Mein Beruf, aber auch meine private Lebensgestaltung bringen es mit sich, dass ich ziemlich hรคufig im Flieger unterwegs bin. Auf all meinen Reisen ist, Gott sei Dank, erst einmal ein Koffer verloren gegangen, auf dem Rรผckweg von einer Hochzeit irgendwo zwischen Palermo, Rom und Zรผrich-Kloten. Seither packe ich alles, was mir lieb und teuer ist, ins Handgepรคck.
Mit dem Bluesmart Carry-on, dem laut Hersteller ยซersten intelligenten Koffer der Weltยป, soll das nicht passieren. Er spielt mit 469 Franken in der Preisklasse von Edelfabrikaten wie Rimowa oder Tumi. Die gleiche Wertigkeit vermag sein Polycarbonat-Gehรคuse zwar nicht zu vermitteln, aber die Verarbeitung ist vernรผnftig.
Mit 56 mal 36 mal 23 Zentimetern รผberragt der Koffer die Handgepรคcksvorschriften von Swiss, Lufthansa und Air Berlin um einen Zentimeter, was in der Praxis aber kaum eine Rolle spielen dรผrfte. 34 Liter fasst der Koffer offiziell, subjektiv kam er mir aber deutlich kleiner vor als Gepรคckstรผcke gleichen Inhalts. Das liegt wohl auch am gewaltigen Akku. Er lรคdt via zwei USB-Ports im Seitenfach und an der Rรผckseite ein Smartphone bis zu sechs Mal, allerdings recht langsam. Bei Tablets funktioniert es entgegen der Herstellerangabe nicht.
Einfach auszutricksen
Der eingebaute Bluetooth-Chip erkennt, wenn Sie sich vom Gepรคckstรผck entfernen, und verschliesst automatisch die Lasche, die den Reissverschluss des Koffers sichert. Leider lรคsst sich diese Sicherung einfach austricksen, wenn Sie mit einem Stift die Schieber des Reissverschlusses unter der Lasche herausdrรผcken. Auch die Waage im Griff, die via App das Gewicht des Koffers anzeigt, ist nur theoretisch brauchbar, denn ihre Messung schwankt sehr stark.
Das wichtigste Verkaufsargument des Bluesmart: Dank eingebauter SIM-Karte und GPS sollen Sie den Koffer รผberall per App orten kรถnnen. Mal abgesehen davon, dass das bei einem aufzugebenden (und entsprechend grรถsseren) Koffer mehr Sinn machen wรผrde als bei einem Handgepรคck: Es funktioniert nicht, ausser wenn der Koffer innerhalb Bluetooth-Reichweite (ein paar Meter) ist. Und was die US-Sicherheitsbehรถrden sagen, wenn sie beim Rรถntgen im Koffer Batterie und Drรคhte entdecken, will ich gar nicht erst wissen.
Fazit: Der Bluesmart verspricht viel und hรคlt wenig. Die wichtigsten Features funktionieren nicht (Ortung, Tablets laden), sind zu ungenau (Waage) oder lassen sich einfach รผberlisten (elektronisches Schloss). Fรผr das gleiche Geld kaufen Sie sich lieber einen guten normalen Koffer plus ein Batteriepack.
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Technoschrott โ
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verzichtbar โ
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nice to have โ
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cool โ
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wegweisend
Marc Kowalsky (45) ist ein Early Digital Immigrant: Seit 30 Jahren fรผhlt er den neusten IT-Produkten auf den Zahn.