Emotionale Sache: Β«Hier haben meine Eltern geheiratetΒ»: Jan Schoch in seinem Gasthaus BΓ€ren in Gonten bei Appenzell, wo er Millionen in den Umbau investierte. JΓΌrg Waldmeier
Stolz klopft er an die Holzdecke ΓΌber seinem Kopf: Β«1601 gebaut und immer noch die Originalbalken von damals.Β» Es gebe eben noch BestΓ€ndigkeit: Β«Das hΓ€lt gut nochmals 500 Jahre.Β» Das Traditionsgasthaus BΓ€ren in Gonten bei Appenzell, in dem wir uns zum GesprΓ€ch treffen, gehΓΆrt ihm. Eingestiegen ist er 2014, zu einer Zeit, als er noch auf einer Welle des Erfolgs schwamm. Β«Eine emotionale SacheΒ», sagt er, Β«meine Eltern haben hier geheiratet.Β» Mehrere Millionen investierte er in Umbau und Renovation. Der Β«BΓ€renΒ» ist ihm geblieben. Immerhin.
Viel hat er verloren: Verkauft sein Paket von Aktien am einstigen BΓΆrsenhighflyer Leonteq, der Derivatefirma, die er 2007 erst 29-jΓ€hrig mit drei Freunden gegrΓΌndet hatte. Verloren den Job als CEO des Unternehmens, dabei schnΓΆde fallengelassen von seinen MitgrΓΌndern. Weggeschmolzen die Dutzende von Millionen Franken, die er parallel zu seiner Leonteq-TΓ€tigkeit als Privatinvestor in seine zweite GrΓΌndung, die Fintech-Bank Flynt, gepumpt hatte.
Vorbei die schΓΆne Zeit im Rampenlicht als allseits hofierter Vorzeigemanager, der 2013 gar den Preis von Ernst & Young als Β«Unternehmer des JahresΒ» entgegennehmen durfte. Zerbrochen die Ehe mit seiner langjΓ€hrigen Partnerin und Mutter seiner vier Kinder. Verschwunden viele der Schulterklopfer der erfolgreichen Jahre.
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Heimat: Gasthaus BΓ€ren im Appenzellerland.JΓΌrg Waldmeier
Heimat: Gasthaus BΓ€ren im Appenzellerland.JΓΌrg Waldmeier
Dem Jubel der goldenen Zeit bis 2017 folgten Spott und HΓ€me in der spΓ€teren Krise. Es wurde in der Presse eifrig draufgehauen auf den Β«IkarusΒ» der Finanzbranche, den Mann, der so schnell aufgestiegen war, dann aber abgehoben und sich mit seinen mannigfachen AktivitΓ€ten verzettelt hatte β und zum grossen Teil verspielte, was er gewonnen hatte.
Nach seinem Rausschmiss als CEO bei Leonteq am 6.βOktober 2017 tauchte er lange ab. In den ZΓΌrcher Finanzkreisen sah man ihn nicht mehr, er zog sich zurΓΌck ins heimatliche Appenzell, die Gegend, wo er aufgewachsen ist und fΓΌr die bis heute sein Herz schlΓ€gt. Β«Das sind bodenstΓ€ndige und nΓΌchterne Menschen hierΒ», sagt er, Β«sie jubeln einen nicht gleich hoch, lassen einen aber in schwierigen Zeiten auch nicht hΓ€ngen.Β»
Aus dem Scheinwerferlicht
Dann β rund ein Jahr nach dem Abgang β kam der erste Schritt zurΓΌck in die breite Γffentlichkeit: Im vergangenen November trat er in ZΓΌrich an einem PodiumsgesprΓ€ch der HSG-Alumni-Vereinigung auf, des Netzwerks ehemaliger Studenten der Hochschule St.βGallen, an der auch er studiert hatte. Das Thema lautete: Β«Aus dem Scheinwerferlicht β das Leben danachΒ».
