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Machtnetz von Viktor Giacobbo: Comedy-Connection

Theaterbetreiber Viktor Giacobbo ist in ein feines Netz potenter Wirtschaftsleute eingebunden – doch es ist ihm fast peinlich.

Stefan Barmettler HZ

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Sein persΓΆnlicher Freundeskreis setze sich grossteils weder aus Business- noch Showbusiness-Leuten zusammen. MΓΆchte er, Viktor Giacobbo, vor Drucklegung des Artikels doch noch betont haben. Gerade so, als wΓ€re es fΓΌr den 57-jΓ€hrigen VR-PrΓ€sidenten des Casinotheaters Winterthur ehrenrΓΌhrig, mit dem kulturbeflissenen (Aktien-)Kapital auf ArmlΓ€nge zu verkehren.
Dabei hat er, Prinz Comedy der Deutschschweiz, schΓΆne Erfolge vorzuweisen, die ihm zu Recht im Wirtschaftslager Sympathien einbringen. Ein Theater ohne Subventionen, volle SΓ€le, gehobene KΓΌche, die sonntΓ€gliche Β«Late Service PublicΒ»-Show auf SF1 mit ΓΌber 400  000 Zuschauern – ein Leistungsausweis.
Die ΓΆffentlich zur Schau getragene Distanzierung zum Kommerziellen ist wohl Teil des sorgsam gepflegten Images des frΓΌheren KlassenkΓ€mpfers, der sich ausschliesslich um die witzigen Pointen kΓΌmmern will, nicht aber um die Rendite. Den Vorwurf von Komikerkollege Marco Rima, Giacobbo sei quasi der Pate des Comedy-GeschΓ€fts, konterte dieser wie die Unschuld vom Land: Β«Ich wΓ€re der dΓΌmmste Mafiaboss.Β» Giacobbos Wirtschaftsfreunde tummeln sich ΓΌbrigens im Aktionariat der Casino Theater AG und der Casino Immobilien AG.
Seine Freunde
Ums Casinotheater Winterthur tummelt sich eine hochkarΓ€tige Unternehmerrunde: Im Zentrum steht Kurt RΓΌegg, Seniorpartner bei Swiss Capital Group und VR der St.  Galler Kantonalbank. Mit Giacobbo sitzt er im VR der Casino Theater AG. Zum Kreis der engen Casino-Freunde zΓ€hlen auch Fred Kindle, Ex-CEO von Sulzer und ABB, sowie Peter Spuhler, SVP-Nationalrat und Besitzer von Stadler Rail. Hohe Comedy-Kunst war es, als Giacobbo letzten Herbst seinen Intimus Spuhler in die Β«Late Service PublicΒ»-Show einlud und mit ihm – per Sie – ein handzahmes Interview fΓΌhrte.
Spuhler ist auch mit RΓΌegg verbandelt: Der Finanzexperte sitzt im VR von Spuhlers Stadler Rail. Zur den Buddies gehΓΆrt weiter Urs Berger, CEO der Mobiliar. Der Versicherer ist GΓΆnner des Theaters und Sponsor der Β«Late Service PublicΒ»-Show – und darf im Gegenzug die TV-Aufzeichnung als Hospitality-Plattform fΓΌr Kunden benutzen.

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Die Gegner
Giacobbos Feindschaften sind Konjunkturzyklen unterworfen. Als SVP-PrΓ€sident fΓΌhlte sich Ueli Maurer missverstanden, weil er in Sketches stets als dΓΌmmlicher Laufbub Christoph Blochers daherkam. Seit Maurers Wahl in den Bundesrat ist das VerhΓ€ltnis entkrampfter. AbgekΓΌhlt ist dagegen der Kontakt zu Blocher, den Giacobbo einst zu einem seiner liebsten Show-Acts zΓ€hlte und mit dem er auch schon mal privat verkehrte. Nun ist die leise Bewunderung offener Distanzierung (Β«ein alter Mann, der nicht loslassen kannΒ») gewichen. Etwas reserviert scheint auch das VerhΓ€ltnis zu Medienminister Moritz Leuenberger, einst einem regelmΓ€ssigen Gast in Giacobbos Theater. Not amused ist der Magistrat, wenn er in der sonntΓ€glichen TV-Show als entschwebter SchΓΆngeist persifliert wird.
Zunehmend schwer tut sich der ehemalige Linke Giacobbo mit Hardcore-Syndikalisten wie Christine Goll, die sich gegen liberalisierte LadenΓΆffnungszeiten stemmen.
Die GΓΆnner
Zu den Sympathisanten des Theaters gehΓΆrt Rolando Benedick, ehemals CEO von Manor. Seit seinem Abgang sind die Sponsorengelder allerdings versiegt. Zu den aktuellen Geldgebern gehΓΆrt Pierin Vincenz, CEO der Raiffeisenbank, die in Giacobbos Etablissement gerne KundenanlΓ€sse veranstaltet.
Rund um die Casino Immobilien AG – ihr gehΓΆren die Immobilien des Theaters – sind die Branchenexperten versammelt. Dazu gehΓΆren der Winterthurer Architekt Michael GnΓ€dinger und Avireal-Besitzer Remo Stoffel. Stoffel soll sogar Giacobbos wichtigster EinzelaktionΓ€r sein. Theaterbesucher und (zum Teil) AktionΓ€re sind Bruno Gehrig, Roche-VizeprΓ€sident (stammt auch aus Winterthur), Franziska Tschudi, CEO Wicor-Gruppe, und JΓΌrg Wildberger, alter Giacobbo-Kollege aus Fernsehzeiten und heute PR-Berater in ZΓΌrich.

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Der Werdegang
Der ehemalige Maoist Giacobbo, gelernter Schriftsetzer, spΓ€ter Korrektor und Mediendokumentalist, wandelt heute als linksliberaler Freigeist durch die Polit-Landschaft. In seiner vielfΓ€ltigen Karriere ist Kabarettist Patrick Frey ein treuer Begleiter. Frey hat viel ΓΆkonomischen Sachverstand und prΓ€sidiert die Immobiliengesellschaft des Theaters.
Über die Sprachgrenzen schaffte es Giacobbo, als er mit dem National-Circus Knie durchs Land tingelte. Noch heute ist er mit den Knies freundschaftlich verbunden. Die aktuellen TV-Erfolge fÀhrt er mit Kollege Mike Müller ein. Giacobbos Einzelfirma Abundzu GmbH ist an seinem Wohnort domiziliert.
Das Privatleben
Das Privatleben hΓ€lt Giacobbo unter Verschluss. Der Vater war Metzger, die Mutter Damenschneiderin. Der neun Jahre Γ€ltere Bruder Bruno Giacobbo betrieb ein AntiquitΓ€tengeschΓ€ft, seit ein paar Jahren tritt er als KΓΌnstler auf und sonnt sich im Promi-Status des Bruders. Ein alter Bekannter aus Oberwinterthur ist SF-Sport-Kommentator Beni Thurnheer. Die Boulevardseiten fΓΌllte der Theaterbetreiber vor ein paar Jahren durch die mittlerweile beendete Liaison mit Komikerin Nadia Sieger (Ursus & Nadeschkin). Der Entertainer wohnt zwischen Reben bei Neftenbach.

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