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Machtnetz von Peter Rothwell: Ein harter Hund

Der neue Kuoni-Chef Peter Rothwell ist ein zupackender Touristikprofi. Im Zentrum steht nur eines – die Rendite.

Stefan Barmettler HZ

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Der Job ist einer der prestigetrΓ€chtigsten der Schweizer Wirtschaft, der kΓΌnftige Inhaber weitgehend unbekannt. Peter Francis Rothwell (49) wird Anfang 2009 Konzernchef der Kuoni Group. Branchenkenner attestieren dem smarten Briten profundes Branchenwissen und strategischen Weitblick. Der Mann, der stets einen militΓ€rischen Kurzhaarschnitt trΓ€gt, gilt auch als Β«harter HundΒ», der sich durchzusetzen weiss. Unter Beweis gestellt hat er diese PrimΓ€reigenschaft bei den frΓΌheren Arbeitgebern Thomson Travel, Airtours und bei TUI Travel.
Die grΓΆsste Herausforderung, die Rothwell bei Kuoni erwarten dΓΌrfte: Der Traditionskonzern positioniert sich nach einem teuren Marken-Relaunch als exklusiver Highend-Touristiker, der auf Sinnlichkeit setzt. Der kΓΌnftige Chef dagegen ist geprΓ€gt vom britischen Massenmarkt, wo knallhart kalkuliert wird und der Preis das Hauptargument fΓΌr einen Kaufentscheid ist. Β«Value for MoneyΒ» lautet denn auch Rothwells Devise; man muss den hart arbeitenden Kunden in ihren Ferien etwas bieten. Wohlklingende Imagebotschaften sind ihm ein GrΓ€uel.
Zuweilen galt der Brite gar als Β«number cruncherΒ», als ultrascharfer Rechner, der nur dort investiert, wo ein rascher Return on Investment winkt. Denn fΓΌr Rothwell zΓ€hlte bis dato nur eines: Rendite, Rendite, Rendite.

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Seine Mitstreiter
Bereits vor drei Jahren stand Peter Rothwell als Chef von Kuoni zur Debatte. Doch der Brite schaffte es – nach GesprΓ€chen mit Kuoni-VerwaltungsrΓ€ten – nicht auf die Shortlist. Stattdessen machte damals der branchenfremde IT-Experte Armin Meier das Rennen. Dessen Gastspiel beim Touristikunternehmen dauerte gerade mal drei Jahre, im Dezember 2007 war Schluss; damit schlug die Stunde des einst verschmΓ€hten Rothwell.
Im Kuoni-VR fand der EnglΓ€nder diesmal den Support von Axpo-Chef Heinz Karrer, Leiter des Nomination Committee, und von Unternehmensberater David Schnell, dem heimlichen starken Mann im Reisekonzern. Rothwell hat in den letzten Jahren
breite Erfahrung als Tourismusmanager im Milliardenkonzern TUI gesammelt und war dank seiner zupackenden Art das Liebkind von Konzernchef Michael Frenzel. Sein SalΓ€r soll damals 2,5 Millionen Franken betragen haben. Nach der Fusion der deutschen TUI mit der britischen First Choice (2007) musste Frenzel empfindlich Macht abgeben – sein Intimus Rothwell wurde kaltgestellt. Da kam die neuerliche Anfrage aus ZΓΌrich gerade zur rechten Zeit.

Seine Widersacher: Stelios Haji-Ioannou und Thomas Stirnimann
Im Schweizer Reisemarkt ist es definitiv vorbei mit der Ruhe. Kuoni, Hotelplan, TUI Suisse und ITS Coop balgen sich bei Minimargen um Marktanteile. Spannend wird der Kampf zwischen den Platzhirschen Kuoni und Hotelplan. Bei Letzterem hat Thomas Stirnimann einen aggressiven Boys Club aus Ex-Kuoni-Kaderleuten zusammengestellt.

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Der kΓΌnftige Kuoni-Chef ist ein erprobter Wettbewerber. Als Chef der britischen Thomson Travel, die eine eigene Charter-Airline betrieb, balgte er sich mit Online-Anbietern wie Expedia und Billigfliegern wie EasyJet von Stelios Haji-Ioannou. Rothwell modelte seine Chartergesellschaft zum Low-Cost Carrier um, baute das Internet zum wichtigsten Vertriebskanal aus und schraubte an den Kosten. Er baute 1000 Mitarbeiter ab (zehn Prozent der Belegschaft) und verlegte den Thomson-Hauptsitz von London ins wenig glamourΓΆse, dafΓΌr billigere Luton.
Seine Vorbilder: David Crossland
Zum Bekanntenkreis von Peter Rothwell gehΓΆrt alles, was in der europΓ€ischen Touristik Rang und Namen hat. Zum Beispiel der Schweizer Peter Diethelm, der fΓΌr Kuoni in Grossbritannien ein lukratives GeschΓ€ft auf- und ausbaute. Der 67-jΓ€hrige Reiseexperte ist heute als Associate Partner bei Hitz & Partner Corporate Finance im M&A-GeschΓ€ft aktiv. Rothwells Vorbild ist David Crossland, GrΓΌnder und langjΓ€hriger Lenker von Airtours Holidays. In den achtziger und neunziger Jahren galt Crossland als Branchenikone, als einer, der es vom Schulversager bis in die Reichstenliste Grossbritanniens gebracht hatte – und dies innert 20 Jahren. Rothwell arbeitete mehrere Jahre fΓΌr MilliardΓ€r Crossland. Bei ihm lernte er den sparsamen Umgang mit Ressourcen. Selbst als TUI-Vorstand sass Rothwell im GrossraumbΓΌro an einem billigen Normpult.

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Sein Privatleben
Der kΓΌnftige Kuoni-Chef mag (oder darf) bis Stellenantritt nicht reden. So viel lΓ€sst sich nachzeichnen: Er hat in Oxford Deutsch und FranzΓΆsisch studiert, beide Sprachen redet er fliessend. Er wohnt in historischen GemΓ€uern in einem Nest namens Little Gaddesden nΓΆrdlich von London, wird aber auf Ende Jahr in die Schweiz umziehen. Rothwell ist zum zweiten Mal verheiratet, hat zwei Kinder, Emily (22) und Christian (4).
Vater William Rothwell war Professor fΓΌr mittelalterliches FranzΓΆsisch an der UniversitΓ€t Manchester. Filius Peter lotste neben dem Studium US-Touristen im Bus durchs KΓΆnigreich. Kurzweilig sei es gewesen, aber auch Β«sehr lukrativΒ», meinte er einst im Β«IndependentΒ».
Seine Hobbies
Rothwell ist ein Β«action manΒ», stets auf der Suche nach dem nΓ€chsten Kick. In der Freizeit fliegt er Helikopter, noch lieber ist er mit seiner einmotorigen Turboprop unterwegs. Dazwischen segelt er, oder er steigt mit Fellen an den Ski BerghΓ€nge hoch, um im Tiefschnee wieder nach unten zu sausen.
Zu verdanken hat er seine schier unerschΓΆpfliche Freizeit auch Peter Long, dem Chef von TUI Travel, der bis Ende 2007 sein Vorgesetzter war. Weil sich die beiden Alphatiere nicht vertrugen, musste Rothwell ΓΌber die Klinge springen. Und da Long auf Rothwells zwΓΆlfmonatige KΓΌndigungsfrist pocht, kann dieser bis zum Stellenantritt bei Kuoni noch ein halbes Jahr seinen vielfΓ€ltigen Hobbies frΓΆnen – fΓΌrstlich honoriert, wohlverstanden.

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