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Multimedia

Kowalskys Crash Test: Nokia Lumia 1020

Mit dem Lumia 1020 baut Nokia eine beeindruckende Kamera in ein weniger beeindruckendes Smartphone.

Marc Kowalsky

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Bilderbuch-Handy: Nokia Lumia 1020 RMS

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Es war im Jahre des Herrn 2002, als Nokia mit dem 7650 das erste Kamera-Handy vorstellte. Es knipste mit 0,3 Megapixeln, hatte weder Blitz noch Zoom, sollte aber laut dem damaligen Konzernchef Jorma Ollila Β«ein neues ZeitalterΒ» einlΓ€uten. Es dauerte dann bis zum iPhone, bis sich das Fotografieren mit dem Handy wirklich durchsetzte. Inzwischen ist die Nokia-Γ„ra zu Ende, doch kurz bevor das HandygeschΓ€ft von IT-Giganten Microsoft geschluckt wird, leisten die Finnen noch einmal einen fotografischen Kraftakt: Nicht weniger als 41 Megapixel erkennt das Lumia 1020 – mehr als die allermeisten Profikameras.
Das Ergebnis ist wirklich beeindruckend: Im direkten Vergleich mit meiner 18-Megapixel-Kompaktkamera liefert  das Nokia deutlich sattere Farben, kommt besser mit Gegenlicht zurecht, zeichnet detailtreuer. Bei wenig Licht und ohne den Xenon-Blitz ist das iPhone 5 aber auch nicht schlechter. FΓΌr SchnappschΓΌsse ist das Lumia zu langsam: Die Kamera-App startet nur trΓ€ge, die AuslΓΆseverzΓΆgerung dauert rund eine Sekunde, bis zum nΓ€chsten Bild vergehen weitere vier. Ein optischer Zoom fehlt, doch bei der hohen AuflΓΆsung kann man ohne QualitΓ€tsverlust auch erst nachher ins Bild zoomen. Sogar ein optischer Bildstabilisator ist verbaut.

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Von jedem Foto legt das Lumia zwei Versionen an: eine heruntergerechnete 5-Megapixel-Version, die sich auch per Mail oder soziale Netzwerke teilen lΓ€sst, und das Original in voller AuflΓΆsung. Dessen Transfer funktioniert nur ΓΌber ein antiquiertes ZusatzgerΓ€t, das im letzten Jahrzehnt unter dem Namen USB-Kabel bekannt war.
Der Rest des Windows-8-Smartphones ist guter Durchschnitt: Das PolycarbonatgehΓ€use macht einen wertigen Eindruck, aber wegen der bauchigen Kamera liegt es nicht flach auf. Die Funktechniken LTE und NFC sind an Bord, ein SD-Kartenslot fehlt. Der 4,5-Zoll-Schirm bietet nominell nur eine mΓ€ssige AuflΓΆsung, dafΓΌr gute Farben und Kontraste. Nicht gefallen hat mir die QualitΓ€t der Musikwiedergabe. Die (nicht austauschbare) Batterie kommt locker durch den Tag, wird aber schnell heiss. Wer mehr Saft braucht, kann fΓΌr 58 Franken den Camera Grip hinzukaufen: Er bietet einen Extra-Akku, einen besseren AuslΓΆser und ein Stativgewinde. Ein Schwachpunkt ist das Angebot an Apps: Zwar ist mit Office, dem Kartendienst Here oder dem NaviDrive hochwertige Software mit dabei, aber Standards wie Instagram fehlen noch immer.
Fazit: Wer mit dem Handy vor allem fotografiert, kommt um das Lumia 1020 nicht herum. Trotz manchen SchwΓ€chen ist es das derzeit beste Camera Phone.

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Nokia Lumia 1020
Infos: www.nokia.ch
ErhΓ€ltlich: im Fachhandel
Preis: Fr. 798.– (ohne Abo)
Bewertung: β˜…β˜…β˜…β˜…



β˜… Technoschrott β˜…β˜… verzichtbar β˜…β˜…β˜… nice to have
β˜…β˜…β˜…β˜… cool β˜…β˜…β˜…β˜…β˜… wegweisend
Über die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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