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Neben Schoch auf dem Podium: die ehemalige EiskunstlΓ€uferin Denise Biellmann, der SΓ€nger Ritschi und die Aargauer StΓ€nderΓ€tin Pascale Bruderer. Sie alle berichteten freizΓΌgig ΓΌber HΓΆhen und Tiefen ihrer Karrieren, ΓΌber das Loslassen und wie ihr Leben nach der (ersten) Karriere weiterging. Das Publikum durfte auch einen entspannten Jan Schoch erleben, der unverkrampft mitdiskutierte.
Β«Das sind bodenstΓ€ndige und nΓΌchterne Menschen hier βΒ sie lassen einen in schwierigen Zeiten nicht hΓ€ngenΒ»: Schoch ΓΌber seinen RΓΌckzug ins Appenzellerland.JΓΌrg Waldmeier
Β«Das sind bodenstΓ€ndige und nΓΌchterne Menschen hier βΒ sie lassen einen in schwierigen Zeiten nicht hΓ€ngenΒ»: Schoch ΓΌber seinen RΓΌckzug ins Appenzellerland.JΓΌrg Waldmeier
Manch ein Manager hat vergleichbare AnlΓ€sse genutzt, um erste zaghafte Schritte zurΓΌck ins Scheinwerferlicht zu machen, der im Januar 2012 als Nationalbank-PrΓ€sident zum RΓΌcktritt gezwungene Philipp Hildebrand etwa mit seinem Auftritt am Swiss Economic Forum (SEF) von Juni 2012 (siehe Box auf Seite 57). War der Auftritt auf dem HSG-Alumni-Podium auch fΓΌr Schoch ein solch bewusst gewΓ€hlter erster Schritt zurΓΌck? Β«NeinΒ», sagt er schmunzelnd, Β«ich bin auch nicht gezielt abgetaucht. Es hatte mich bis dahin einfach niemand gefragt.Β»
Was hat er gemacht in den letzten eineinhalb Jahren?
Β«Viel Zeit mit meinen Kindern verbrachtΒ», sagt er. Er hat drei SΓΆhne und eine Tochter im Alter von vier bis fΓΌnfzehn Jahren. Umgezogen ist er in eine schlichte Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung, nur wenige hundert Meter von der ehemals gemeinsam bewohnten Villa entfernt, die er kurz vor der Scheidung an seine Frau ΓΌbertragen hat. Er habe viel Zeit mit Nachdenken und Reflektieren verbracht.
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Am Anfang sei er zudem stark damit beschΓ€ftigt gewesen, seine AktivitΓ€ten aufzurΓ€umen. Finanzielle Verpflichtungen gab es einige, etwa den Kredit der Raiffeisenbank, laut Quellen aus dem Umfeld der Bank mit einer Linie bis zu 50 Millionen Franken. Mindestens 20 Millionen davon soll er gebraucht haben, vor allem fΓΌr NachschΓΌsse in seine Bank Flynt, die sich als Fass ohne Boden erwies. Zu den Zahlen nimmt er keine Stellung. Nur so viel: Β«Ich habe heute keine Kredite mehr. Weder privat noch geschΓ€ftlich.Β»
Etwas Geld sollte auch noch in der Kasse sein. Rund 64 Millionen Franken lΓΆste er aus dem Verkauf seiner 6,6 Prozent an Leonteq, mit dem er sich nach seinem erzwungenen Abgang als CEO auch finanziell vom Unternehmen trennte. Sein Paket war allerdings schon mehr wert: Auf dem HΓΆhepunkt des Kursfeuerwerks im Sommer 2015 stand es mit rund 250 Millionen Franken zu Buche. Doch dann kamen allerlei Probleme: Die Kosten liefen aus dem Ruder, ein Bankpartner sprang ab, dazu kam ein Finma-Busse β der Kurs stΓΌrzte ab. Und mit ihm zuletzt auch CEO Schoch.
