Wertschรถpfer: Reto Wenger, Dave Hengartner, Vinzenz Leuenberger und Ralph Hartmeier (v.l.) treiben Innovation kostensenkend und ertragssteigernd voran. Roger Hofstetter fรผr BILANZ
Firmen brauchen Innovation, um wettbewerbsfรคhig zu bleiben. Ein Ideenbriefkasten genรผgt dafรผr nicht. Rready bietet eine Software und eine Methode, die aus Ideen neue Projekte, Kosteneinsparungen und Umsรคtze in Millionenhรถhe erzielt und die Mitarbeitenden dabei weiterbildet.
Wie ist sie entstanden?
Die Rready-Grรผnder arbeiteten bei Swisscom und erkannten, welches Potenzial in den Mitarbeitenden steckt, wenn sie bei der Innovation aktiv involviert werden.
Warum der Name?
Erstens steht der Name fรผr ยซRready-to-useยป-Lรถsungen, um Innovationsmanagement in Firmen zu ermรถglichen. Zweitens dafรผr, dass durch die Realisierung von Innovationsprojekten Unternehmen ยซrreadyยป werden, um sich in einer sich schnell wandelnden Welt zu behaupten. Drittens dafรผr, dass Rready Mitarbeitende weiterbildet und sie aktiv einbindet.
Woher stammt das Startkapital?
Von der Swisscom, da das Produkt ursprรผnglich als internes Innovationsprogramm entwickelt wurde โ ein Marktangebot war nicht geplant. Aufgrund des internen Erfolgs und der Marktnachfrage konnten fรผr das Spin-out 2021 VCs aus der Schweiz und den USA gewonnen werden, etwa Fyrfly Venture Partners, EquityPitcher Ventures und Verve Ventures.
Womit erzielen Sie die Umsรคtze?
Rready bietet eine Innovation-as-a-Service-Lizenz fรผr Unternehmen mit 1000 und mehr Mitarbeitenden an. Es ist eine Kombination aus Softwareplattform, Methodik und Beratung.
Grรผnder: Dave Hengartner (39), CEO; Reto Wenger (33), COO; Ralph Hartmeier (33), COO; Vinzenz Leuenberger (32), CPO
Firmensitz: Zรผrich
Anzahl Mitarbeiter: 20+
Umsatzziel fรผr 2024: >4 Mio. (ARR)
Profitabel: ab Anfang 2025
Die Vision?
Ideen-/Innovationsmanagement-Software muss ein Hygienefaktor werden; die Schwarmintelligenz der Belegschaft darf nicht verpuffen. Mithilfe unserer Software wollen wir jeder Firma kostenlos das Sammeln, Bewerten und Weiterentwickeln von Ideen ermรถglichen. Unsere Wertschรถpfung fokussiert sich auf die Ideenvalidierung und die Implementierung.
Die grosse Stรคrke?
Mitarbeiterideen werden, basierend auf den Unternehmenszielen, mit einer bewรคhrten Methodik datengetrieben geprรผft und umgesetzt. Mitarbeitende erlernen dabei neue Methoden, und Innovation wird mess- und planbar.
Die grรถsste Herausforderung?
Im Verkauf kommt oft die Frage nach dem Return on Investment auf, der bei den meisten Kunden bei รผber 300 Prozent liegt. Im Verkaufsprozess mรผssen wir Beispielkalkulationen fรผr die interessierten Firmen durchfรผhren und benรถtigen in der Regel mehr als zwรถlf Monate, um den messbaren Impact (neue Umsรคtze oder Kosteneinsparungen) realisieren zu kรถnnen.
Der bisher grรถsste Erfolg?
Wir sind selber ein Beispiel unseres Produkts: Wir haben die Methoden, die wir unseren Kunden als Lizenz anbieten, auf uns angewandt. So entwickelten wir uns vom internen Projekt รผber ein Corporate Start-up bis hin zum VC-Backed Scale-up.
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Das รberraschendste bisher?
Unsere Lรถsung haben wir ursprรผnglich fรผr uns entwickelt. 2018, beim Start der Kommerzialisierung, wussten wir nicht, ob das Produkt auch in anderen Firmen und Industrien funktioniert. Die grรถsste รberraschung: Das Produkt hat zu messbarem Erfolg in รผber 15 Industrien gefรผhrt.
