präsident Peter Brabeck eingeschlagene Strategie vorantreiben, Nestlé vom Nahrungsmittel- zum Gesundheitskonzern umzupolen. Bisher macht der Konzern weniger als fünf Prozent seines Umsatzes mit gesunder Nahrung bzw. Hautprodukten.

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Schneider gilt als fleissig und zielorientiert, als bescheiden und entschlossen, als zugänglich und freundlich. Seine Karriere beganner an der Hochschule St.Gallen (Schwerpunkt: Finanz- und Rechnungswesen). An der Harvard University holte er sich nicht nur das nötige Managerrüstzeug, sondern auch einen amerikanischen Pass und seine erste Frau Jessica (heute ist er mit der deutschen Juraprofessorin Anne van Aaken liiert, die an der Hochschule St.Gallen doziert).
«Ich habe mehrere Jahre in den USA studiert und gearbeitet und identifiziere mich sehr mit den Werten des Landes», bekundete Schneider 2011 in einem Interview. Nach einer Zwischenstation beim Duisburger Mischkonzern Franz Haniel landete Schneider schliesslich bei Fresenius. Bis heute sitzt er beim amerikanischen Chemieriesen Du Pont im Verwaltungsrat.
Sehen Sie in der Bildergalerie oben, welche Zehn zum «Who is who» der Industrie gehören. In der Bildergalerie unten sehen Sie die zehn wichtigsten Wirtschaftsanwälte der Schweiz.
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Stefan BrunnschweilerGlobaler M&A-Teamleiter, CMSCMS ist ein Anwaltskonzern, ein globaler One-Stop Shop: 3200 Anwälte weltweit, 5800 Mitarbeiter insgesamt, 60 Büros in 34 Ländern. Stefan Brunnschweiler ist der führende Mann im Schweizer Büro CMS von Erlach Poncet rund um alles, was mit dem Kaufen und Verkaufen von Unternehmen zu tun hat. Er leitet das globale Corporate/M&A-Team, das alleine 200 Partner und 700 Anwälte umfasst.Klaus Weddig
Peter BurckhardtCrime Spezialist, Schellenberg WittmerWhite Collar Crime ist seine Spezialität, vor allem die unternehmensinterne Ermittlung und Analyse von Wirtschaftskriminalfällen. Als Long Stay an der Seite der Credit Suisse im Steuerstrafverfahren vor dem US-Justizministerium hat er seiner Kanzlei Schellenberg Wittmer einen stabilen Honorarfluss generiert. Neu hinzugekommen sind Grossfälle wie Fifa und der Geldwäschereiskandal rund um die brasilianische Petrobras.
Daniel DaenikerManaging Partner, HomburgerBei der Full-Service-Grosskanzlei Homburger arbeiten 150 Anwälten und Steuerexperten. Daeniker macht Kapitalmarkt-, M&A-Deals und Börsengänge, zusammen mit sieben Homburger-Kollegen bekam er den «Lawyer of the Year»-Award für die Schweiz. Nestlé zählt zu seinen Klienten. ZOE TEMPEST
Lorenz ErniStrafverteidiger, Erni Brun ForrerWer Strafverteidiger Lorenz Erni beauftragt hat, fürchtet nicht selten um Job und Ansehen. Längst gilt er unter Managern, die sich einer Strafuntersuchung ausgesetzt sehen, als erste Wahl. Oder auch als letzte Hoffnung.  Die Liste seiner prominenten Klienten würde ein «Who is who»-Buch füllen.
Patricia GuerraPrivatkundenberaterin, Meyerlustenberger LachenalVermögende Privatkunden zählen zu den bevorzugten Klienten von Patricia Guerra. Und Nachfolgeprobleme, Testamente, Erbschaften, Steuern, Umzüge und Immobilientransaktionen, das sind ihre Themen. Seit zwanzig Jahren ist sie schon Partnerin in der Anwaltsfirma Meyerlustenberger Lachenal.Maurice Haas/13 Photo
Peter NobelWirtschaftsanwalt, Nobel & HugPeter Nobel ist längst eine eigene Marke. Zumindest sind Klienten und manchmal auch Richter von seiner Aura derart ergriffen, dass sie erschrocken seiner Rechtsauslegung folgen. Das schafft er zwar nicht immer, aber oft. Wer Rechtsdossiers über grosse Wirtschaftsfälle durchblättert, stösst fast immer auf den Namen Nobel.
Urs SchenkerM&A-Spezialist, Walder Wyss2015 stieg Schenker als Managing Partner bei der Law Firm Baker & McKenzie aus. Bis dahin galt er als das Schweizer Gesicht der Weltkanzlei und Rainmaker – als jemand, der das grosse Geld bringt. Schenker wechselte danach zur Kanzlei Walder Wyss (150 Anwälte). Grosse M&A-Transaktionen sind sein Steckenpferd, aber auch öffentliche Übernahmen, Restrukturierungen und Corporate-Finance-Transaktionen.Christian Nielson
Rolf WatterM&A-Anwalt und Multi- Verwaltungsrat, Bär & KarrerAls Experte für Fusionen und Übernahmen zog Rolf Watter viele dicke Fische an Land. Kein Zweifel, er ist der Star-Verhandlungskünstler für komplizierte Transaktionen, er gilt als schnell, und die Manager schätzen ihn, weil er ihre Sprache spricht. Die internationalen Anwaltsfachmagazine sind voll des Lobes.
Philippe WeberPartner, Niederer Kraft & FreyPhilippe Weber ist das charmante Herz der Traditionskanzlei Niederer Kraft & Frey (NKF), ein geduldiger Zuhörer und strategischer Zukunftsgestalter. Er zählt zu den weltoffenen, modernen Vertretern seiner Berufswelt. NKF wird seit Jahren mit Awards überhäuft.Bilder: Keystone/PR
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«Bilanz» hat das «Who is who» der Schweizer Wirtschaft ermittelt. Die wichtigsten Personen im Wirtschaftsrecht:Cornel BorbélyStrafrechtler und Fifa-ChefermittlerDer Ex-Staatsanwalt lehrte Fussballfunktionäre das Fürchten. In seiner Funktion als Fifa Vorsitzender der Untersuchungskammer der Ethikkommission hat er schwierigste Ermittlungen orchestriert.Reuters RMS

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