Nicht nur finanziell, auch unternehmerisch sieht er Leonteq unter dem Strich allerdings positiv. Β«Ich bin stolz, eine Firma gegrΓΌndet zu haben, die es heute noch gibt und die fast 500 Mitarbeiter beschΓ€ftigt. Mit vielen von ihnen bin ich immer noch im Herzen verbunden.Β» Man spΓΌrt aber: Es gibt ihm zu beissen, dass die Sache so ausgegangen ist. Β«Man beschwΓΆrt in der Schweiz ja gerne den unternehmerischen Spirit amerikanischer Machart. Doch in der RealitΓ€t ist Scheitern in diesem Land immer noch eher negativ behaftet. Die Aufbauleistung geht schnell vergessen.Β»
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Das gelte auch fΓΌr Flynt. Er habe etwas gewagt, es sei dann halt nicht wie gewollt herauskommen, meint er und ΓΌbt auch Selbstkritik: Β«Zwei so intensive AktivitΓ€ten nebeneinander zu machen, war rΓΌckblickend sicher nicht zielfΓΌhrend.Β»
Finanziell hat Schoch mit Flynt einen tΓΌchtigen Schuh rausgezogen.
Der GrΓΌndungsinvestition von 20 Millionen Franken fΓΌr den Bau der Β«ersten Internetbank fΓΌr SuperreicheΒ» und den spΓ€ter nachgeschossenen geschΓ€tzten 20 Millionen stehen auf der Haben-Seite nur die wenigen Millionen gegenΓΌber, die er fΓΌr den Verkauf der zuletzt quasi zur reinen IT-Bude zurΓΌckgestutzten Firma an eine Gruppe von Kunden der ersten Stunde bekam.
Nach dem AufrΓ€umen
Doch verzettelt hat er seine Arbeitskraft nicht nur fΓΌr Leonteq und Flynt; gleichzeitig fΓΌhlte sich Schoch in jenen Jahren auch bemΓΌssigt, sich als Immobilieninvestor zu betΓ€tigen, was der Verwaltungsrat von Leonteq ebenfalls nicht eben gerne sah.
Aus seinen ImmobiliengeschΓ€ften ist er laut eigenen Angaben allerdings gut herausgekommen: Alle 21 Wohnungen in seinen drei MehrfamilienhΓ€usern seien verkauft. Heute bΓΌndelt er seine AktivitΓ€ten in einer privaten Gesellschaft namens Valastone. Darin ist nebst dem Gasthof BΓ€ren auch Landbesitz eingebracht. Ein beachtlicher Teil dessen, was an VermΓΆgen blieb, dΓΌrfte allerdings im Rahmen der Scheidung an seine Frau geflossen sein, die Anfang 2017 stattfand, als seine finanzielle Situation noch einiges rosiger aussah als zuletzt. Einige Millionen, vor allem in Form von Assets wie dem Β«BΓ€renΒ», dΓΌrften ihm schΓ€tzungsweise aber geblieben sein.
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Leonteq-GrΓΌnder: Weit verzweigt
Mit Lukas Ruflin, Michael Hartweg, Sandro Dorigo und Jan Schoch fanden 2007 vier Freunde zusammen, um die Derivatefirma Leonteq zu grΓΌnden. Schoch arbeitete bei Goldman Sachs, Hartweg war sein Vorgesetzter; Sandro Dorigo lernte er danach bei Lehman Brothers kennen. Ruflin war stellvertretender Finanzchef von EFG International, wollte Schoch eigentlich zu seiner Firma holen. Dieser schlug stattdessen vor, ein Unternehmen zu grΓΌnden: Es wurde mit Handschlag besiegelt.
Heute hat sich die Gruppe weitgehend aufgelΓΆst. Im August 2015 verliess Hartweg das Unternehmen, im November wurden seine 3,75 Prozent ΓΌber GrossaktionΓ€r Raiffeisen im Markt platziert. Er lΓΆste ΓΌber 100 Millionen Franken: Mit rund 160 Franken war der Kurs fast viermal so hoch wie derzeit. Heute engagiert sich Hartweg stark fΓΌr den Biathlonsport in der Schweiz, unter anderem als GrΓΌnder und Geldgeber der Biathlon Arena Lenzerheide. Daneben betΓ€tigt er sich als Start-up-Investor im Bereich Fintech, etwa bei der in der digitalen VermΓΆgensverwaltung tΓ€tigen Evolute.
