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Kowalskys Crashtest: Blaues Wunder

Der intelligente Koffer Bluesmart verspricht, das Reisen neu zu erfinden. Er sollte besser selbst neu erfunden werden.

Marc Kowalsky

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Verspricht viel und hΓ€lt wenig: Der Bluesmart im Crashtest. PR RMS

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Mein Beruf, aber auch meine private Lebensgestaltung bringen es mit sich, dass ich ziemlich hΓ€ufig im Flieger unterwegs bin. Auf all meinen Reisen ist, Gott sei Dank, erst einmal ein Koffer verloren gegangen, auf dem RΓΌckweg von einer Hochzeit irgendwo zwischen Palermo, Rom und ZΓΌrich-Kloten. Seither packe ich alles, was mir lieb und teuer ist, ins HandgepΓ€ck.
Mit dem Bluesmart Carry-on, dem laut Hersteller Β«ersten intelligenten Koffer der WeltΒ», soll das nicht passieren. Er spielt mit 469 Franken in der Preisklasse von Edelfabrikaten wie Rimowa oder Tumi. Die gleiche Wertigkeit vermag sein Polycarbonat-GehΓ€use zwar nicht zu vermitteln, aber die Verarbeitung ist vernΓΌnftig.
Mit 56 mal 36 mal 23 Zentimetern ΓΌberragt der Koffer die HandgepΓ€cksvorschriften von Swiss, Lufthansa und Air Berlin um einen Zentimeter, was in der Praxis aber kaum eine Rolle spielen dΓΌrfte. 34 Liter fasst der Koffer offiziell, subjektiv kam er mir aber deutlich kleiner vor als GepΓ€ckstΓΌcke gleichen Inhalts. Das liegt wohl auch am gewaltigen Akku. Er lΓ€dt via zwei USB-Ports im Seitenfach und an der RΓΌckseite ein Smartphone bis zu sechs Mal, allerdings recht langsam. Bei Tablets funktioniert es entgegen der Herstellerangabe nicht.

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Einfach auszutricksen

Der eingebaute Bluetooth-Chip erkennt, wenn Sie sich vom GepΓ€ckstΓΌck entfernen, und verschliesst automatisch die Lasche, die den Reissverschluss des Koffers sichert. Leider lΓ€sst sich diese Sicherung einfach austricksen, wenn Sie mit einem Stift die Schieber des Reissverschlusses unter der Lasche herausdrΓΌcken. Auch die Waage im Griff, die via App das Gewicht des Koffers anzeigt, ist nur theoretisch brauchbar, denn ihre Messung schwankt sehr stark.
Das wichtigste Verkaufsargument des Bluesmart: Dank eingebauter SIM-Karte und GPS sollen Sie den Koffer ΓΌberall per App orten kΓΆnnen. Mal abgesehen davon, dass das bei einem aufzugebenden (und entsprechend grΓΆsseren) Koffer mehr Sinn machen wΓΌrde als bei einem HandgepΓ€ck: Es funktioniert nicht, ausser wenn der Koffer innerhalb Bluetooth-Reichweite (ein paar Meter) ist. Und was die US-SicherheitsbehΓΆrden sagen, wenn sie beim RΓΆntgen im Koffer Batterie und DrΓ€hte entdecken, will ich gar nicht erst wissen.
Fazit: Der Bluesmart verspricht viel und hΓ€lt wenig. Die wichtigsten Features funktionieren nicht (Ortung, Tablets laden), sind zu ungenau (Waage) oder lassen sich einfach ΓΌberlisten (elektronisches Schloss). FΓΌr das gleiche Geld kaufen Sie sich lieber einen guten normalen Koffer plus ein Batteriepack.

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Bluesmart Carry-on
Info: www.bluesmart.com
Preis: 469 Franken bei galaxus.ch

Bewertung: β˜…β˜†β˜†β˜†β˜†
β˜… Technoschrott β˜…β˜… verzichtbar β˜…β˜…β˜… nice to have β˜…β˜…β˜…β˜… cool β˜…β˜…β˜…β˜…β˜… wegweisend
Marc Kowalsky (45) ist ein Early Digital Immigrant: Seit 30 Jahren fΓΌhlt er den neusten IT-Produkten auf den Zahn.
Über die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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