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Startup

Das sind die Ideenmanager

Rready bietet ein Komplettpaket, um in Firmen neue Projekte und Kosteneinsparungen anzustossen und zu messen.

Marc Kowalsky

BIL 07/24 MA Startup RREADY
WertschΓΆpfer: Reto Wenger, Dave Hengartner, Vinzenz Leuenberger und Ralph Hartmeier (v.l.) treiben Innovation kostensenkend und ertragssteigernd voran. Roger Hofstetter fΓΌr BILANZ

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Die GeschΓ€ftsidee?

Firmen brauchen Innovation, um wettbewerbsfΓ€hig zu bleiben. Ein Ideenbriefkasten genΓΌgt dafΓΌr nicht. Rready bietet eine Software und eine Methode, die aus Ideen neue Projekte, Kosteneinsparungen und UmsΓ€tze in MillionenhΓΆhe erzielt und die Mitarbeitenden dabei weiterbildet.

Wie ist sie entstanden?

Die Rready-GrΓΌnder arbeiteten bei Swisscom und erkannten, welches Potenzial in den Mitarbeitenden steckt, wenn sie bei der Innovation aktiv involviert werden.

Warum der Name?

Erstens steht der Name fΓΌr Β«Rready-to-useΒ»-LΓΆsungen, um Innovationsmanagement in Firmen zu ermΓΆglichen. Zweitens dafΓΌr, dass durch die Realisierung von Innovationsprojekten Unternehmen Β«rreadyΒ» werden, um sich in einer sich schnell wandelnden Welt zu behaupten. Drittens dafΓΌr, dass Rready Mitarbeitende weiterbildet und sie aktiv einbindet.

Woher stammt das Startkapital?

Von der Swisscom, da das Produkt ursprΓΌnglich als internes Innovationsprogramm entwickelt wurde – ein Marktangebot war nicht geplant. Aufgrund des internen Erfolgs und der Marktnachfrage konnten fΓΌr das Spin-out 2021 VCs aus der Schweiz und den USA gewonnen werden, etwa Fyrfly Venture Partners, EquityPitcher Ventures und Verve Ventures.

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Womit erzielen Sie die UmsΓ€tze?

Rready bietet eine Innovation-as-a-Service-Lizenz fΓΌr Unternehmen mit 1000 und mehr Mitarbeitenden an. Es ist eine Kombination aus Softwareplattform, Methodik und Beratung.
Website: www.rready.com
GegrΓΌndet: Januar 2021
GrΓΌnder: Dave Hengartner (39), CEO; Reto Wenger (33), COO; Ralph Hartmeier (33), COO; Vinzenz Leuenberger (32), CPO
Firmensitz: ZΓΌrich
Anzahl Mitarbeiter: 20+
Umsatzziel fΓΌr 2024: >4 Mio. (ARR)
Profitabel: ab Anfang 2025

Die Vision?

Ideen-/Innovationsmanagement-Software muss ein Hygienefaktor werden; die Schwarmintelligenz der Belegschaft darf nicht verpuffen. Mithilfe unserer Software wollen wir jeder Firma kostenlos das Sammeln, Bewerten und Weiterentwickeln von Ideen ermΓΆglichen. Unsere WertschΓΆpfung fokussiert sich auf die Ideenvalidierung und die Implementierung.

Die grosse StΓ€rke?

Mitarbeiterideen werden, basierend auf den Unternehmenszielen, mit einer bewΓ€hrten Methodik datengetrieben geprΓΌft und umgesetzt. Mitarbeitende erlernen dabei neue Methoden, und Innovation wird mess- und planbar.

Die grΓΆsste Herausforderung?

Im Verkauf kommt oft die Frage nach dem Return on Investment auf, der bei den meisten Kunden bei ΓΌber 300 Prozent liegt. Im Verkaufsprozess mΓΌssen wir Beispielkalkulationen fΓΌr die interessierten Firmen durchfΓΌhren und benΓΆtigen in der Regel mehr als zwΓΆlf Monate, um den messbaren Impact (neue UmsΓ€tze oder Kosteneinsparungen) realisieren zu kΓΆnnen.

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Der bisher grΓΆsste Erfolg?

Wir sind selber ein Beispiel unseres Produkts: Wir haben die Methoden, die wir unseren Kunden als Lizenz anbieten, auf uns angewandt. So entwickelten wir uns vom internen Projekt ΓΌber ein Corporate Start-up bis hin zum VC-Backed Scale-up.

Das Überraschendste bisher?

Unsere Lâsung haben wir ursprünglich für uns entwickelt. 2018, beim Start der Kommerzialisierung, wussten wir nicht, ob das Produkt auch in anderen Firmen und Industrien funktioniert. Die grâsste Überraschung: Das Produkt hat zu messbarem Erfolg in über 15 Industrien geführt.