Ruflin und Dorigo sind noch bei Leonteq, allerdings in sehr unterschiedlichen Rollen. Im Mai 2018 zum CEO gewΓ€hlt, ist Ruflin heute Nachfolger von Schoch als Dreh- und Angelpunkt der Firma. Sandro Dorigo ist nicht Mitglied der Konzernleitung β als Head Business Development und Chairman Asia ist er in Singapur stationiert. Ruflin hΓ€lt 8,15 Prozent der Aktien, Dorigo 2,45 Prozent.
Lukas RuflinzVg
Lukas RuflinzVg
Michael HartwegzVg
Michael HartwegzVg
Sandro DorigozVg
Sandro DorigozVg
Nach dem AufrΓ€umen stehe nun die nΓ€chste Stufe an: sich unternehmerisch neu zu orientieren. Konkrete PlΓ€ne hat er noch nicht, es werde wohl aber wieder in der Finanzindustrie sein. Er wolle aber nicht wieder ein halbes Dutzend Dinge anreissen, sondern sich auf eine Sache konzentrieren. Kann er sich auch eine Rolle in der Leitung eines bestehenden Unternehmens vorstellen? Wurden Headhunter gar bei ihm vorstellig?
Ja, das habe es gegeben. Er ΓΌberlege sich als Alternative so einen Weg. Bis jetzt sei es nicht in Frage gekommen, in Zukunft eventuell schon. Offen rΓ€umt er ein: Β«Mir ist schon bewusst, dass ich noch stark mit negativen Bildern belastet bin.Β» Man dΓΌrfe sich keine Illusionen machen: Durchlebte Krisen auch als wertvolle unternehmerische Erfahrung zu betrachten, wie dies in den USA wie selbstverstΓ€ndlich der Fall sei, erfordere eine ganz andere Sicht auf Managementanforderungen, als sie in der Schweiz ΓΌblich seien.
Wie stark sich viele Leute von ihm abgewendet hΓ€tten, sei schon eine Β«ernΓΌchternde und enttΓ€uschende ErfahrungΒ» gewesen. Man glaube ja gerne, dass es mit dem Interesse an der Person zu tun habe, wenn man mit Menschen zu tun habe. Doch das gelte vielleicht fΓΌr zehn Prozent der Kontakte β die grosse Mehrheit basiere auf der Funktion: Β«Ist die schΓΆne Visitenkarte mit dem Titel CEO weg, schwindet das Interesse rasant.Β»
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Nicht alleine
Mit solchen Erfahrungen steht Schoch allerdings nicht alleine da: LegendΓ€r ist die Episode, die der ehemalige Swissair-Chef Otto Loepfe vor vielen Jahren einmal an einem Essen mit Journalisten erzΓ€hlte. Nach seinem Abgang als Swissair-Chef habe sich seine Frau gewundert, warum sie plΓΆtzlich keine Einladungen zu Vernissagen oder einer KonzerterΓΆffnung mehr bekamen: Β«Meine Frau glaubte all die Zeit, wir wΓΌrden eingeladen, weil wir so nette Menschen sindΒ», so Loepfe.
Auch Schoch weiss derlei zu berichten. Als Beispiel nennt er die Global FinTech Association, die er mitgegrΓΌndet hat. Nach seinem Ausscheiden bei Leonteq habe es aus diesem Umfeld plΓΆtzlich kaum mehr Interesse gegeben, sich mit ihm auszutauschen, wΓ€hrend die Leute vorher Schlange gestanden seien fΓΌr ein Meeting. Β«RΓΌckblickend ging es da wohl in erster Linie darum, ΓΌber die Global FinTech Association mit dem CEO von Leonteq in Kontakt zu treten.Β» Schoch erzΓ€hlt dies ohne Groll, es seien zwar ernΓΌchternde Erfahrungen, es sei wohl aber so.
