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Strategie

Die Pläne von Trump und seinen Milliardärsfreunden

In seinem Wirtschaftsprogramm verspricht Donald Trump nichts weniger als die grösste Steuerrevolution seit den 80er Jahren. Geschrieben wurde es von Machertypen, die wissen, wie man reich wird.

Donald Trump inszeniert sich gerne im Kreise seiner Familie. Hielt sich der Nachwuchs während der Wahlkampfkampagne anfangs noch zurück, nahmen die Sprösslinge nach und nach eine zentralere Rolle ein. Mittlerweile fungieren sie als enge Berater und sollen grossen Einfluss auf Donald Trump haben. Die Familienmitglieder im Überblick:
Donald Trumps dritte Ehefrau, Melania Trump, ist Model, Mutter und Unternehmerin. Beim Parteitag in Cleveland trat die 46-Jährige erstmals richtig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Teile ihrer Rede soll sie bei Michelle Obama abgekupfert haben. Bis dato agierte sie eher im Schatten des Immobilienmoguls. Die Erziehung ihres gemeinsamen Sohnes Barron laste sie genug aus, so Melania Trump.
Stattdessen stand während des Wahlkampfes seine älteste Tochter Ivanka Donald Trump zur Seite. Die eloquente 34-jährige Unternehmerin und dreifache Mutter gilt als Lieblingskind von «The Donald». Mit ihrem Auftreten als moderne Mutter und erfolgreiche Geschäftsfrau sollte sie im Wahlkampf vor allem Wählerinnen für ihren Vater gewinnen.
Auch Ivankas Ehemann, Jared Kushner, ist involviert. Der 35-jährige Immobilienunternehmer und Zeitungsverleger agierte als Wahlkampfmanager und sprang immer dann in die Bresche, wenn Trump Antisemitismus vorgeworfen wird. Denn Kushner stammt aus einer orthodoxen jüdischen Familie.
Donald Trump junior ist der älteste Sprössling des Milliardärs und zusammen mit seinen Geschwistern Ivanka und Eric Vize-Präsident des Trump-Unternehmens. Am Parteitag in Cleveland verkündete der 38-Jährige mit den Worten «Gratuliere, Dad. Wir lieben dich» das Erreichen der notwendigen Stimmenzahl.
Eric Trump (im Bild mit seiner Ehefrau Lara) ist der jüngste Sohn aus erster Ehe. Seit dem Jahr 2006 arbeitet er im Familienunternehmen. Im Sommer 2015 haben die drei Geschwister de facto die Leitung der operativen Geschäfte übernommen, nachdem Donald Trump seine Kandidatur zur US-Präsidentschaftswahl 2016 angekündigt hatte. Zudem hat Eric Trump eine eigene Wohltätigkeitsorganisation gegründet.
Tiffany Trump spielte im Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch hielt die jüngste und unbekanntere Trump-Tochter eine Rede am Parteitag in Cleveland. Es war ein Auftritt, den die 22-Jährige souverän meisterte. Sie ist das einzige Kind aus Donald Trumps zweiter Ehe mit der Schauspielerin Marla Maples und hofft auf eine Karriere als Sängerin. Anders als ihre Geschwister wuchs sie von ihrem Vater entfernt in Kalifornien auf. Bilder: Keystone
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RMS

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Nach den Fehltritten der vergangenen Tage hat Donald Trump in Detroit seine Pläne für die Wirtschaft präsentiert: Durch Steuersenkungen und Deregulierung will der republikanische US-Präsidentschaftskandidat die US-Wirtschaft voranbringen. Er kündigte «die grösste Steuer-Revolution» seit Ronald Reagan in den 1980er Jahren an.
Seine Ansprache in der krisengeplagten Autostadt Detroit positionierte Trump als eine Rede für den «kleinen Mann», den amerikanischen Arbeiter. Der Milliardär verkündete neue Steuerpläne, die «Menschen wie mir wehtun mögen», aber vor allem Menschen mit kleineren und mittleren Einkommen helfen würden. In seiner Rede konkretisierte der Kandidat der Republikaner die Steuerpläne für Unternehmen und Einkommen und versprach Familien, dass sie Ausgaben für Kinder absetzen könnten.

Spitzensteuer soll bei 33 Prozent bleiben

Die neue Ausrichtung der Einkommenssteuer war die grösste Überraschung in Trumps dargelegten Programm. Demnach sind nur noch drei Sätze vorgesehen: Der Spitzensteuersatz solle 33 Prozent betragen. In den niedrigeren Einkommensklassen würden noch 12 beziehungsweise 25 Prozent fällig werden. Zuvor hatte Trump die Abgaben für Top-Verdiener auf 25 Prozent senken wollen, was nach Einschätzung von Steuerexperten zu einer beträchtlichen Aufblähung des Haushaltsdefizits führen würde. Aktuell bezahlen Spitzenverdiener in den USA 39,6 Prozent.

