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Karriere

Michael Kors: Der Goldjunge aus New York

Was Michael Kors anfasst, funktioniert – von edler Mode bis zu erschwinglichen Accessoires. Besonders, seit John Idol die Gruppe und ihr Design-Herz auf steilem Wachstumspfad hΓ€lt.

Iris Kuhn Spogat

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Hat sich einen Namen gemacht: Michael Kors bei der New Yorker Fashion Week.Β Β Keystone RMS

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Die Frage, ob er Ende Jahr anreise, wenn die Flaggschiff-Boutique an der ZΓΌrcher Bahnhofstrasse erΓΆffnet wird, quittiert Michael Kors mit einem leicht gereizten LΓ€cheln. Β«WellΒ», sagt er schliesslich, Β«wΓΌrde ich jeden Laden selbst erΓΆffnen, wΓ€re das derzeit ein Fulltime-Job, und ich mΓΌsste alles andere aufgeben.Β»
Der Mann ΓΌbertreibt nicht: Ende Juni 2014 fΓΌhrte der nach ihm benannte Konzern weltweit 774 GeschΓ€fte, 550 eigene plus 224 Michael-Kors-Shops von KonzessionΓ€ren. Ein Jahr spΓ€ter waren es bereits 110 Boutiquen mehr. Das ergibt zwei NeuerΓΆffnungen pro Woche.

Ein Mann, ein Konzern und zwei Fashionbrands

Michael Kors – gemΓ€ss der unternehmenseigenen PR-Abteilung wird kein Name aus der Welt des Luxus ΓΆfter gegoogelt. Ein Mann, ein Konzern und zwei Fashionbrands: Michael Kors, die exklusive Linie mit Sweatshirts fΓΌr ein paar hundert und MΓ€nteln fΓΌr ein paar tausend Dollar, und MICHAEL Michael Kors, die gΓΌnstigere mit 300-frΓ€nkigen Handtaschen, an denen golden die MK-Plakette baumelt, SchlΓΌsselanhΓ€ngern, Sneakers, iPhone-HΓΌllen, Portemonnaies, Sonnenbrillen und Parfums.
Mit seiner Edellinie hat sich Michael Kors als KΓΆnner in Sachen Design einen Namen gemacht. Er ist mehrfach preisgekrΓΆnt und geniesst in der Szene Respekt. Mit der weit gΓΌnstigeren Massenware wiederum ist der 56-JΓ€hrige in den letzten Jahren hypererfolgreich: Accessoires und Handtaschen mit dem goldenen Logo spielen heute zwei Drittel des Umsatzes von 4,3 Milliarden Dollar ein, sind die am schnellsten wachsende GeschΓ€ftssparte und mit Margen von 70 Prozent an aufwΓ€rts auch die profitabelste. Sie haben Michael Kors zum MilliardΓ€r gemacht.

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Überall alles

In den unzΓ€hligen Michael-Kors-LΓ€den rund um die Welt gibt es nicht entweder dies oder jenes, sondern generell ΓΌberall alles, von Segeltuchschuhen bis zur Pythontasche. Das Konstrukt heisst Β«Lifestyle StoreΒ». Diese Shops richten sich sowohl an die klassische Kundin als auch an deren Tochter, sowohl an Big Spenders als auch an budgetbewusste Shopper. Michael Kors sieht darin weder Makel noch Gefahr fΓΌr seine Marke – fΓΌr ihn ist es einfach Zeitgeist. Β«Ich selber mische die Sachen ja auch gernΒ», sagt er, Β«ich trage eine Kaschmirjacke zu Cargohosen oder Flip-Flops zu einem Anzug.Β» Die LΓ€den sind Goldgruben: Umsatz und Gewinn wachsen seit Jahren zweistellig.
Über das FΓΌr und Wider dieses Shop- und Markenkonzepts mag Michael Kors an diesem Vormittag aber gar nicht reden. Das hat grosso modo zwei GrΓΌnde. Erstens gibt er das Interview im Vorfeld der Lancierung der Gold Collection, einer Serie von gleich drei DΓΌften, die EstΓ©e Lauder diesen Herbst herausbringt: Β«Ein Duft fΓΌr jeden Anlass, jede Stimmung. Die Zeiten, da man nur einen Duft verwendete, sind vorbeiΒ», sagt Michael Kors. Weiss-, rosΓ©- und gelbgolden sind sie verpackt, frisch, verfΓΌhrerisch und sinnlich diskret riechen sie. Michael Kors ist hΓΆrbar stolz auf die Palette: Β«Ich habe an jedem Detail mitgearbeitet, auch beim neuen MΓ€nnerduft – er wird die Frauen betΓΆren.Β»

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Zweitens gibt er dem Unternehmen zwar seinen Namen, seinen Style – Β«ich bin in jede kreative Entscheidung involviertΒ» – und ein Gesicht.