Emotionaler wird er, wenn er auf seine MitgrΓΌnder angesprochen wird: Β«Da gab es fΓΌr mich schon auch tiefe menschliche EnttΓ€uschungen.Β» Mit seinen WeggefΓ€hrten der ersten Stunde, Lukas Ruflin, Michael Hartweg und Sandro Dorigo (siehe Box auf Seite 55), jenen drei einst engen Freunden, mit denen er Leonteq 2007 aus dem Nichts aufgebaut hatte, hat er heute keinen Kontakt mehr. Β«Wir sind nicht verfeindet, aber schon sehr distanziert.Β»
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Einstimmiger Rauswurf
Vor allem MitgrΓΌnder Lukas Ruflin kam bei der Auswechslung von Schoch eine tragende Rolle zu. Ruflin, heute selber CEO von Leonteq und damit Nachfolger in der operativen Chefrolle, war lange im Verwaltungsrat, als VizeprΓ€sident und Vertreter der GrΓΌndungsaktionΓ€re. Und damit in entscheidender Rolle in jenem Gremium, das die Oberaufsicht ΓΌber das Management innehat. PrΓ€sident des Verwaltungsrats war seit 2016 der langjΓ€hrige Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz, heute wegen umstrittener FirmenverkΓ€ufe in seiner Zeit bei Raiffeisen unter Anklage der Justiz.
Am Abend des 5.βOktober 2017, einem Donnerstag, traf sich der Leonteq-VR zu einer Sitzung. Und beschloss den Rauswurf von Schoch. Einstimmig: Auch Ruflin hatte dafΓΌr die Hand gehoben. Leonteq ging damals durch eine schwierige Phase, die ErtrΓ€ge stockten, die Kosten waren explodiert, die von Schoch versprochene Ausweitung des GeschΓ€fts durch neue Bankpartner kam nicht vom Fleck. Dazu kamen die vielfΓ€ltigen NebenaktivitΓ€ten von Schoch, von Flynt ΓΌber die Immobilien bis hin zum GastronomiegeschΓ€ft mit dem Β«BΓ€renΒ», welche die Frage aufwarfen, ob der CEO sich auch genug auf seine Kernaufgabe konzentriere.
Ende Juli 2017 hatte die Schweizer BΓΆrse SIX zudem eine Managementtransaktion gemeldet β 70β690 Leonteq-Namenaktien im Wert von 4,1 Millionen Franken waren von Β«einem Exekutiven Verwaltungsratsmitgliedβ/βMitglied der GeschΓ€ftsleitungΒ» verkauft worden. Das erwΓ€hnte GL-Mitglied war Schoch, wie der VR spΓ€ter erfahren sollte. Dies war aus zwei GrΓΌnden problematisch.
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Erstens wird der Verkauf eigener Aktien als illoyal gewertet, vor allem auch, weil Schoch der Belegschaft sonst gerne gepredigt hatte, das Commitment zur Firma auch mit eigenen Aktien zu beweisen. Zweitens kam dem VR zu Ohren, dass Schoch das Geld brauchte, um es bei Flynt einzuschiessen. Schon mehrmals hatte der Verwaltungsrat seinen CEO wegen dessen zeitlicher und finanzieller Verzettelung kritisiert und ausdrΓΌcklich zur Rede gestellt. Einmal mehr zeigte sich mit diesem Deal aber: Schoch scherte sich einen Deut darum.
Hier kommt eine SchwΓ€che Schochs zutage, die in vielen Leuten in seinem Umfeld aufgefallen ist: Er lΓ€sst sich nicht gerne etwas sagen, von nichts und niemandem. Dies habe bereits in der Vergangenheit zu Diskussionen gefΓΌhrt, heisst es auch aus dem Kreis der MitgrΓΌnder. Nach und nach sollen sich so alle drei GefΓ€hrten der ersten Stunde von ihm abgewandt haben. Der Erste, mit dem es krachte, war Michael Hartweg. Im August 2015 gab er bekannt, aussteigen und seine Aktien verkaufen zu wollen. Er soll mit der eigenmΓ€chtigen Art von Schoch nicht zurechtgekommen sein, heisst es in der Firma. MitgrΓΌnder Sandro Dorigo wΓ€hlte eine andere LΓΆsung: Er zog sich auf einen Posten in Singapur zurΓΌck, weit weg von Schoch.