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Entscheidend am Wirtschaftsprogramm mitgearbeitet haben seine Wirtschaftsberater, die das absolute Gegenteil zum «kleinen Mann» darstellen. Denn sie sind grösstenteils wie er: weiss, alt und sehr reich. Frauen fehlen komplett auf der Liste, die Trump vor ein paar Tagen vorstellte. Mit vielen macht er schon seit Jahren Geschäfte, ihres Zeichen Hedgefondsmanager, Milliardäre und Investmentbanker - allesamt im Schnitt mehrere Hundert Millionen Dollar schwer. Trump ist bekannt dafür, dass er sich nur von Leuten beraten lässt, die er seit Langem kennt oder besser noch: mit denen er verwandt ist. Nur einer im Team ist akademischer Wirtschaftspolitik-Experte.

John Paulson ist der Prominenteste

Herausragendster Kopf ist dabei zweifellos John Paulson. Der Hedgefondsmanager wettete 2007 gegen den überhitzten Immobilienmarkt und machte dadurch Milliarden Dollar Gewinn. Jüngst waren seine Einschätzungen zu Aktienentwicklungen und Konjunktur jedoch weniger genau. In den vergangenen fünf Jahren büssten seine Investments massiv an Wert ein. Auf der Reichenliste des US-Magazins «Forbes» nimmt Paulson mit einem Vermögen von 9,8 Milliarden Dollar den 108. Platz ein.
Auch Steve Feinberg ist Milliardär, bringt es Schätzungen zufolge allerdings nur auf 1,25 Milliarden Dollar. Der Investmentmanager ist Chef der von ihm 1992 mitbegründeten Beteiligungsgesellschaft Cerberus Capital Management. Unter seiner Führung war das Unternehmen auch grösster Anteilseigner von Chrysler, bis der Autobauer 2009 mit staatlicher Hilfe saniert wurde.

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Ex-Goldman-Sachs-Partner

Ebenfalls Chef einer Beteiligungsgesellschaft ist Steven Munchin. Der Investmentmanager konzentriert sich auf Finanzierungsvorhaben in der Unterhaltungsbranche. Der Ex-Goldman-Sachs-Partner ist Chef der Beteiligungsgesellschaft Dune Capital Management. Er hat in der Vergangenheit häufig Geld an die Demokraten gespendet, einschliesslich deren Kandidatin Hillary Clinton. Mit Trump ist er nach eigenen Angaben seit mehr als 15 Jahren privat und beruflich verbunden.
Laut Trumps Wahlkampfstab ist auch Howard Lorber einer der besten Freunde des Präsidentschaftskandidaten. Lorber ist Chef der Vector Group, die Zigaretten herstellt und – wie Trump – im Immobiliengeschäft aktiv ist. Immobilienfinancier und Hotelentwickler Tom Barrack dagegen ist Gründer und Chef der Beteiligungsgesellschaft Colony Capital und ebenfalls langjähriger Freund Trumps.

Kaum Ökonomen

Im Wirtschaftsteam spärlich vertreten sind indes Ökonomen. So ist Peter Navarro der einzige Vertreter auf Trumps Beraterliste, der in Wirtschaftswissenschaften promovierte. Derzeit lehrt er als Wirtschaftsprofessor an der University of California in Irvine. Drei seiner neun Bücher befassen sich kritisch mit Chinas Rolle in der Welt. Er fordert einen Importzoll in Höhe von 45 Prozent auf chinesische Waren. Die USA sollten seiner Meinung nach eine strengere Haltung zu Diebstahl geistigen Eigentums und in Handelsfragen einnehmen.

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Auch Dan Dimicco ist ein scharfer China-Kritiker, der neue Handelsregeln zugunsten der US-Industrie fordert. Zuvor war er Chef von Nucor, einem der grössten US-Stahlproduzenten.

Auch ein Journalist im Team

Erfahrungen mit der Arbeit im Weissen Haus sammelte bereits David Malpass. Er war Vize-Staatssekretär im Finanzministerium unter Präsident Ronald Reagan und Vize-Staatssekretär im Aussenministerium unter Präsident George Bush senior sowie Chefökonom der Investmentbank Bear Stearns. Derzeit leitet er die Investmentberatungsfirma Encima Global. Er ist ein scharfer Kritiker der Geldpolitik der US-Notenbank, fordert mehr Investitionen in die Infrastruktur und Steuersenkungen.
Gleiches gilt für Stephen Moore, der die Anti-Steuern-Lobbygruppe Club of Growth gründete. Moore ist einer der führenden konservativen US-Wirtschaftsexperten, der für das «Wall Street Journal» arbeitete und derzeit der Denkfabrik Heritage Foundation angehört.
Doch die mangelnde Vielfalt im Beraterteam Trumps kann auch Moore als Journalist nicht wett machen. Die Wahlkampfleiter kündigten aber bereits an, dass Trump nach und nach seinen Wirtschaftsberaterstab erweitern wird. Dann sollen auch Frauen mitmachen dürfen.
(ccr mit Material von reuters)

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