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Memoiren

Fall Raoul Weil: Ex-UBS-Top-Shot gibt Einblick

Raoul Weil war die Nummer drei der UBS, bis ihn die USA wegen Beihilfe zum Steuerbetrug anklagten. Nun kommt seine Sicht auf einen der aufsehenerregendsten Wirtschaftsprozesse in die BuchlΓ€den.

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Raoul Weil: «Das Schreiben hielt mich im Knast über Wasser.»  Keystone RMS

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Es war einer der aufsehenerregendsten Wirtschaftsprozesse der letzten Jahre: Der Fall des frΓΌheren UBS-Bankers Raoul Weil, der von der US-Justiz wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt war. Jetzt verΓΆffentlicht Weil seine Memoiren - ΓΌber die Zeit von der Verhaftung in Italien bis zum Freispruch in den USA.
Das Buch Β«Der Fall WeilΒ» besteht grΓΆsstenteils aus Tagebuchnotizen und Prozessaufzeichnungen, ergΓ€nzt mit Hintergrundinformationen zum Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA. Darin zeichnet der ehemalige Chef der weltweiten VermΓΆgensverwaltung und Nummer 3 der UBS das Bild eines unbescholtenen Managers, der von der US-SteuerbehΓΆrde als SΓΌndenbock im Kampf gegen die Steuerhinterziehung missbraucht wurde.

Nicht von der Chefetage orchestriert

Die damaligen Praktiken der UBS in den USA wurden gemΓ€ss Weil nicht von der Chefetage orchestriert, sondern gingen auf einzelne Kundenberater zurΓΌck: Β«Bei 63'000 Mitarbeitenden gab es schlicht eine statistisch extrem hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich das eine oder andere schwarze Schaf darunter befand.Β»
Neben der Schweizer Justiz geht Weil auch mit seinen frΓΌheren Arbeitskollegen bei der UBS hart ins Gericht: Β«Die Art und Weise, wie mir ehemalige WeggefΓ€hrten, von denen ich bei einigen dachte, es seien Freunde, den Schwarzen Peter zuschoben, erschΓΌtterte mein Vertrauen zu den Menschen in seinen Grundfesten.Β»

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Untersuchungshaft in Italien

Weils Buch, das sich wie ein Kriminalroman liest, beginnt mit seiner Verhaftung in Bologna und der Schilderung des 56-tΓ€gigen Aufenthalts in Untersuchungshaft. Dabei kam es immer wieder zu ungemΓΌtlichen Begegnungen mit seinen Mitgefangenen: Β«Tarek packte mich mit der linken Hand am Kragen und drΓ€ngte mich gegen die TΓΌr der Zellentoilette. Mit dem rechten Unterarm quetschte er meinen Hals an das Sperrholz. Der Druck auf meinen Kehlkopf liess mich wΓΌrgen und husten. Blitzschnell zΓΌckte er eine unter dem Tischchen festgeklemmte Klinge und fuchtelte mit der scharfen Waffe wild entschlossen vor meiner Nasenspitze herum.Β»
Weil beschreibt anekdotenhaft den GefΓ€ngnisalltag, die grosse psychische Belastung und die Unsicherheit ΓΌber seine Zukunft. Insgesamt dreimal wird sein Antrag auf Hausarrest abgelehnt. Einen wichtigen Teil in Weils Aufzeichnungen nimmt seine Frau ein. Immer wieder besucht sie ihn im GefΓ€ngnis in Bologna und koordiniert von der Schweiz aus die juristischen Belange.

Prozessvorbereitung in den USA

Der inhaltlich brisantere Teil des Buchs beginnt mit Weils Auslieferung an die USA und dem 10-monatigen Hausarrest mit elektronischen Fussfesseln. Durch die Schilderung der minutiΓΆsen Prozessvorbereitung mit seinen AnwΓ€lten erhΓ€lt der Leser eine neue Perspektive auf den Fall.

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Immer wieder ist auch vom Kronzeugen der US-Staatsanwaltschaft, Martin Liechti, die Rede. Sein Name wurde im Buch in Dieter Dunkel geΓ€ndert. Der frΓΌhere Chef des amerikanischen Offshore-GeschΓ€fts wurde 2008 von den US-BehΓΆrden unter Hausarrest gestellt und zur Kooperation gezwungen. Im Austausch gegen eine detaillierte Zeugenaussage gegen seinen ehemaligen Chef Weil kam er jedoch auf freien Fuss.
Wie im Buch zu erfahren ist, geriet das Protokoll der Aussage Liechtis aufgrund eines Missgeschicks des US-Justizdepartements bereits vor Prozessbeginn in die HΓ€nde der Verteidigung. Weil beschreibt diesen Moment als wichtigen Etappensieg. Seine AnwΓ€lte hΓ€tten dadurch die Hauptangriffsargumente gegen ihn auf dem Tisch gehabt.
Zum Inhalt des Protokolls schreibt er: Β«Beim Lesen wurde mir nicht nur ΓΌbel, ich fΓΌhlte mich zum Kotzen! Unglaublich, wie Menschen in BedrΓ€ngnis die Wahrheit zurechtbiegen, um ihre eigene Haut zu retten.Β»

Einstimmiger Freispruch

Die Beschreibung des eigentlichen Prozesses vor dem Gericht in Fort Lautherdale, der drei Wochen dauerte und bei dem Weil einstimmig von der Anklage der VerschwΓΆrung zum Zweck des Steuerbetrugs freigesprochen wurde, fΓΆrdert wenig Neues zu Tage. Das meiste ist bereits aus der Prozessberichterstattung der Medien bekannt.

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Auch hier ist vor allem die persΓΆnliche Perspektive interessant. So ist einiges ΓΌber die Strategie und Taktik von Weils AnwΓ€lten beim KreuzverhΓΆr mit Liechti zu erfahren: Β«Wir wollen gegenΓΌber der Staatsanwaltschaft keine Flanke erΓΆffnen und schleifen Dunkel durch den ganzen Montag, so bieten wir dem Departement of Justice keine Gelegenheit, ΓΌber Nacht oder wΓ€hrend der Mittagspause eine optimale Abwehr zu organisieren. Wir mΓΌssen Dunkel morgen vor elf Uhr blitzartig niederstrecken, damit die Staatsanwaltschaft gezwungen ist, unsere Attacke aus dem Stegreif zu parieren.Β»

Von persΓΆnlichen Motiven getrieben

GemΓ€ss Weil war Liechti beim Prozess auch von persΓΆnlichen Motiven getrieben: Β«Er versuchte in erster Linie, mich in die Pfanne zu hauen und jegliche Verfehlungen seitens der OSB (gemeint ist die UBS) auf mich abzuwΓ€lzen. Dabei ging er weiter, als es seine Verpflichtungen gegenΓΌber dem DoJ nΓΆtig gemacht hΓ€tte. Ganz offenbar schien er mich fΓΌr seine Situation verantwortlich zu machen. Sein Hass auf mich muss auch fΓΌr die Geschworenen ersichtlich gewesen sein.Β»
Weil hΓ€lt fest, dass es ihm mit seinem Buch nicht um eine persΓΆnliche Abrechnung mit den involvierten Personen gehe. Vielmehr gehe es ihm darum Β«jene Facetten zu schildern die in der ΓΆffentlichen Berichterstattung auf der Strecke blieben.Β» Und weiter: Β«Das Schreiben hielt mich im Knast ΓΌber Wasser. Mit jeder geschriebenen Seite konnte ich Ballast abwerfen und die Geschehnisse verarbeiten.Β»

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(sda/ccr/jfr)

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