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Selfmade Woman Falkengren und ihr Machtnetz

Annika Falkengren, langjährige
 Chefin der Grossbank SEB, hat bei Lombard Odier als Partnerin neu angefangen. Der Öffentlichkeit mag sie unbekannt sein, in der hiesigen Bankenszene ist das anders.

Holger Alich

Das ist das Machtnetz von der neuen Lombard-Odier-Partnerin Annika Falkengren:Die Verbündeten:Falkengren ist durch harte Arbeit und nicht durch Beziehungen an die Spitze der SEB gekommen. 1987 fing die Volkswirtin bei Schwedens viertgrösste Bank als Trainee an und bewährte sich in der Männerdomäne Handel, deren Leitung sie später übernahm.Oskar Omne, Dagens industri
In der Bank wurde ihr Vorgänger im Amt des CEO, Lars Thunell, ein wichtiger Fürsprecher, der das konservative Mittelmanagement aufrütteln wollte und Köpfe mit neuen Ideen suchte. Als Thunell 2005 zur Weltbank wechselte, war die umtriebige Falkengren seine Wunschkandidatin. Entsprechend reibungslos verlief die Stabübergabe: In der 
Übergangszeit teilte sich Thunell mit seiner Nach- 
folgerin sogar das Büro.
Den Wechsel in 
die Schweiz leitete der Headhunter Christoph Zeiss ein, der im Auftrag von Lombard Odier Top-Talente für die Bankführung suchte. «Sie war von der Idee, Bankpartnerin zu werden, ganz angetan», heisst es von Insidern.
Nach und nach traf die Schwedin die übrigen Bankpartner und handelte mit Bankchef Patrick Odier die Details aus. Für den ehemaligen Präsidenten der Schweizerischen Bankiervereinigung ist die Nominierung der Starbankerin ein Coup, den so niemand erwartet hätte. «Wir sind keine Ankündigungsbanker, sondern überraschen 
lieber», so Odier zu «Finews». Denn Falkengren wurde zuvor für ganz andere Top-Jobs gehandelt, etwa als Nachfolgerin 
von Martin Blessing als CEO der Commerzbank.
Die Gegenspieler:Falkengren hat sich über die aus ihrer Sicht zu strengen Anforderungen der schwedischen 
Finanzaufsicht, geführt von Erik Thedéen, aufgeregt. Thedéen geht bei seinen Kapitalanforderungen über die internationalen Standards hinaus. Lombard Odiers Kapitalquote erreicht fast 30 Prozent, weshalb die Kapitaldecke hier kein Thema ist. Doch das Kerngeschäft mit vermögenden Privatkunden ist schwieriger geworden…
…und Wettbewerber wie Julius Bär, geführt von Boris Collardi, sind aktiv am Markt, um anderen Banken gute Berater abzujagen. Collardi wurde zudem nachgesagt, selbst als Partner zu Lombard Odier wechseln zu wollen.
Bei der Partnerwahl kam indes auch Alexis Lombard nicht zum Zuge, Sohn des 2014 ausgeschiedenen Partners Thierry Lombard (im Bild rechts). Beide haben nun mit Lombard Odier gebrochen und beim Wettbewerber Landolt & Cie angeheuert.Bilder: Keystone/Martina Huber/ Regeringskansliet
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RMS

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Es ist die wohl bemerkenswerteste Bankenpersonalie des Jahres: Annika Falkengren hat nach 30 Jahren – rund elf Jahre davon als CEO – die schwedische Bank Skandinaviska Enskilda Banken (SEB) verlassen und Anfang Juli ihren neuen Job als einer von sieben Managing Partnern bei Lombard Odier in Genf begonnen. «Mit 55 Jahren habe ich noch einmal Lust auf etwas Neues», begründete die Bankerin, die als eine von wenigen Bank-CEOs die Finanzkrise überlebt hat, ihren Schritt.
Die SEB gehört zum Imperium der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg; Bankpräsident Marcus Wallenberg hatte über die Weihnachtstage 2016 noch versucht, sie mit weiteren VR-Mandaten aus dem Portfolio zum Bleiben zu überreden. Vergeblich.
Falkengren kommt aus dem Grosskundengeschäft, daher kennt sie viele europäische Industriellenfamilien, nicht nur die Wallenbergs. Das macht ihr Profil und ihre Kontakte für eine Privatbank wie Lombard Odier interessant. Dort soll sie sich im Gremium der Partner um das Thema Finanzen kümmern.
Auch wenn die Schwedin in Genf nicht mehr CEO sein wird, lohnt sich der Wechsel dennoch für sie: Bei SEB verdiente sie gut zwei Millionen Franken pro Jahr. Bei Lombard Odier dürfte vermutlich das Zwei- bis Dreifache drin sein.

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Das sind die Topstorys in der neuen «Bilanz»:
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