Es gibt Neuauflagen alter Klassiker, die gelingen β und viel mehr andere, die komplett in die Hose gehen. Diese hier ist einer der seltenen Volltreffer.
Nachmittags gegen 14 Uhr, Anfang Juni, eine Tankstelle in Urdorf. Ein Typ schleicht um die Alpine und mich herum. Um die 50 vielleicht, olivbraune Hose, lΓ€ssiges T-Shirt, Locken; mein spiessiges Poloshirt schreckt ihn nicht ab. Schmelz in der Stimme, sagt er: Β«Endlich mal ein richtiges Auto.Β» FrΓΌher habe er selber eine gehabt. Also nicht diese, aber eine Alpine. Ich musste leider weiter, das Auto beim Importeur abgeben.
Es gibt eben nicht die eine Alpine. Aber ich war mir sicher, mein Zufallsbekannter meinte die historische Alpine A110 β jenes Modell, das fast zwei Jahrzehnte, in den Sechzigern und Siebzigern (des vergangenen Jahrhunderts muss man ja dazusagen), gebaut wurde und das die wehmΓΌtigen Erinnerungen an alte Alpines heraufbeschwΓΆrt, vor allem in ihrem charakteristischen tiefblauen Lack.
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Man vergisst bisweilen, dass Renault eine glorreiche Motorsportgeschichte hat, wenn man vom aktuellen, noch nicht ganz so glorreichen Einsatz in der Formel 1 absieht β und dass diese Glorie teils auch der alten A110 zu verdanken ist, deren Glanz Renault ja zugekauft hat; der Autoriese ΓΌbernahm die kleine Marke Alpine und das Werk Dieppe, wo auch die neue gebaut wird, im Jahr 1973. Damals war die A110 bereits Siegerin der Rallye Monte Carlo und der Weltmeisterschaft, viele Titel folgten.
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Und die neue Alpine hat viele Tugenden ihrer Grossmutter geerbt, etwa den Leichtbau (die Vorfahrin wog zwar noch eine viertel Tonne weniger), die Optik mit den vier Frontleuchten, auch die Architektur der Karosserie folgt dem Vorbild erstaunlich eng; das Hinterteil von Oma Alpine war etwas knackiger gezeichnet, dafΓΌr der BΓΌrzel etwas sehr lang. Optisch steht es unentschieden.
Das hat die Alpine-Wiedergeburt den Neuauflagen von VW Scirocco, Lancia Delta oder Opel GT voraus. Bei Letzterem, einer SchΓΆnheit der Siebziger, geriet der Nullerjahre-Spross zu einem Kleinod der Scheusslichkeit, als hΓ€tte man Raquel Welch (ich sage nur: Β«BandoleroΒ») durch Quasimodo ersetzt. Oder der neue VW Beetle β ein KΓ€fer mit Front(!)-Motor, gehts noch schlimmer? Wobei die neue A110 den Motor mittig fΓΌhrt, beim Original orgelte er im Heck. Nobody is perfect. Renault ist nah dran.
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Denn die verbauten Materialien sind okay, man vermisst nichts, was man eben auch nicht zahlt. Die Sitzposition, wenn man mΓ€keln mΓΆchte, ist recht hoch, die GepΓ€ckfΓ€cher dafΓΌr klein. Aber kommt es darauf an?
Die Alpine ist ein famoser, agiler kleiner Sportwagen, der Preis geht in Ordnung. Bestellen Sie ihn als S, wenn Sie mΓΆgen, doch schon das Basismodell macht Laune β auf jeden Fall aber in klassischem Blau. Allez les Bleus!
Dirk Ruschmann fΓ€hrt seit 25 Jahren Auto. Er schreibt ΓΌber Unternehmen, Manager, Autos und andere bewegliche Teile.