Mastermind Idol

Alles HintergrΓΌndige wie die Facts und Figures sowie die Strategie ΓΌberlΓ€sst er aber John Idol, dem Chairman und CEO in Personalunion. Seit 2003 an der Spitze des Konzerns, ist der einstige Lenker von Donna Karan der Mastermind der Erfolgsgeschichte der Marke Michael Kors. Β«Als ich kam, verlor das Unternehmen Geld und wΓ€re wohl vom Markt verschwunden, wenn wir es nicht gekauft hΓ€ttenΒ», lautet eines von Idols Statements.
Zusammen mit der in Hongkong domizilierten Private-Equity-Firma Sportswear akquirierte er fΓΌr 100 Millionen Dollar die Firma Michael Kors, die damals 20 Millionen Dollar Umsatz erzielte. Der Ehrgeiz: Michael Kors zu einem Designer von Weltrang zu pushen, sein Talent zu vergolden. Das Mittel: Marketing und LadenerΓΆffnung um LadenerΓΆffnung. Inzwischen wird Michael Kors in einem Atemzug mit Ralph Lauren und Tommy Hilfiger genannt.

Mehr als gedacht

Seit 2011 ist Michael Kors in New York bΓΆrsenkotiert. FΓΌr ihn habe sich dadurch nicht viel geΓ€ndert, sagt Michael Kors, Β«ich bin immer noch DesignerΒ». Kein Wunder, wird der stets in Schwarz Gewandete bei der Frage, wie viele Leute fΓΌr die Marke arbeiten, unsicher. Β«Etwa 4000?Β», fragt er zurΓΌck. Weit gefehlt: Ende MΓ€rz 2015 zΓ€hlte das Unternehmen gemΓ€ss GeschΓ€ftsbericht 11'094 Mitarbeiter weltweit. Die Zahl ΓΌberrascht ihn – wie ΓΌberhaupt der Lauf der Dinge: Β«Ich habe nie im Leben von Michael Kors in Bali getrΓ€umtΒ», sagt er, Β«demnΓ€chst ist es so weit.Β»

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Michael Kors ist heute in 95 LΓ€ndern prΓ€sent. Β«Als ich anfing, bedeutete β€Ήinternationalβ€Ί fΓΌr mich KanadaΒ», lacht er. Sein grΓΆsster Erfolg? Er schaue nie zurΓΌck, das kΓΆnne er sich in dem schnelllebigen, harten GeschΓ€ft gar nicht leisten, winkt er erst ab. Und dann: Β«Ich war der jΓΌngste Mensch, der je den Lifetime Achievement Award erhalten hat, und dachte, wow, ich mache einiges richtig.Β» Sein Erfolgsrezept? Β«Menschen interessieren mich, und ich mag sieΒ», sagt er. Β«Was ich mache, ist nicht weltbewegend, aber ich kann mit meiner Arbeit durchaus dazu beitragen, dass sich Menschen besser fΓΌhlen.Β»

Talent und GlΓΌck

Michael Kors war 21 Jahre alt, als er seine eigene Marke grΓΌndete, Β«ohne Ahnung von nichtsΒ». Er hatte Talent und GlΓΌck: Die erste Journalistin, die ΓΌber ihn berichtete, war Anna Wintour, damals noch beim Β«New York MagazineΒ», danach Chefredaktorin der Β«VogueΒ». Die New Yorker LuxuskaufhΓ€user Bergdorf Goodman und Saks Fifth Avenue orderten seine Kollektionen an sportlicher, klassisch-amerikanischer Jetset-Mode, die er zu Beginn noch hΓΆchstselbst mit seinem alten Mercedes auslieferte. Anfang der neunziger Jahre ging auf einmal einiges schief: Dem angesagten Grunge hatte er nichts entgegenzusetzen, ein GeschΓ€ftspartner stieg aus, Chapter 11 – Insolvenz – war die Folge.

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Β«Bis dahin hatte ich nie an Versagen gedachtΒ», sagt er, Β«auf einmal musste ich damit klarkommen.Β» Er rappelte sich auf und hob mit seiner Mode bald wieder ab. 1997 wurde er Chefdesigner von CΓ©line. Parallel dazu baute er sein eigenes Imperium weiter aus, ergΓ€nzt mit DΓΌften, Accessoires, Uhren, Brillen, Schuhen und 2002 mit einer ersten Herrenkollektion – und flog 2003 in die Arme von Idol und Co. Als Juror von Β«Project RunwayΒ», einer Reality-Show von Heidi Klum fΓΌr Jungdesigner, wurde er ab 2004 in den USA zum Medienstar und Publikumsliebling, seine Marke erlebte einen unglaublichen PopularitΓ€tsschub. 2012 zog er sich aus der Show zurΓΌck, die fΓΌr mehrere Emmys nominiert war und auch sonst unzΓ€hlige Preise gewonnen hat.

Immer geradeaus

Heute ist das amerikanische Sportswear-Unternehmen, das MK war, ein internationaler Lifestyle-Konzern, die Nummer drei der Welt. Ob er sich dort halten wird? Es gibt Zweifel: Im letzten Quartal des vergangenen GeschΓ€ftsjahres hat sich das Wachstum etwas verlangsamt. Das habe mit der aggressiven Rabattpolitik zu tun, der Margen geopfert wΓΌrden, sagen die einen Analysten. Andere reden von MarkenmΓΌdigkeit und mahnen Anleger zur Vorsicht.
Macht dies Michael Kors Angst? Β«Oh, nein, Angst habe ich nur vor HΓΆheΒ», sagt er und schaut zur Fensterfront seines BΓΌros im 21. Stockwerk. Β«Einfach nur geradeaus schauen und nicht hinunter, dann geht es.Β» Dieser Devise folgt der ganze Konzern. Gerade entsteht im niederlΓ€ndischen Venlo ein 93'000 Quadratmeter grosses Verteilzentrum fΓΌr Europa.

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