Der nΓ€chste Schritt?

Wir haben erste KI-Anwendungen in unsere Software eingebaut (zum Beispiel Chatbot als Coach, Ideengenerierung oder Echtzeit-Übersetzung) und treiben das Thema weiter voran.
Ariel LΓΌdi
Ariel LΓΌdiΒ ist als VC mit seinem Inkubator Hammer Team an 20 Schweizer B2B-Start-ups beteiligt.zVg
Ariel LΓΌdi
Ariel LΓΌdiΒ ist als VC mit seinem Inkubator Hammer Team an 20 Schweizer B2B-Start-ups beteiligt.zVg

Β«Time will tellΒ»

Β«Innovationsmanagement und Continuous Improvement sind vor allem in grΓΆsseren Firmen gut etabliert. UnzΓ€hlige Methoden wie Design Thinking, Six Sigma, TQM etc. werden von ihren AnhΓ€ngern angepriesen. Toolbasierte AnsΓ€tze fΓΌr diese oft papierlastigen Prozesse sind gefragt. Entsprechend gross ist die Konkurrenz. Rready ist momentan limitiert auf eine einzige, relativ unbekannte Methodologie, was eine grosse EinschrΓ€nkung ist. Denn wenn jemand beispielsweise ein Kanban-Ninja ist, will er ein Tool einkaufen, das β€Ήseineβ€Ί Methode abbildet. Rready ΓΌberlegt sich jetzt, sich fΓΌr andere Methoden zu ΓΆffnen.
Der Vertrieb ist ausschliesslich direkt, was mich erstaunt, da sich der Markt hervorragend fΓΌr den Partnerkanal eignet. Die MethodeneinschrΓ€nkung kΓΆnnte hier zurzeit die Akzeptanz bei mΓΆglichen Partnern limitieren. Der Grossteil der UmsΓ€tze stammt nicht vom Tool selber, sondern aus der Beratung, also dem Coaching. Damit ist eine Skalierung schwieriger und die Marge tiefer. Umso mehr sollte der Fokus auf dem Produkt und dem indirekten Kanal liegen, wegen der Skalierung bei Vertrieb und Coaching, aber auch, um vom Renommee und von der Kundenbasis der Partner zu profitieren. Weitere Fragezeichen fΓΌr mich sind der relativ hohe Churn von 10 bis 20 Prozent, die Preisstrategie und die fehlende Internationalisierung. Der CEO scheint die Herausforderungen erkannt zu haben: Time will tell.Β»
Daniel gutenberg
Daniel GutenbergΒ ist VC der ersten Stunde und hat in den letzten 26 Jahren mitgeholfen, 14 EinhΓΆrner grosszuziehen.Patrick Gutenberg
Daniel gutenberg
Daniel GutenbergΒ ist VC der ersten Stunde und hat in den letzten 26 Jahren mitgeholfen, 14 EinhΓΆrner grosszuziehen.Patrick Gutenberg

Β«Casino-SpielΒ»

Β«Rready ist ein Spin-out der Swisscom und adressiert Firmen mit mindestens 1000 Angestellten. 40 solcher Kunden hat die Firma schon gefunden. Dieser Markt ist aber per se nicht wirklich interessant, weil er schwer skaliert und der Procurement-Prozess bei so grossen Firmen sehr lange dauert. Interessant ist aber, was aus der Rready-Toolbox dort entstehen kann: ein Patent, ein Produkt oder ein Prozess, was mehr Wert haben kann als das Bestehende. Und man kann sehr viel Consulting verkaufen, da freuen sich McKinsey und Co., und Rready bekommt wenigstens einen kleinen Anteil an den Honoraren. In dem Markt gibt es aber schon viel Konkurrenz, und er konsolidiert sich: Alleine dieses Jahr gab es schon vier Übernahmen.
Der CEO von Rready ist ein guter Typ mit viel Erfahrung. Das Team hat er noch bei Swisscom gehired. Die Firma ist schon fast profitabel und kΓΆnnte danach langsam organisch weiterwachsen, mΓΆglichst im deutschsprachigen Raum. Damit hΓ€tte sie eine gute Zukunft. Die GrΓΌnder ΓΌberlegen sich jetzt aber, 10 bis 20 Millionen aufzunehmen und dann durchzustarten Richtung Unicorn. Das finde ich unrealistisch, weil der Markt schwierig ist und Rready zu wenig Wert pro Kunde generiert. Wenn sie das versuchen, ist es ein Casino-Spiel: Entweder sie werden am Ende fΓΌr gutes Geld von einem Berater gekauft, oder die Investoren machen keinen Return.Β»
Über die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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