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KrisenbewΓ€ltiger: Jan Schoch an einem PodiumsgesprΓ€ch der HSG-Alumni in ZΓΌrich βΒ mit Pascale Bruderer, Peter Zehnder, Denise Biellmann und der Msiker Ritschi (v.l.).RMS
KrisenbewΓ€ltiger: Jan Schoch an einem PodiumsgesprΓ€ch der HSG-Alumni in ZΓΌrich βΒ mit Pascale Bruderer, Peter Zehnder, Denise Biellmann und der Msiker Ritschi (v.l.).RMS
RΓ€nkespiele
Ruflin hΓ€lt vergleichsweise lange zu Schoch, doch dann beginnt er hinter dessen RΓΌcken RΓ€nkespiele. Schon 2016 unterstΓΌtzt er die von PrΓ€sident Vincenz eingeleiteten PlΓ€ne, einen neuen CEO zu suchen. Der Verwaltungsrat fragt konkrete Kandidaten fΓΌr den Job an. Mit wenig Erfolg: Gute Kandidaten wittern den Braten und wollen sich nicht in die fragilen Machtstrukturen bei Leonteq einbringen. Schoch fΓΌhlt sich vom Vincenz und Ruflin verraten: Statt in der Krise ein Sparringspartner fΓΌr den CEO zu sein, wisse das Gremium nichts Besseres, als einen Diskurs ΓΌber die FΓΌhrung loszutreten, macht er seinen Groll gegenΓΌber Vertrauten kund.
Β«Es war ein MachtkampfΒ», sagt er heute. Viele der VorwΓΌrfe habe er als vorgeschoben empfunden: Β«Wenn es das nicht gewesen wΓ€re, wΓ€re es etwas anderes gewesen.Β» Vor allem weil zum Zeitpunkt seiner Umsetzung der Turnaround aufgegleist gewesen sei, die Gewinne wieder zugenommen hΓ€tten und der Kurs wieder angestiegen sei. Besonders trifft ihn seine Entmachtung, weil er sich selber als Kernfigur der GrΓΌndung sieht: Er habe die vier Freunde, die in verschiedenen Funktionen bei anderen Finanzunternehmen tΓ€tig waren, zusammengebracht.
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Einen Franken habe der Nominalwert der Aktien der damals noch privaten Firma betragen. (Heute steht der Kurs bei rund 42 Franken.) Alle hΓ€tten vom Aufbau finanziell profitiert. Auffallend ist: Am Schluss hat Ruflin als Vertreter der GrΓΌndungsaktionΓ€re im VR die Interessen von MitgrΓΌnder Schoch jedenfalls nicht mehr wahrgenommen: Es ergab sich die absurde Situation, dass Ruflin als gewΓ€hlter Vertreter von Schochs Aktien schlussendlich gegen ihn stimmte.
