Von der Industrie gesponsert: Ärztinnen und Ärzte erhalten geldwerte Leistungen. Diese Illustration wurde vom KI-Modell Midjourney generiert und von einem Menschen überprüft und finalisiert. HZ MONTAGE/MIDJOURNEY
Dem Psychiater Achim Burrer bezahlte das Pharmaunternehmen Recordati letztes Jahr Hotelübernachtungen im Wert von 1234 Franken. Mit 2000 Franken wurde das Blutspendezentrum SRK von Bristol Myers Squibb gesponsert, weitere 3178 Franken erhielt es als Honorare oder Spesenbeteiligungen. Und 4000 Franken investierte Novartis in das Basler Augenspital. Drei Beispiele von Zigtausenden: Ärztinnen werden an Kongresse eingeladen und für Reden bezahlt, Projekte werden unterstützt, Spitäler für Kooperationen abgegolten. Teilweise im Millionen-Franken-Bereich, wie die Recherchen zeigen. Gelder, von denen sich die Industrie einen Nutzen verspricht und auf die die Empfänger ungern verzichten.
Zusammen mit dem «Beobachter», «Blick» und «Sonntagsblick» hat die «Handelszeitung» die zahlreichen Einzelmeldungen ausgewertet, welche die Pharmaunternehmen im Rahmen einer Selbstregulierung offenlegen. Das Ergebnis: 2022 floss ein Rekordbetrag von der Industrie an jene, die im Gesundheitswesen tätig sind. 221 Millionen Franken, ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
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Der leichte Einbruch, der infolge der Corona-Pandemie in der Pharmagelder-Statistik abzulesen war, ist mittlerweile wieder mehr als aufgeholt. Das Wachstum war noch nie so gross seit der ersten Auswertung dieser Daten.
Die höchsten Gesamtbeträge bezahlten Novartis (31 Mio. Fr., plus 1 Prozent), Roche (22 Mio. Fr., minus 14 Prozent) und Pfizer (20 Mio. Fr., plus 15 Prozent). Von den zehn grössten Sponsoren am stärksten zugelegt hat Glaxo Smith Kline mit einem Plus von nicht weniger als 161 Prozent auf 14 Millionen Franken.
Insgesamt legte die Industrie Einzelzahlungen offen – im Umfang von 124 Millionen Franken an Organisationen und 7,5 Millionen an Einzelpersonen wie Ärztinnen oder Ausbildungsverantwortliche.
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Von den beglückten Organisationen erhielt – einmal mehr – die European Society for Medical Oncology (ESMO) den grössten Betrag mit knapp 22 Millionen Franken. 2,3 Millionen bekam sie allein von MSD, weitere zwei Millionen von AstraZeneca.
Auf den Rängen dahinter folgen andere Organisationen, die sich einem spezifischen Forschungsbereich widmen und unter anderem als Veranstalter von Kongressen tätig sind – etwa in den Bereichen Rheuma, Atemerkrankungen, Dermatologie oder Aids.
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Gesponsert werden die Empfängerinnen und Empfänger in der Regel von jenen Pharmaunternehmen, die Medikamente für die Behandlung der jeweiligen Krankheiten herstellen.
Ebenfalls unter die Top Ten der grössten Geldempfänger kam 2022 das Berner Inselspital mit einem Total von rund zwei Millionen Franken. Auch die übrigen grossen Universitäten, Universitäts- und Kantonsspitäler gehören zu den Empfängern solcher Unterstützungsbeiträge.
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Die am grosszügigsten unterstützte Einzelperson war 2022 der unter anderem für die WHO tätige Jean-Yves Reginster, der mit 75’240 Franken zum ersten Mal überhaupt in den Top Ten auftaucht. Reginster wurde ausschliesslich von Viatris (ehemals Mylan) unterstützt. Am zweitmeisten floss an Luc Biedermann vom Unispital Zürich (55'677 Fr.). Anders als Reginster wurde Uniprofessor Biedermann von neun verschiedenen Pharmaunternehmen gesponsert.
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Insgesamt erhielten 2022 knapp 3700 Einzelpersonen Geld von der Pharmaindustrie. Details zu allen Empfängerinnen und Empfängern können unter www.pharmagelder.ch abgefragt werden.
Einen Teil der Zuwendungen legen die Pharmaunternehmen nach wie vor nicht offen: Knapp 90 Millionen flossen 2022 in Form von Forschungspartnerschaften an Ärzte oder Spitäler, ohne dass die Empfänger namentlich genannt werden.
RASCH
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Pharmagelder: Wer bezahlt wen und wofür?
Recherche Sehen Sie selbst, welche Leistungen die Pharmaindustrie Ärzten, Spitälern und anderen Institutionen der Gesundheitsbranche zukommen liess: Auf www.pharmagelder.ch machen die Schweizer Medien des Ringier Axel Springer Research Network die Daten zugänglich und durchsuchbar. Die Daten zu Tausenden Einzelzahlungen stammen von 60 Pharmafirmen, die sie gemäss Pharma-Kooperations-Kodex des Verbands Scienceindustries offengelegt haben.
Netzwerk «Pharmagelder Schweiz» ist ein Projekt des Ringier Axel Springer Research Network. Im Netzwerk arbeiten Journalisten verschiedener Medien bei transnationalen, datengetriebenen oder investigativen Projekten zusammen. Teil davon sind: «Beobachter», «Blick»- Gruppe und «Handelszeitung» (Schweiz), «Welt» und «Bild» (Deutschland), «Pulse» (Nigeria), «Politico» (Belgien), «Onet» (Polen), «Business Insider» (Vereinigtes Königreich), «Aktuality. sk» (Slowakei), «Libertatea» (Rumänien), «Blic» (Serbien), «Blikk» (Ungarn).
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