Die Schweizer Luxusindustrie ist nach wie vor Weltklasse. Doch sie gerät unter grossen Druck. Schuld sind die China-Krise und der starke Franken. Doch irreparabel ist der Schaden nicht, dafür ist die Marke «Made in Switzerland» viel zu stark.RMSDer Druck auf die Schweizer Luxusindustrie nimmt zu: Erst vor kurzem wurde überraschend bekannt, dass Jean-Marc Jacot (Bild), langjähriger Direktor von Parmigiani, das Unternehmen verlässt. Und das Entlassungen anstehen. Auch die Edelmarke Greubel Forsey hat Personalabbau vermelden müssen. Gerade junge Marken im höchsten Preissegment müssen derzeit kämpfen.RMSLuxus made in Switzerland ist Spitzenklasse - auch im Preis. Gerade bei Uhren haben die Preiserhöhungen die Schmerzgrenze erreicht.RMSIn den ersten acht Monaten 2015 sind die Exporte nach Hongkong im Vergleich zum Vorjahr um satte 20,8 Prozent eingebrochen. Nach China wurden 8,8 Prozent weniger Uhren exportiert, nach Russland gar 32,1 Prozent weniger.RMSDoch noch läuft es gut, noch gleicht der exzellente Ruf der Schweiz vieles aus. Schweizer Werte wie Präzision, Kunstfertigkeit und Authentizität sind für die Kunden nach wie vor wichtig. Dennoch müssen jetzt Strategien entwickelt und Massnahmen getroffen werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.RMSWer Schweizer Luxus sagt, meint meistens Uhren. Doch natürlich ist die Industrie sehr viel breiter aufgestellt. Die Schweizer Textilindustrie allein beschäftigt über 12'000 Personen und ist stark im Premium- und Luxusbereich verankert. Modemarken wie Valentino, Prada, Akris, Oscar de la Renta, Balenciaga, Marc Jacobs oder Dior bestellen gerne Spitzen-Stoffe aus der Schweiz.RMSWeniger bekannt ist die führende Rolle der Schweiz im Kunstmarkt. Die Art Basel gilt als international federführend. Keine andere Messe verkauft mehr hochkarätige Kunst als dieses Luxuswarenhaus für Kunst.RMSZürich gilt als einer der grössten Handelsplätze für Kunst überhaupt, und wer hier einkaufen will, muss sich in punkto standesgemässer Logis keine Sorgen machen: Im Hotel Dolder Grand zum Beispiel findet man Weltklassezimmer mit bestem Service und grandioser Aussicht.Bilder: KeystoneRMS
Es war heiss in Hongkong, mitunter 32 Grad, es war feucht und meist sehr dunstig, als die Schweizer Luxusindustrie jüngst gleich neben dem Hafen eine unübersehbare Präsenz hatte. An der Uhrenmesse Watches & Wonders, einer etwas kleineren Ausgabe des Genfer Uhrensalons SIHH, zeigten die Uhrenmarken des Richemont-Konzerns von Baume & Mercier über IWC und Vacheron Constantin bis zu Cartier, was feine Uhrmacherei ist. Ein riesiges Lichtbild der Schweizer Alpen liess keinen Zweifel zur Frage offen, aus welchem Land die besten Uhren der Welt kommen: Die Swissness-Karte wurde in Hongkong gekonnt gespielt.
Die Reputation von Swiss made sei nach wie vor ungebrochen, sagte ein gut gelaunter Georges Kern, CEO von IWC, vor Journalisten. Allerdings reiche dies heute für den Erfolg nicht mehr. «Es braucht dazu eine Geschichte, Tradition, Geld, Visibilität, Reputation und Talente – und nur wenige Marken können das ganze Paket offerieren.»
Hongkong hat schwere Einbussen hinnehmen müssen
Am Ende der Messe konnten die Veranstalter rund 20'000 Besucher vermelden – 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Trunkene Euphorie herrschte trotzdem nicht, denn gerade Hongkong hat als Markt schwere Einbussen hinnehmen müssen. «Wir erleben eine Normalisierung des Marktes in Hongkong auf hohem Niveau», sagte Georges Kern. Und eines sei sicher: «Die konstanten Preiserhöhungen, wie wir sie zum Teil in den letzten Jahren gesehen haben, waren auch ein Fehler.»
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Egal ob es um Uhren, Kosmetik, Delikatessen, Kunst oder Hotelbetten geht – Luxus made in Switzerland ist global gefragt. Die Schweizer Luxusindustrie ist zwar nach wie vor Weltklasse. Aber sie steht derzeit unter Druck. Die wichtigsten Herausforderungen und was dagegen hilft, lesen Sie in der neuen «BILANZ», ab Freitag am Kiosk oder mit Abo jeweils bequem im Briefkasten.