Manche Leute hΓ€tten ihn nach seinem Abgang gefragt, ob er es generell fΓΌr falsch halte, mit Freunden eine Firma zu grΓΌnden, erzΓ€hlt er. Er glaube aber nach wie vor an so etwas. Wenn man mit Freunden unternehmerisch tΓ€tig werde, kΓΆnne man sehr offen reden, das mache vieles einfacher, gerade in der Anfangsphase. Gelernt habe er aber aus der Sache, dass man stets auch darauf achten mΓΌsse, ob die Leute im Verlauf der Zeit mit ihrer jeweiligen Rolle unzufrieden wΓΌrden. Β«Da hΓ€tte ich frΓΌher auf Signale achten sollen.Β»
Zaghaft zurΓΌck unter die Leute
Nach einer Krise tauchen viele Manager vΓΆllig ab. Viele fΓΌrchten den Auftritt in der Γffentlichkeit, geprΓ€gt von der Kritik, die bei ihrem Absturz auf sie eingeprasselt ist. So war es auch beim ehemaligen Nationalbank-PrΓ€sidenten Philipp Hildebrand, der im Januar 2012 sein Amt rΓ€umen musste: DevisengeschΓ€fte seiner Gattin Kashya hatten ihn in ein schlechtes Licht gerΓΌckt. Der verunsicherte Hildebrand scheute sich, wieder in der Γffentlichkeit PrΓ€senz zu zeigen. Doch zwei enge Freunde, Stefan Linder und Peter StΓ€hli, GrΓΌnder des Swiss Economic Forums (SEF), konnten ihn ΓΌberzeugen, den Schritt zu wagen. So trat der Ex-Nationalbanker im Juni 2012 am SEF als Γberraschungsgast auf β und wurde mit wuchtigem Applaus empfangen. Es soll fΓΌr ihn wie eine Art Befreiung gewesen sein, berichten Vertraute.
Schoch wΓ€hlte fΓΌr seinen ersten grΓΆsseren Auftritt eine ΓΆffentliche Podiumsdiskussion, organisiert von den HSG- Alumni, der Vereinigung ehemaliger Studierender der UniversitΓ€t St.βGallen. FΓΌr Bea Tschanz, ehemalige Pressechefin der Swissair und Kommunikationsexpertin, eine geschickte Wahl: Β«Sich an einem Sachforum zu prΓ€sentieren, ist ein sanfter Weg zurΓΌck in die Γffentlichkeit.Β» Ob die Sache langfristig klappt, hΓ€nge stark vom Einzelfall ab: Β«Ist ein Manager zusΓ€tzlich auch in den Fokus der Justiz geraten, wie etwa Pierin Vincenz, dΓΌrfte es schwierig werden.Β»lange angst vor dem auftritt Philipp Hildebrand hat als Γberraschungsgast 2012 am Swiss Economic Forum den Schritt in die Γffentlichkeit gewagt β eine Art Befreiung.
Lange Angst vor dem Auftritt: Philipp Hildebrand hat als Γberraschungsgast 2012 am Swiss Economic Forum den Schritt in Richtung Γffentlichkeit gewagt β eine Art Befreiung.Marcel Bieri
Lange Angst vor dem Auftritt: Philipp Hildebrand hat als Γberraschungsgast 2012 am Swiss Economic Forum den Schritt in Richtung Γffentlichkeit gewagt β eine Art Befreiung.Marcel Bieri
Vorteil des neuen Lebens
Mit dem Aufgleisen neuer unternehmerischer TΓ€tigkeiten wolle er sich diesmal so lange Zeit lassen, bis ihn die Sache wirklich ΓΌberzeugt. Β«Ich war frΓΌher vielleicht manchmal etwas ungestΓΌm.Β»
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Vorteil seines neuen Lebens sei, dass er weiter viel Zeit mit seinen Kids verbringen kΓΆnne. Eine neue Partnerin habe er nicht, sagt er, die Trennung von seiner Frau sei vor dem Hintergrund eines Familienkonflikts zu sehen. Weiter stark engagiert sei er auch als PrΓ€sident der Schweizer PKU-Interessengemeinschaft. Zwei seiner vier Kinder leiden an der angeborenen Stoffwechselerkrankung PKU (Phenylketonurie), die bei falscher ErnΓ€hrung zu kΓΆrperlichen und geistigen SchΓ€den fΓΌhren kann.
Generell glaube er, dass er durch die Erfahrungen der letzten Jahre auch einen verstΓ€rkten Reifungsprozess durchgemacht habe. Als ungestΓΌmen Jungspund sieht sich der 41-JΓ€hrige trotz seines immer noch sehr jugendlichen Aussehens nicht mehr. Β«Ich trage jetzt sogar eine GleitsichtbrilleΒ», sagt er, Β«ich dachte immer, so etwas kommt erst mit 50.Β»