Der nรคchste Schritt?
Wir haben erste KI-Anwendungen in unsere Software eingebaut (zum Beispiel Chatbot als Coach, Ideengenerierung oder Echtzeit-รbersetzung) und treiben das Thema weiter voran.
Ariel Lรผdiย ist als VC mit seinem Inkubator Hammer Team an 20 Schweizer B2B-Start-ups beteiligt.zVg
Ariel Lรผdiย ist als VC mit seinem Inkubator Hammer Team an 20 Schweizer B2B-Start-ups beteiligt.zVg
ยซTime will tellยป
ยซInnovationsmanagement und Continuous Improvement sind vor allem in grรถsseren Firmen gut etabliert. Unzรคhlige Methoden wie Design Thinking, Six Sigma, TQM etc. werden von ihren Anhรคngern angepriesen. Toolbasierte Ansรคtze fรผr diese oft papierlastigen Prozesse sind gefragt. Entsprechend gross ist die Konkurrenz. Rready ist momentan limitiert auf eine einzige, relativ unbekannte Methodologie, was eine grosse Einschrรคnkung ist. Denn wenn jemand beispielsweise ein Kanban-Ninja ist, will er ein Tool einkaufen, das โนseineโบ Methode abbildet. Rready รผberlegt sich jetzt, sich fรผr andere Methoden zu รถffnen.
Der Vertrieb ist ausschliesslich direkt, was mich erstaunt, da sich der Markt hervorragend fรผr den Partnerkanal eignet. Die Methodeneinschrรคnkung kรถnnte hier zurzeit die Akzeptanz bei mรถglichen Partnern limitieren. Der Grossteil der Umsรคtze stammt nicht vom Tool selber, sondern aus der Beratung, also dem Coaching. Damit ist eine Skalierung schwieriger und die Marge tiefer. Umso mehr sollte der Fokus auf dem Produkt und dem indirekten Kanal liegen, wegen der Skalierung bei Vertrieb und Coaching, aber auch, um vom Renommee und von der Kundenbasis der Partner zu profitieren. Weitere Fragezeichen fรผr mich sind der relativ hohe Churn von 10 bis 20 Prozent, die Preisstrategie und die fehlende Internationalisierung. Der CEO scheint die Herausforderungen erkannt zu haben: Time will tell.ยป
Daniel Gutenbergย ist VC der ersten Stunde und hat in den letzten 26โJahren mitgeholfen, 14 Einhรถrner grosszuziehen.Patrick Gutenberg
Daniel Gutenbergย ist VC der ersten Stunde und hat in den letzten 26โJahren mitgeholfen, 14 Einhรถrner grosszuziehen.Patrick Gutenberg
ยซCasino-Spielยป
ยซRready ist ein Spin-out der Swisscom und adressiert Firmen mit mindestens 1000 Angestellten. 40 solcher Kunden hat die Firma schon gefunden. Dieser Markt ist aber per se nicht wirklich interessant, weil er schwer skaliert und der Procurement-Prozess bei so grossen Firmen sehr lange dauert. Interessant ist aber, was aus der Rready-Toolbox dort entstehen kann: ein Patent, ein Produkt oder ein Prozess, was mehr Wert haben kann als das Bestehende. Und man kann sehr viel Consulting verkaufen, da freuen sich McKinsey und Co., und Rready bekommt wenigstens einen kleinen Anteil an den Honoraren. In dem Markt gibt es aber schon viel Konkurrenz, und er konsolidiert sich: Alleine dieses Jahr gab es schon vier รbernahmen.
Der CEO von Rready ist ein guter Typ mit viel Erfahrung. Das Team hat er noch bei Swisscom gehired. Die Firma ist schon fast profitabel und kรถnnte danach langsam organisch weiterwachsen, mรถglichst im deutschsprachigen Raum. Damit hรคtte sie eine gute Zukunft. Die Grรผnder รผberlegen sich jetzt aber, 10 bis 20 Millionen aufzunehmen und dann durchzustarten Richtung Unicorn. Das finde ich unrealistisch, weil der Markt schwierig ist und Rready zu wenig Wert pro Kunde generiert. Wenn sie das versuchen, ist es ein Casino-Spiel: Entweder sie werden am Ende fรผr gutes Geld von einem Berater gekauft, oder die Investoren machen keinen Return.ยป